Sportnachrichten 12.10.2012, 18:57 Uhr

UCI-Spitze könnte mit Armstrong stürzen

Nach Armstrong richtet sich der Fokus auf den Weltverband, der den Ex-Star protegiert haben soll, ob die Führungsriege darüber stolpert, ist ungewiss.

Lance Armstrong Foto: dpa

Lance Armstrong Foto: dpa

Berlin. Wen zieht der gestürzte Lance Armstrong mit in die Tiefe? Nach dem ersten Schock müssen im ohnehin krisengebeutelten Radsport weitere Macher zittern. Im USADA-Bericht, der das Dopingsystem des Amerikaners entblößte, wird vor allem der Weltverband UCI angegriffen. Unter den Präsidenten Pat McQuaid und Hein Verbruggen sei Armstrong jahrelang protegiert worden, sogar Dopingbefunde sollen vertuscht worden sein. Teamchef Johan Bruyneel - neben Armstrong der Boss in dessen Mannschaften - erhielt am Freitag die Quittung: Das Team RadioShack-Nissan trennte sich von dem umstrittenen Belgier.

Dieser Schritt geschehe in „beiderseitigen Einvernehmen“, betonte der Rennstall - der öffentliche Druck auf die Teamleitung um den mächtigen Rennstallbesitzer Flavio Becca war allerdings immens. Kurz zuvor hatte Top-Fahrer Fabian Cancellara öffentlich erwogen, nie wieder unter Bruyneel fahren zu wollen. „Johans Name ist 129 Mal in dem Report aufgeführt“, sagte er der Zeitung „Het Laatste Nieuws“. „Ich weiß nicht, ob ich weiter mit Johan zusammenarbeiten kann.“

Während viele Radsportler fassungslos die Enthüllungsdokumente studieren, interpretierte der UCI-Funktionär Verbruggen den Report der amerikanischen Doping-Jäger auf seine ganz eigene Art: „Da steht doch, dass wir nie etwas unter den Teppich gekehrt haben.“ Doch genau das schien bei der Tour de Suisse 2001 passiert zu sein. Außerdem hatte Verbruggen noch im Frühjahr 2011 behauptet, sein Freund Armstrong habe „nie gedopt. Nie, nie nie“. Nun überraschte er mit der Aussage: „Ich habe nie behauptet, dass Armstrong nicht gedopt hatte“.

Völlig vom Weg abgekommen

„Die UCI muss akzeptieren, dass sie Verantwortung zu übernehmen hat“, sagte der geständige Ex-Doper und inzwischen anerkannte Anti-Doping-Kämpfer David Millar in einem Interview mit dem „Telegraph“. Der Radprofi vom Team Garmin ergänzte dazu: „Der erste Schritte ist, Verbruggen (als Ehrenpräsident) zu entfernen.“

 

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