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Samstagsinterview
Samstag, 16. Dezember 2017 10

Zwischenbilanz

Öchsner ist täglich auf der Matte

Jürgen Öchsner ist seit zwei Jahren Cheftrainer der Judoka des TSV Abensberg – und lebt professionelle Einstellung vor.
Von Dieter Krelle, MZ

Jürgen Öchsner hat mit dem TSV Abensberg noch viel vor. Foto: mar

Abensberg.Herr Öchsner, wie beurteilen Sie Ihre bisherigen zwei Jahre beim TSV Abensberg?

Sehr gut und sehr erfolgreich. Wir sind souverän durch die 2. Bundesliga marschiert und nach dem Wiederaufstieg in einer sehr starken Süd-Liga ungeschlagen zum Bundesliga-Zwischenziel gelangt.

Was fehlt jetzt noch zur Krönung?

Natürlich die 21. deutsche Meisterschaft. Dass schon der Kampf gegen Hamburg schwer wird, wissen wir alle. Der erst vor dem Saisonstart vollzogene Wechsel unserer „Dicken“ Dimitri Peters und Andre Breitbarth in den Norden war ein moralischer Tiefschlag, weil uns wichtige Eckpunkte für die Saison-Gestaltung wegbrachen. Wie unser neuer Teamchef Fabian Seidlmeier und die noch enger zusammenrückende Mannschaft für das letzte Jahr vor der tiefgreifenden Bundesliga-Reform handelten, spricht für den Geist unserer Truppe.

Teamspirit war einst die Triebfeder der großen Abensberger Dominanz. Wie ist das heute?

Das gilt unverändert für den deutschen wie auch ausländischen Teil unserer Mannschaft. Anders sind große Ziele nicht zu erreichen. Aber es gibt schon neue Herausforderungen. Mit Kapitän Sven Maresch, der in Potsdam studiert, und Christopher Völk, der sein Medizin-Studium abgeschlossen hat, werden zwei Olympiastarter ihre Bundesliga-Laufbahn ebenso beenden wie der beruflich bereits stark eingespannte Robert Dumke. Wie für die gesamte Mannschaft wäre ein Triumph gegen die Hamburger nun beim Final Four am Samstag auf neutralem Leipziger Boden das Größte.

Nach wie vor ist der Teamspirit die Triebfeder der großen Abensberger Dominanz. Foto: Pieknik

Das ist das Halbfinale im Kampf um die deutsche Meisterschaft. Gegen die fast komplette deutsche Nationalmannschaft wird das aber wohl schon schwierig....

...ja, denn natürlich haben die mit Alexander Wieczerzak einen aktuellen 81-kg-Weltmeister, dazu einen kaum schwächeren Dominic Ressel sowie die 73-kg-Paarung mit Olympia-Starter Igor Wandkte und Anthony Zingg. In diesen Schlüsselbegegnungen werden Maresch, Benjamin Münnich, Völk und David Krämer schon alles in die Waagschale werfen müssen, um Punkte zu sammeln.

Und dann wird es noch weitere wichtige Duelle geben, oder?

Unsere Hoffnungen ruhen auch auf Philip Graf in der 60-kg-Klasse, der seinen Afrika-Urlaub unterbrochen hat, und auf dem 66-kg-Duo Sebi Seidel und Manu Scheibel. Und in den schweren Klassen kommen auf Olympia-Starter Marc Odenthal und Dominik Gerzer anspruchsvolle Aufgaben gegen Dario Kurbjuweit, Garcia Peters sowie Breitbarth und Stanislav Bondarenko zu, denen wir möglicherweise etwas mit Weltmeister Nemanja Majdov, den israelischen Abu Dhabi-Grand-Slam-Dritten Ori Sasson und Tohar Butbul sowie Sagi Muki entgegensetzen können.

Hochspannung also schon auf der Waage?

Natürlich, und auch für unsere mitgereisten Nachwuchskämpfer Daniel Scheller, Dominic Ennerst, Andreas Steffl, Markus und Mattias Tuscher, David Haller und Ludwig Igl, die die große Atmosphäre in der Leipziger Arena als Ansporn in die nächste Saison mitnehmen können. Ihr mit 12:8 gegen Aschaffenburg gesicherter Aufstieg in die Bayernliga als künftig höchste regionale Klasse war wichtiger Teil unseres Nachwuchs-Förderkonzepts, der deutsche Vizemeister-Titel für die U16 ebenso. Und jetzt kommen die superspannenden Halbfinals, zum einen zwischen Hamburg und Abensberg, zum anderen zwischen Leipzig und Esslingen.

