mz_logo

Samstagsinterview
Freitag, 15. Dezember 2017 3

Kombinierer

Weinbuch: „Wir haben ein Pfund drauf“

Der Coach der nordischen Kombinierer steckt seinem Team hohe Ziele. Aber die starke Konkurrenz schläft nicht.
Von Lars Becker

Er sagt den deutschen Kombinierern, wo es langgeht: Hermann Weinbuch (l.) mit Eric Frenzel Foto: dpa

Regensburg.Hermann Weinbuch, Anfang der Woche wurde ihr Topathlet Johannes Rydzek bei der Anfahrt zu einem Trainingssprung auf der Schanze im finnischen Kuusamo von einem Ski überholt. Eine extrem gefährliche Situation…

Einem ebenfalls auf dem Sprungturm stehenden Amerikaner ist ein Ski aus der Hand gefallen. Das war sehr gefährlich, da ist mir das Herz schon beim Zuschauen stehengeblieben. Zum Glück hat „Rydschi“ cool reagiert. Er hat es irgendwie geschafft, den Ski zu packen und aus der Spur zu werfen. Wäre ihm das nicht gelungen, hätte er in der Luft wohl einen Salto gedreht, wäre gestürzt und die Olympia-Saison wäre gelaufen gewesen. So schnell kann es gehen…

Trotz dieses Schreckmoments geht ihr Team als haushoher Favorit in die Saison. Gibt das Rückenwind oder ist die hohe Erwartungshaltung doch eher eine Belastung?

Wir sind ja inzwischen dran gewöhnt, dass jeder Siege von uns erwartet. Das ist keine Belastung. Die Jungs sind einfach gut und wir fühlen uns stark. Und natürlich haben wir uns auch für diese Saison sehr hohe Ziele gesetzt.

Wieder fast jedes Rennen zu gewinnen?

Wir wollen in jedem Rennen einen aufs Stockerl bringen. Aber die Konkurrenz wird gerade mit Blick auf die Olympischen Spiele in Pyeongchang stärker sein. Die Norweger haben sich wieder gefangen und verfügen über ein riesiges Leistungspotenzial, die Japaner und Österreicher sind auch sehr stark. Alle wollen uns schlagen. Aber wir haben ein Pfund drauf.

Wir sind ja inzwischen dran gewöhnt, dass jeder Siege von uns erwartet.

Ist denn eine solche Dominanz wie im vergangenen Winter überhaupt wiederholbar?

Solche Ergebnisse wie im letzten Winter mit Gold in allen vier WM-Wettbewerben und Siegen in fast allen Weltcups kann man natürlich nicht erwarten. Da ist einiges zusammengekommen. Ein paar Nationen sind weggebrochen. Und in unserem Team haben sich speziell Johannes Rydzek und Eric Frenzel in einem fantastischen Duell gegenseitig hochgeschaukelt. Das war einzigartig, so etwas kann man nicht planen. Mein Ziel ist es, bis Olympia alle in Topform zu bringen. Dann kommen die Resultate von selbst – und vielleicht ist sogar ein ähnliches Ergebnis wie zuletzt bei der Weltmeisterschaft möglich.

Dort war Johannes Rydzek mit dem Gewinn von allen vier möglichen Titeln der König. Ist er schon wieder ähnlich gut in Form?

Bei Johannes kommt es drauf an, dass er die richtige Balance zwischen Anspruch und Lockerheit findet. Ich hoffe, er hat sich weiterentwickelt – bei der Weltmeisterschaft hat er es ja schon bewiesen. Wenn er locker rangeht, traue ich ihm zu, schon zum Auftakt ganz vorne mit dabei zu sein.

Und sein ewiger Rivale, der Wahl-Oberpfälzer Eric Frenzel?

Eric hat noch Reserven und braucht ihm Springen noch ein bisschen Zeit, um in Topform zu kommen. Er konzentriert sich voll auf Olympia und hat nach fünf Siegen in Folge den Gesamtweltcup diesmal nicht so im Fokus. Generell habe ich mit dem ganzen Team ein gutes Gefühl. Wir haben fleißig trainiert, sind aber noch nicht in Topform. Das ist aber auch gut so, schließlich stehen die Olympischen Spiele in Pyeongchang als absoluter Saisonhöhepunkt ja erst im Februar auf dem Plan.

Bei den vergangenen Olympischen Spielen in Sotschi 2014 gab es im Zielgelände einen Crash zwischen ihren beiden Teammitgliedern Johannes Rydzek und Fabian Rießle, der die mögliche Goldmedaille kostete. Haben Sie vor der Olympia-Saison schon Gespräche mit den Athleten geführt, dass sich so eine Situation nicht wiederholt?

Ich denke, dass alle im Team inzwischen cleverer geworden sind. Solche Zwischenfälle zwischen zwei Athleten aus meinem Team gab es ja nicht nur bei Olympia, sondern zum Beispiel auch im vergangenen Winter beim Weltcup in Schonach. Bei uns gibt es ständig Zielsprints, so etwas kann passieren, auch zwischen Sportlern einer Nation. Aber wir haben uns weiterentwickelt und werden so etwas bei Olympia hoffentlich nicht noch einmal erleben.

Machen Sie sich auch Gedanken über die politische Situation bei den Winterspielen in Südkorea, die ja in unmittelbarer Nähe zur nordkoreanischen Grenze stattfinden?

Natürlich beobachte ich das. Aber im Team thematisiert man das nicht, weil die Sportler sonst den Fokus verlieren. Es hat ohnehin keinen Sinn, sich schon lange vorher über so etwas Gedanken zu machen. Da kann man zwei Wochen vorher drüber nachdenken – und dann verlassen wir uns auf das Auswärtige Amt.

Hier geht es zu den Samstagsinterviews der MZ-Sportredaktion.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht