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Jahn-Nachrichten
Mittwoch, 17. Januar 2018 11

Aufstieg

SSV Jahn feiert seinen sensationellen Aufstieg

Aufsteiger im Siegestaumel: Dienstag und Mittwoch wird in der Regensburger Altstadt gefeiert. Trainer Weinzierl hält sich zurück.

  • Die Spieler des SSV Jahn feiern den Aufstieg im Regensburger Ratskeller. (Foto: Nickl)
  • Die Spieler des SSV Jahn feiern den Aufstieg in der Innenstadt. (Foto: Nickl)
  • Die Spieler des SSV Jahn feiern den Aufstieg im Regensburger Ratskeller. (Foto: Nickl)

Regensburg. Nach dem sensationellen Aufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga ist der SSV Jahn Regensburg in Feierlaune: Am Dienstagabend zog die Mannschaft des frischgebackenen Zweitligisten durch die Bachgasse in den Ratskeller. Bei einem Essen im internen Kreis wurde die Grundlage für einen feuchtfröhlichen Abend gelegt. Tobias Schlauderer, Jahn-Urgestein und einer der Aufstiegshelden, versprach in einem Interview: „Die nächsten zwei Wochen wird Regensburg brennen und wir reißen den Dom ab.“

Große Party auf dem Haidplatz

Am Mittwochabend steigt dann die große offizielle Party auf dem Haidplatz. OB Hans Schaidinger wird um 20.30 Uhr die Fußballspieler empfangen. Sportbürgermeister Gerhard Weber kündigte bei einem Pressegespräch am Dienstag an, dafür werde eigens eine Bühne aufgebaut. Bei trockenen Reden wird es nicht bleiben, denn eine mit dem Jahn verbundene Brauerei hat zehn Hektoliter Freibier spendiert. Weil die Stadt weit mehr als 500 Besucher erwartet, findet der Empfang nicht vor dem Alten Rathaus, sondern am Haidplatz statt, der wesentlich großzügigeren Platz bietet.

Glückwünsche für den SSV Jahn Regensburg

Nach Nach dem Aufstiegscoup prasselten die Glückwünsche nur so nieder auf den künftigen Fußball-Zweitligisten Jahn Regensburg. Beinahe die ganze Stadt freut sich mit dem SSV über den Aufstieg. „Ich bin überglücklich“, sagte Klaus Eder. „Zumal wir mit dem Jahn eng zusammenarbeiten.“ Er freue sich für die Mannschaft, für Trainer Markus Weinzierl und die ganze Region, betonte der Physiotherapeut der Fußballnationalmannschaft.

Sehr emotional äußerte sich Verfassungsrechtler Professor Dr. Udo Steiner, ein großer Jahn-Fan. Er hat die Begegnung am Fernseher verfolgt. „Eine für uns absolut wunderbare Erfahrung“, schwelgte er. „Ich bin so beeindruckt vom Charakter unserer Mannschaft.“ Das Ergebnis vom Montag gehöre zu den Märchen, die nur der Sport schreibe. „Ich war sehr gerührt.“

Sportbürgermeister Gerhard Weber gratulierte mit einem offenen Brief zur großartigen Leistung: „Herrlich, sensationell, wunderbar!“, jubelte er. Als Abstiegskandidat sei der Jahn gestartet, als Aufsteiger gelandet. Nach einer tollen Spielzeit habe die Mannschaft das Unglaubliche geschafft und sei in die 2. Liga aufgestiegen. Regensburg und ganz Ostbayern seien stolz auf die Jahn-Elf.

„Mit grundsolider Leistung und großem Mannschaftsgeist erringt diese sympathische Traditionsmannschaft den für viele unerwarteten, aber hochverdienten Aufstieg“, erklärte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) am Dienstag. Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) sagte: „Nach dem Aufstieg der SpVgg Greuther Fürth in die 1. Liga ist das für den bayerischen Fußball die zweite tolle Nachricht innerhalb weniger Wochen.“

„Glückwunsch an Trainer Markus Weinzierl, seine Mannschaft und den gesamten Verein“, erklärte Rainer Koch, Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV). Auch Koch erinnerte daran, dass damit gleich zwei bayerische Teams den Aufstieg geschafft haben. „Der SSV Jahn Regensburg hat sich diesen Erfolg durch harte Arbeit und viel Leidenschaft genauso verdient wie zuvor die SpVgg Greuther Fürth.“

Auch die Stadtverwaltung freute sich mit der örtlichen Mannschaft. „Glückwünsch, SSV Jahn! Die Stadt gratuliert zum Aufstieg“ steht seit Dienstagmorgen als Spitzenmeldung auf der Homepage.

