Sportnachrichten 13.07.2012, 21:21 Uhr

Blatter-Rücktritt gefordert

Ex-DFB-Präsident Zwanziger will die Schmiergeldaffäre nicht einfach zu den Akten legen. Ligapräsident Rauball plädiert sogar für einen Blatter-Rücktritt.

Fifa-Chef Joseph Blatter verschließt scheinbar seine Augen vor der Schmiergeldaffäre und denkt vorerst nicht an Konsequenzen. Foto: dpa

Fifa-Chef Joseph Blatter verschließt scheinbar seine Augen vor der Schmiergeldaffäre und denkt vorerst nicht an Konsequenzen. Foto: dpa

Frankfurt/Main. FIFA-Exekutivmitglied Theo Zwanziger hat mit Bestürzung auf das Ausmaß der Korruptionsaffäre im Fußball-Weltverband reagiert, Ligapräsident Reinhard Rauball fordert sogar den Rücktritt von FIFA-Boss Joseph Blatter. Deutschlands Fußball-Spitzenfunktionäre sind auf Konfrontationskurs zum umstrittenen FIFA-Präsidenten gegangen.

„Nach dem derzeitigen Stand sollte Sepp Blatter seine Amtsgeschäfte schnellstmöglich in andere Hände geben. Für einen Reformprozess braucht die FIFA jemanden, der gewillt ist, einen Neuanfang zu machen“, sagte Rauball der Tageszeitung „Die Welt“ (Samstag). Blatter habe, wenngleich auch erst deutlich später, Kenntnis von den Geldbewegungen gehabt. „Deshalb hat er die Sorgfaltspflicht gegenüber den Mitgliedsverbänden nicht erfüllt“, begründete Rauball seine Forderung.

Auch Zwanziger äußerte sich entsetzt über die öffentlich gewordenen Details der Schiergeldaffäre. „Ich muss ehrlich zugeben, es bedrückt mich sehr, was ich dort lesen musste“, sagte Zwanziger nach dem intensiven Studium der Akten und forderte neben Konsequenzen für Ehrenpräsident Joao Havelange auch eine rückhaltlose Aufklärung.

„In der Einstellungsverfügung sind viele Informationen enthalten, die von unabhängiger Seite nochmals überprüft werden müssen. Auch unter ethischen und moralischen Gesichtspunkten. Ohne Rücksicht auf Namen, Nationalitäten oder was auch immer“, sagte Zwanziger am Freitag der Nachrichtenagentur dpa und fügte hinzu: „Gleiches gilt übrigens auch für die WM-Vergaben nach Katar, Russland und alle weiteren Dinge, um die sich viele Gerüchte ranken.“

Nur wenn all dies von unabhängiger Seite aufgearbeitet werde, „kann der Reformprozess bei der FIFA, den ich aus Überzeugung mitgestalte, glaubhaft und schlussendlich erfolgreich sein“, erklärte Zwanziger. Diese Position will der frühere Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am kommenden Dienstag bei der Sitzung des Exekutivkomitees in Zürich vehement vertreten.

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