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Samstagsinterview
Samstag, 16. Dezember 2017 10

Samstagsinterview

Das Ziel: Unter die besten Acht

Saisonauftakt: Würzburgs Coach Bauermann spricht über sein Team, die Favoriten und seine Zeit beim FC Bayern.
Von Birgit Pinzer, MZ

Dirk Bauermann bei einem Spiel gegen den FC Bayern. Foto: Langer/Eibner-Pressefoto

Herr Bauermann Sie sind seit Dezember 2016 bei s.Oliver Würzburg, stehen nun vor Ihrer ersten kompletten Bundesliga-Saison. Wann ist aus Ihrer Sicht die Saison erfolgreich verlaufen?

Vor allem dann, wenn wir intensiven, intelligenten Basketball gespielt haben. Wenn die Fans und Zuschauer in Würzburg sich mit ihrer Mannschaft identifizieren konnten, weil sie sehen, dass die Jungs alles investierten und kämpften, dass sie sich mit dem Verein und der Stadt identifizieren. Das ist für mich das Allerwichtigste – deutlich wichtiger als auf Tabellenplätze zu starren, wie das Kaninchen auf die Schlange. Natürlich wollen wir mit dieser Mannschaft um einen der Playoffplätze mitspielen. Aber die besten acht Teams der vergangenen Saison haben sich alle verstärkt. Es wird nicht leicht, in diese Phalanx einzubrechen. Aber wir werden alles geben, was wir haben.

Sie hatten in einem früheren Gespräch einmal zu mir gesagt, dass man, um ein großes Team zu sein, eine kollektive Identität bräuchte. Ist Würzburg schon ein großes Team, hat es eine kollektive Identität?

Ein großes Team sind wir sicherlich noch nicht, da sind wir noch weit entfernt. Wir haben die Mannschaft auf vielen Schlüsselpositionen neu besetzt und sind im Moment dabei, uns unsere Identität zu erarbeiten und herauszufinden was unsere Leitplanken, unsere roten Linien sind, wofür wir stehen wollen. Wir wollen für Intensität in der Verteidigung stehen, dafür, dass der Ball läuft. Wir wollen selbstlosen und kreativen Basketball spielen. Wenn wir das hinbekommen, dann ist auch das Erreichen unserer Ziele möglich. Aber das ist immer ein Prozess, der Geduld und Hartnäckigkeit erfordert.

„Wir haben die Mannschaft auf vielen Schlüsselpositionen neu besetzt und sind im Moment dabei, uns unsere Identität zu erarbeiten und herauszufinden was unsere Leitplanken, unsere roten Linien sind, wofür wir stehen wollen.“

Sie haben mit dem Transfer von Robin Benzing zu Würzburg aufhorchen lassen.

Robin ist ein Spieler mit internationaler Qualität, der in den letzten beiden Jahren in der ACB in Spanien zu den besten zehn Scorern der Liga gehörte. Ihn jetzt verpflichten zu können war für uns ein großer Glücksfall. Da hat das Timing in allen Bereichen perfekt gepasst. Dass er noch etwas Zeit brauchen wird, um sich zu integrieren ist normal, aber die Mannschaft hat ihn mit offenen Armen empfangen. Insofern sind wir absolut zuversichtlich, dass er nicht nur ein Leistungsträger in Würzburg wird, sondern auch ein Aushängeschild der Liga.

Wie charakterisieren Sie Ihr Team?

Natürlich ragt Robin jetzt ein wenig heraus, weil er der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft ist. Sicherlich stechen auch ein Kresimir Loncar als langjähriger kroatischer Nationalspieler oder Cliff Hammonds, der bei Topvereinen in Europa und bei Alba Berlin gespielt hat, heraus. Aber wir haben es nicht darauf angelegt, Stars zu holen. Wir wollten eine ausgeglichene Mannschaft bauen, in der jeder Spieler korbgefährlich ist, in der jeder die notwendigen Qualitäten besitzt. Ausgeglichenheit war uns sehr wichtig, und wir wollten grundsätzlich willensstarke Spieler haben. Ich denke, dass wir eine große Variabilität im Kader haben. Insofern würde ich auch keinen herausheben.

Zwei bayerische Vereine dominieren die Bundesliga Wird es jetzt auf absehbare Zeit immer ein Finale FC Bayern - Bamberg geben? Oder kann man diese Konstellation auch durchbrechen?