OB Hans Schaidinger fieberte von der ukrainischen Partnerstadt Odessa aus mit. Seine Frau informierte ihn laufend über das Spiel. Mit seinem Aufstieg in die 2. Bundesliga habe ihm der SSV Jahn einen persönlichen Traum erfüllt. „Es war eine wirklich tolle Leistung unserer Mannschaft. Sie hat sich den Aufstieg verdient.“ Der OB sagte, er freue sich darauf, am Mittwochabend den Sieg mit der Mannschaft zu feiern.

Der Mannschaftsbus kam nach dem 2:2 in Karlsruhe am frühen Dienstagmorgen wieder in der Prüfeninger Straße an – erwartet von zahlreichen Fans, die ihre müden, aber glücklichen Helden empfingen. Die Spieler feierten noch immer ausgelassen. Auffallend einsilbig hingegen war Trainer Markus Weinzierl. Er verabschiedete sich schnell von seinen Spielern und fuhr mit seinem Auto davon.

Der bisherige Drittligist hatte am Montagabend dem favorisierten Karlsruher SC in dessen Stadion ein 2:2 abgetrotzt. Nach dem 1:1 im Relegations-Hinspiel machte Regensburg damit wegen des mehr erzielten Auswärtstores den Aufstieg perfekt und spielt nach acht Jahren wieder zweitklassig.

Jahn spielt auch in der 2. Liga im alten Stadion

Der Aufstieg hat auf den geplanten Stadionneubau in Regensburg keinen Einfluss. Der Neubau eines reinen Fußballstadions im Süden der Stadt nahe der Autobahn A3 könne nicht beschleunigt werden, sagte der Regenburger Oberbürgermeister, Hans Schaidinger (CSU), dem Bayerischen Rundfunk. Es gebe noch keinen Termin, wann die Arena fertiggestellt sein soll. Schaidinger ist jedoch überzeugt, dass Stadt und Verein die Voraussetzungen für einen Spielbetrieb im Jahn-Stadion an der Prüfeninger Straße erfüllen.

Bürgermeister Weber sagte bei der Pressekonferenz im Alten Rathaus, Stadt und Verein hätten nun gemeinsam die Aufgabe, das Stadion an der Prüfeninger Straße für die 2. Bundesliga zu ertüchtigen. Der SSV Jahn müsse die von der Deutschen Fußball-Liga geforderte Rasenheizung einbauen lassen. Derzeit werde sie geplant. Weber rechnet mit vier bis sechs Wochen Bauzeit und Kosten in Höhe von 400.000 Euro für Heizung und Rollrasen.

Auch mehr Sitzplätze im Stadion muss der Verein bis zum Saisonbeginn zwischen 3.

und 6. August schaffen. Laut Anton Brunnbauer, dem stellvertretenden Leiter des Sportamts, habe der Jahn eine Ausnahmegenehmigung für 12.000 Plätze von der DFL erhalten. Derzeit kommen im Stadion an der Prüfeninger Straße 10.724 Besucher unter, 2000 davon auf einem Sitzplatz. „Wir brauchen 3000 Sitzplätze und müssen das Gesamtfassungsvermögen auf 12.000 erhöhen“, stellte Brunnbauer fest. Das erreicht die Stadt mit einer Stahlrohrtribüne, die im Segment hinter dem Spielfeldtor, Richtung Prüfeninger Straße, stehen wird. Außerdem müssen die Kabinen umgebaut und die Pressetribüne erweitert werden. Bürgermeister Weber glaubt, das sei alles pünktlich zu bewältigen. Wegen der Finanzierung lasse die Stadt mit sich reden, das letzte Wort werde aber der Stadtrat haben.

