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Regionalsport
Freitag, 23. Juni 2017 34° 2

Ausdauer

Weiterlaufen, immer weiterlaufen

Der Junut ist bei aller Anstrengung auch ein Event, das Menschen verbindet. Die beiden Ersten liefen gemeinsam ins Ziel in Dietfurt ein.
von Andreas Friedl

  • Christoph Janthur und Georg Kunzfeld kamen gemeinsam als Erste ins Ziel. Junut-Organisator Gerhard Börner freut sich im Hintergrund mit den Siegern.Fotos: Böhmer (1)/Friedl

Dietfurt.239 Kilometer in maximal 54 Stunden und zusammengezählt 7500 Höhenmeter oder die „Kleine Alternative“ mit 170 Kilometer in maximal 39 Stunden und 5400 Höhenmeter: Bei beiden Strecken denkt der Normalsterbliche vielleicht an eine auch schon sehr anspruchsvolle Tour für Radfahrer in den Bergen. Weit gefehlt, diese angeführten Fakten versuchten von Freitagfrüh ab 9 Uhr oder ab 15 Uhr insgesamt knapp 120 Läufer beim Jurasteig Nonstop Ultratrail (Junut) zu bewältigen.

Gab den zuerst etwa 100 gestarteten Athleten Dietfurts erste Bürgermeister Carolin Braun den Startschuss, war es um 15 Uhr Pia Pritschet vom Tourismusbüro die die restlichen Läufer auf die Strecke schickte. Mancher Zuschauer fragte sich: Was sind das für Extremsportler, die solche Strapazen auf sich nehmen? Was bei dieser Gruppe und in dieser Sportart sofort auffällt. Es gibt keine Starallüren, alle gehen locker miteinander um. Es ist eine Gemeinschaft, bei der das Miteinander geschätzt wird.

Zum 5. Mal in Dietfurt dabei

Einer dieser Ultra-Läufer ist 55-jährige Jacek Fugiel, der im „richtigen“ Leben Servicetechniker ist und aus Dachau kommt: „Ich starte jetzt um 15 Uhr und bin hier in Dietfurt das fünfte Mal dabei. Ich freu mich immer wieder, dabei zu sein.“ Wie er anfügt, habe er sich die Ausdauer für diese Sportart schon vor Jahren bei Bergtouren im Hindukusch und im Pamir geholt. Die letzten Jahre habe er mit dem Laufen von Langstrecken angefangen. Auf mögliche „Durchhänger“ angesprochen meint der Dachauer: „Man darf sich nicht hinsetzen, sonst wird es sehr schwer, wieder weiterzulaufen. Mein Ziel ist es, vor dem Zeitlimit am Sonntag um 15 Uhr ins Ziel zu kommen.“

Auch bereits zum vierten Mal in Dietfurt dabei war Michael Merkel, ein 47-jähriger Risikomanager eines großen deutschen Versicherungskonzerns, der ebenfalls um 15 Uhr an den Start ging: „Ich habe schon immer viel Sport gemacht. Im Jahr 2015 kam ich im Gesamtklassement auf den dritten Platz. Im vergangen war es der zweite Platz. Beide Male auf der langen Strecke. Dieses Jahr starte ich nur auf der kleinen Runde.“

Wie er lachend anfügt, werde er trotz der Blasen die er sich holen werde, darauf achten, dass er innerhalb des Zeitlimits ankomme: „Lieber langsam laufen oder gehen, als stehenbleiben. Wichtig ist immer in Bewegung zu bleiben.“ Die 170 Kilometer will er im Zeitraum von 26 bis 30 Stunden schaffen. Dies sollte dann aber nicht sein. Nach 78 Kilometern musste er verletzungsbedingt ausscheiden. „Im nächsten Jahr auf ein Neues“, kündigt er sogleich an.

Wie Organisator Gerhard Börner kurz vor dem Nachmittagsstart sagt, gehörten die Läufer der ersten Gruppe, die um 9 Uhr gestartet seien, und maximal 54 Stunden unterwegs sein dürfen, nicht alle der Leistungsspitze in dieser Sportart an. Die sechs Stunden später gestarteten hätten „nur“ 48 Stunden Zeit, um ins Ziel zu kommen und seien daher etwas leistungsstärker einzuschätzen.

Einen, dem man es auch nicht ansieht, dass er solche Strapazen auf sich nimmt, ist der 34-jährige Frank Reichl aus Deggendorf. „Ich bin das erste Mal hier, um die 239 Kilometer zurückzulegen. Mein Ziel ist es, durchzuhalten und im Zeitlimit anzukommen.“ Um bei Einbrüchen den inneren Schweinehund zu überwinden, heiße es für ihn, einfach weiterlaufen. Er verrät auch noch, dass er von Mitte Juli bis Anfang August am Deutschlandlauf teilnehmen möchte. Dieser Lauf gehe über 19 Tage und beginne auf der Insel Sylt und führe bis auf den höchsten Punkt der Zugspitze.

Nach rund 35 Stunden im Ziel

Ob dort oder beim Junut, dass es bei diesen Athleten nicht nur leere Versprechen sind, dass sie teilweise gemeinsam ins Ziel laufen wollen, bestätigt sich auch dieses Jahr wieder. Georg Kunzfeld, der 2016 schon auf der Langdistanz den ersten Platz erreichte, war nun auch in diesem Jahr vorne. Zusammen mit Christoph Janthur passierten er am Sonntag um 1.50 Uhr, nach 34 Stunden und 50 Minuten die Ziellinie. Den beiden folgte nach 36:44 Stunden Holger Boller. Vierter wurde Eckhardt Seher in 38:51 Stunden.

Über die „Kurzstrecke“ kam Tobias Krumm in 21:12 Stunden als Erster ins Ziel. Gefolgt von Michael Schmidt in 21:25 Stunden und Jörg Burgstahler in der Zeit von 23:22 Stunden. Eine hervorragende Zeit mit 35:20 Stunden konnte der einzige Dietfurter Starter, Christian Salzinger, auf den 170 Kilometern vorweisen.

Bereits vor dem Start war der Wunsch aller befragten Läufer für die Zeit nach dem Lauf: Nur noch Duschen und ruhen. Organisator Gerhard Börner war froh, dass bis auf kleine Blessuren bei den Läufern alles gut über die Bühne gegangen ist.

Frank Reichl war einer der Läufer, die die lange Distanz des Junut absolvierten.

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