Bislang eine fast makellose Bilanz

  • Am 1. November,

    drei Tage vor den Final-Four um die deutsche Mannschafts-Judomeisterschaften in der mit 4000 Zuschauern ausverkauften Arena Leipzig, waren es genau zwei Jahre, seitdem Jürgen Öchsner beim Rekordmeister TSV Abensberg das Amt des Cheftrainers übernahm. Bis zum Halbfinal-Gipfel am Samstag um 13 Uhr gegen Titelverteidiger Hamburger JT kann der in Steinberg aufgewachsene und in den sechs Jahren bei der TSG Backnang als Ausbilder geschulte 47-Jährige eine fast makellose Bilanz ausnahmslos erfüllter Ziele vorweisen.

  • So gelang

    unter anderem der direkte Durchmarsch durch die 2. Bundesliga. Die Vereinsgeschichte des TSV Abensberg ist allerdings gut gefüllt mit großen Erfolgen. So wurden die „Babonen“ alleine 20 mal Deutscher Mannschaftsmeister. Sieben Mal holten sie den Europacup. Im Januar 2015 gab der Verein bekannt, sich zunächst aus der Judo-Bundesliga zurückzuziehen, mit der Begründung, dass der Verein den Sportlern bis zu den Olympischen Spielen 2016 keine Doppelbelastung zumuten wolle. Nun ist der TSV aber wieder in der höchsten Liga zurück.

Gab es sonst noch Höhepunkte in den vergangenen zwei Jahren?

Klar. Der Auftritt der 16-jährigen Raphaela Igl mit ihrem dritten Platz bei der Junioren-WM in Chile war für den Verein und das ganze Umfeld ein besonderes Erlebnis. Gerade ihr Beispiel zeigt, was mit konzentrierter Einstellung und hoher Zielsetzung wie einem Olympia-Start zu erreichen ist. Fußball-Coach Ralf Rangnick, den ich in Württemberg kennenlernen durfte, hätte da viel von der pädagogischen Trainings-Zielrichtung einer Schülerin entdecken können.

Professionelle Einstellung leben Sie ja vor!

Natürlich habe ich in den zwei Jahren den umfangreichen Leistungs-Katalog meines Mentors Otto Kneitinger abgearbeitet. Täglich auf der Matte, ständig im Austausch mit wichtigen Mitarbeitern wie meinem Vorgänger Radu Iwan, der heute U18-Landestrainer ist, oder dem durch ein stark verjüngtes Funktionärs-Team zur Rückkehr in den Trainings-Bereich motivierten Peter Dremov, dazu die Judo-Förderung in der Schule sind schon ein hoher Aufwand.

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Streikt bei diesem zeitlichen Aufwand nicht auch mal die Ehefrau?

Was sie seit unserem Kennenlernen vor 25 Jahren in Balingen und der Heirat vor 23 Jahren auf sich genommen hat, ist schon außergewöhnlich. Denn nach meiner Bundeswehrzeit war klar, dass Judo-Trainer mein Lebensinhalt ist. Die sechs Jahre Lehrzeit als Trainer bei der TSG Backnang (diese Saison Frauen-Mannschaftsmeister, Anm. d. Red.) waren dann eine wichtige Voraussetzung für den großen Schritt nach Abensberg.

Christopher Völk wird seine Laufbahn beenden. Foto: dpa

Sie sind ja ein durchaus lebensfroher Mensch, oder?

In komme aus Klardorf bei Schwandorf. In meiner Heimat war ich zunächst als Faschingsprinz und Hofmarschall der FG Seelania bekannt. Weil’s mit dem Fußball nicht klappte, wechselte ich zu den Judoka des TSV Schwandorf. Dann war ich 15 Jahre alt und Bundesligist TSV Abensberg begeisterte mich und ich wechselte nach Abensberg – ein Aufwand, den meine Eltern klaglos schulterten. Dafür bin ich ihnen ewig dankbar und da schließt sich auch der Kreis zu meiner Frau. In Abensberg hat man erkannt, wie wichtig ihr die Harmonie im Umfeld ist. Sie wird am Samstag zum Finale nachreisen, weil sie am Freitag noch arbeiten muss.

Hier geht‘s zum Liveticker vom Final-Four-Kampf um die Bundesligamannschaftsmeisterschaft an diesem Samstag in Leipzig!

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