Die Stadt stellt das Stadion an der Prüfeninger Stadion dem Verein seit Jahren nahezu kostenlos zur Verfügung. Alle zusätzlichen Baumaßnahmen, wie etwa die Schaffung von Zusatztribünen, muss prinzipiell der Verein bezahlen. Die Stadt hat allerdings signalisiert, dass sie sich im Fall des Aufstiegs in gewissem Rahmen beteiligen werde.

Im Frühjahr hatte Oberbürgermeister Hans Schaidinger wegen der schwierigen baurechtlichen Situation im alten Stadion sogar mit dem Gedanken gespielt, für die 2. Liga ins Uni-Stadion auszuweichen. Dieser Plan wurde aber kurz danach wieder verworfen. Am Dienstag zeigte er sich gegenüber einem Regensburger Radiosender zuversichtlich: Den Ausbau kriege man hin, sagte er.

Spekulationen um Markus Weinzierl gehen weiter

Die zweite offene Jahn-Baustelle ist die Trainerbank. Seit Wochen wird Markus Weinzierl als Nachfolger von Trainer Jos Luhukay beim FC Augsburg gehandelt. Franz Gerber sich noch in Karlsruhe ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: „Jetzt feiern wir erst einmal zwei Tage durch und dann beginnen die Planungen für die 2. Liga.“ Der 58-jährige Sportchef muss sich dann wohl erst einmal auf Trainersuche begeben. Rechnet doch auch er fest damit, dass Weinzierl nach Augsburg wechselt. „So wie ich die Signale von dort deute, muss man fest damit rechnen, dass er uns verlassen wird.“ Angeblich soll der Bundesligist in den nächsten Tagen das Geheimnis lüften, das eigentlich schon lange keines mehr ist.

Indes hält Weinzierl sich mit Antworten auf Fragen nach seiner Zukunft weiterhin zurück. So auch bei der Pressekonferenz im Wildparkstadion. Die Journalisten blieben hartnäckig: „Nun ist die Relegation vorbei. Jetzt können sie ja sagen, ob sie zum FCA wechseln.“ Das Lächeln des Jahntrainers wurde immer breiter. „Heute ist nicht der Zeitpunkt um über meine Person zu sprechen. Die Mannschaft steht im Mittelpunkt und, ihr Erfolg. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen“, so der Fußballlehrer. „Mein Team hat einen großartigen Charakter, und jeder meiner Spieler hat sich heute ein Denkmal gesetzt. Wir genießen nun gemeinsam den Moment, und dann gibt es eine Entscheidung.“

Ob ihn das Fußballoberhaus nicht reizen würde, ist er dann gefragt worden. „Jeder träumt doch von der Bundesliga“, war das Einzige, was sich Weinzierl entlocken ließ. Derweil spekulieren die Sportagenturen schon um seine Nachfolge in Regensburg: Jürgen Press (47), einst Coach beim FC Ingolstadt und Wacker Burghausen, früher Co-Trainer beim Jahn unter Karsten Wettberg und Günter Sebert sowie Ex-Jahn-Coach Günter Güttler (60), zuletzt bei der SpVgg Weiden und vorher bei Wacker Burghausen, sollen angeblich als Nachfolger von Weinzierl favorisiert sein, was von Gerber aber in keinem Fall bestätigt wird.

Bei all den Irrungen und Wirrungen um die Trainerposition beim Jahn wäre fast untergegangen, dass Wolfgang Beller in Karlsruhe an der Seite von Weinzierl gefehlt hatte. Der Co-Trainer war am Sonntag plötzlich wegen Gleichgewichtsstörungen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Dort hatte er schweren Herzens das Spiel und den Aufstiegstriumph nur am Fernseher verfolgen können. Freilich hat mir das weh getan, gerade da nicht dabei sein zu können“, sagte der 47-Jährige. Inzwischen geht es ihm nun schon wieder besser und er hofft, am Mittwoch beim Empfang durch die Stadt dabei sein zu können. Als Weinzierls Assistent in Karlsruhe hat ihn das Vorstandsmitglied und zugleich ehemalige Jahnspieler Tobias Zellner vertreten.

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