Regionale Sportnachrichten 02.03.2012, 20:33 Uhr

Top-Referee aus dem Entwicklungsland

Eine Futsal-Nationalmannschaft hat Deutschland nicht, der Regensburger Stephan Kammerer aber pfeift auf höchstem Niveau.


        Der bislang letzte internationale Einsatz: Stephan Kammerer schüttelt bei der Futsal-EM in Kroatien einem Balljungen die Hand, sein finnischer Schiedsrichter-Kollege Timo Onatsu, der rumänische Kapitän Robert Lupu (l.) und der tschechische Kapitän Iuliu Safar schauen zu. Foto: SPORTSFILE

Der bislang letzte internationale Einsatz: Stephan Kammerer schüttelt bei der Futsal-EM in Kroatien einem Balljungen die Hand, sein finnischer Schiedsrichter-Kollege Timo Onatsu, der rumänische Kapitän Robert Lupu (l.) und der tschechische Kapitän Iuliu Safar schauen zu. Foto: SPORTSFILE

Von Claus-Dieter wotruba, MZ

REGENSBURG. Das wäre eine ideale Millionenfrage für Günter Jauch: Was haben Deutschland, Liechtenstein, Luxemburg, die Färöer Inseln, Schweden und Österreich gemeinsam? Wir machen keine Werbepause, Sie müssen auch nicht anrufen, sondern wir verraten es sofort: Der Sechserpack gehört zu den Ländern, an denen Futsal bislang vorbeigeht. Wenige Deutsche haben also Ahnung über das Spitzenniveau dieser Form des Hallenfußballs, Stephan Kammerer schon. Der 43-Jährige ist Schiedsrichter, hat seit dem Frühjahr 2011 seinen Lebensmittelpunkt als Leiter der IHK-Akademie in Regensburg und gerade mit der Futsal-Europameisterschaft in Kroatien sein drittes Großturnier absolviert.

Deutschland ist Diaspora im Futsal, und als Stephan Kammerer 2004 dazukam, war es das noch viel mehr. „Ganz ehrlich? Ich habe das aus egoistischen Gründen gemacht“, sagt Kammerer. Der Badener hatte sieben Zweitliga-Jahre mit 62 Einsätzen auf dem Buckel, aber „die Potenzialaussage für die Bundesliga“ fehlte. Stattdessen wurde ihm bedeutet: „Kümmere dich um Futsal und die Lehrarbeit dort.“ Kammerer tat, wie ihm geheißen, wirkte noch bis 2008 als Assistent an der Seitenlinie im höherklassigen Fußball („zum Beispiel bei Frau Steinhaus“) und hat inzwischen 45 internationale Spiele geleitet, das erste 2005.

Nebenbei wurde er ein Fan des Spiels, das die Deutschen weniger mögen als andere Nationen. Spanien zum Beispiel wurde in Kroatien zum vierten Mal hintereinander Europameister. „Wenn die ihren Torwart herausnehmen und der Gegner minutenlang nicht an den Ball kommt, ist das eine Schau“, sagt Kammerer.

Eishockey, Hand- und Basketball

Er beschreibt Futsal so: „Schnell, fair und spannend: Es ist eine Mischung aus Eishockey, Handball und Basketball: Vom Eishockey kommt der fliegende Torwart, vom Handball das Spielfeld und vom Basketball die kumulierten Fouls.“ Dazu passt eine der Ursprungserklärungen des Futsals, die sozialpädagogischer Natur ist: In den 1930er-Jahren hatte ein Sportlehrer in Uruguay Futsal kreiiert, um Schüler unterschiedlichen Alters besser miteinander spielen lassen zu können.

 

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