Olympias Schwester mausert sich
Alle sind sich einig: Die bisher größten Spiele waren die besten. Besondere Ehre für Thomas Schmidberger: Der Viechtacher trägt die deutsche Fahne.
Stoßen im Zeichen der Flamme: Die spätere Olympiasiegerin Birgit Kober. In der Nacht von Sonntag auf Montag erlosch in London das paralympische Feuer. Foto: afp
LONDON. „An diese Spiele wird man sich erinnern“, hatte Lord Sebastian Coe auf der Eröffnungsfeier der Paralympischen Spiele versprochen. Der Organisationschef sollte Recht behalten. Dass es die größten Spiele der Geschichte werden, war vorher schon klar. Eine Rekord-Teilnehmerzahl (4200 aus 166 Ländern), eine Rekord-Zuschauerzahl (2,7 Millionen), Rekord-Übertragungszeiten weltweit. Da die Spiele aber nicht nur mit Zahlen protzen, sondern auch Herz haben, waren die größten Paralympics auch die besten. Sagen nicht nur die Sportler, sondern auch alle Funktionäre und Politiker. Auch aus deutscher Sicht: Die deutsche Mannschaft holte mit 18 Gold-, 26 Silber- und 22 Bronzemedaillen mehr Edelmetall als noch in Peking (14, 25, 20).
Die wetlweite Leistungssteigerung stellt das IPC allerdings vor neue Herausforderungen – der Streit um Klassifizierung, die Materialschlacht und der Anti-Doping-Kampf sind die größten Baustellen.
Einer, der bei den Spielen besonders laut meckerte, war der oberschenkelamputierte Sprinter Wojtek Czyz. Der Bronzemedaillengewinner fühlte sich benachteiligt, weil Teamkollege und Sieger Heinrich Popow ein neuartiges Kniegelenk nutzte, das seiner Meinung nach nur ihm zur Verfügung gestanden habe. „Das ist für mich das Parade-Beispiel für technisches Doping“, monierte Czyz und richtete einen Appell an das IPC: „Hier muss Chancengleichheit geschaffen werden. Ich bin seit zehn Jahren im Behindertensport, meine Prothese hat sich bisher kein einziger Offizieller angeschaut.“
Eines steht fest: Das IPC wird in den kommenden Monaten viel zu tun haben. Und auch in vier Jahren in Rio de Janeiro wird nicht alles perfekt sein. Die Athleten werden sicher weiter vorauseilen - das Paralympische Komitee muss nun Schritt halten.
Unterdessen erlebte einen besonderen Höhepunkt der erst 20 Jahre alte Tischtennis-Spieler Thomas Schmidberger. Der gebürtige Viechtacher trug bei der Abschlusszeremonie seiner ersten Paralympics am Sonntag deutsche Flagge. „Wir möchten mit dieser Nominierung ganz klar ein Zeichen in Richtung Jugend setzen“, sagte Deutschlands Chef de Mission Karl Quade: „Thomas Schmidberger gehört zu einer Reihe von Hoffnungsträgern für die Spiele in Rio 2016. Er verfügt über ein sehr großes Potenzial, was er hier in London bereits unter Beweis gestellt hat.“
Der querschnittsgelähmte Tischtennisspieler geht ansonsten für den FC Miltach an die Platten. Er wurde als Dreijähriger auf dem Weg zum Kindergarten von einem Auto angefahren und sitzt seitdem in Rollstuhl. In London hatte er im Einzel Bronze und mit der Mannschaft Silber gewonnen.„Cool“, sagte Schmidberger als erste Reaktion auf die Kunde der großen Ehre am Sonntag: „Ich bin ein bisschen überrumpelt und kann es noch nicht ganz einordnen. Das freut mich sehr.“(dapd/sid)