Vom Prinzip her kann man das natürlich. Es ist immer einer in der Lage den beiden ein Bein zu stellen. Das haben die Ulmer in der Hauptsaison vergangenes Jahr ja immer wieder mal getan. In den Playoffs hat es dann nicht gereicht. Trotzdem muss man sagen, dass Bamberg und Bayern schon eine Klasse für sich sind. Das hat mit den Ansprüchen der Klubs zu tun. Die Ziele drücken sich ja immer auch im Budget aus, das bei beiden deutlich höher liegt als bei allen anderen Konkurrenten. Es ist beispielsweise um das vier- bis fünffache höher als unser Etat. Aber es wird in Bamberg und München auch sehr gute Arbeit geleistet. Da ist viel Ehrgeiz, viel Hunger nach Erfolg im Spiel. Deshalb wird es auch in Zukunft ganz schwierig sein, in diese Phalanx einzubrechen. Wir sind dazu sicher noch nicht in der Lage; aber vielleicht in drei oder vier Jahren, dann mit einer neuen Halle und dadurch auch besseren finanziellen Möglichkeiten. Im Augenblick sind wir sicherlich nicht auf Augenhöhe mit diesen beiden Mannschaften.

Der Einstieg des FC Bayern hat der öffentlichen Wahrnehmung des Basketballs einen enormen Schub gegeben, die BBL hat sich weiterentwickelt, auch durch Ihr Zutun, da Uli Hoeneß mit Ihnen den bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Trainer geholt hat. Wie blicken Sie auf Ihre Zeit bei den Bayern zurück?

Ich habe die Zeit beim FC Bayern sehr genossen. Uli Hoeneß hätte wahrscheinlich ohne mich gar nicht in den Basketball investiert. Nur die letzten drei Monate vor der Entlassung waren schwierig. Sie waren sicher auch auf menschlicher Ebene eine Enttäuschung. Aber ich glaube, dass die Entlassung politische und keine basketballerischen Gründe hatte. Aber so sind die Dinge. Ansonsten blicke ich mit großer Genugtuung zurück. Das hat viel Spaß gemacht, die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen, insbesondere mit Uli Hoeneß, war lehrreich. In den zwei Jahren bei den Bayern, davon ein Jahr in der zweiten Liga, habe ich viel investiert. Das war nicht immer einfach. Und so freue ich mich sehr, an dieser Entwicklung einen kleinen Anteil gehabt zu haben.

Die Stationen der Karriere von Dirk Bauermann:

Stationen als Trainer

  • Dirk Bauermann (59)

    wurde 1988 Assistenztrainer bei Bayer Leverkusen, 1989 wurde er Chefcoach.

  • Mit Leverkusen

    wurde er siebenmal deutscher Meister und viermal Pokalsieger.

  • Bamberg feierte

    mit ihm seinen ersten DM-Titel (insgesamt zwei DM-Titel und zwei Pokalsiege).

  • Der Klub erreichte

    mit ihm als erstes deutsches Team die Top 16 der Euroleage.

  • Zweimal betreute Bauermann

    das deutsche Nationalteam: 1994 und von 2004 bis 2011. Bei der EM 2005 holte das Team Silber, bei der WM 2006 Rang acht. 2008 startete es bei Olympia.

  • 2010 übernahm Bauermann

    das A-Pro-Team des FC Bayern und stieg mit dem Team in die BBL auf. Von seinem Posten als Nationaltrainer trat er zurück. 2012 wurde er entlassen.

War es für Sie wichtig, nach der Entlassung erst einmal einen Cut zu machen? Sind Sie deswegen ins Ausland?

Ja. Nach diesen schwierigen drei Monaten wollte ich nicht in der Liga bleiben, sondern auch räumlich eine Distanz schaffen. Ich machte hochinteressante und beeindruckende Erfahrungen, sei es in Russland, in Litauen in der Europa Liga, als Trainer der polnischen Nationalmannschaft oder im Iran. Als Trainer der iranischen Nationalmannschaft war es eine große menschliche Erfahrung, in einem muslimischen Staat zu arbeiten, eine muslimische Gesellschaft von innen kennenzulernen. Ich bin sehr froh, dass ich diesen Schritt damals gemacht habe.

Wir haben mittlerweile sechs Deutsche in der NBA, so viel wie nie zuvor. Ist das auch eine Folge der Entwicklung der letzten Jahre?

Es spielen viele Faktoren eine Rolle, viele Dinge in Deutschland haben sich professionalisiert. Es ist mehr Geld im System, das ist wichtig. Aber was auch ganz wichtig ist: Dass der Verband und die BBL Strukturen geschaffen haben, die es notwendig machen, Talente zu finden und zu entwickeln. . Jeder Klub muss sechs Deutsche im Kader haben und kann nicht mehr beliebig Ausländer verpflichten. Drei hauptamtliche Jugendtrainer sind für jeden Bundesligisten Pflicht, jeder muss in den beiden deutschen nationalen Jugendligen eine Mannschaft am Start haben. In diesem Zusammenhang geht es aus meiner Sicht in die richtige Richtung und das sieht man auch daran, dass wir sechs Jungs in der NBA haben.

Eine letzte Frage Herr Bauermann: Wie geht es Ihrem Cola-Light-Konsum?

Schlecht (Bauermann lacht). Der ist unverändert hoch.

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