Sportnachrichten 17.10.2012, 20:45 Uhr

Unverdaulicher Schweden-Happen

Bundestrainer Joachim Löw erklärt das letztlich desaströse 4:4 gegen Schweden zum „Lernspiel“. Eine gewisse Ratlosigkeit ist dabei unüberhörbar.

Häufchen Elend: Bastian Schweinsteiger hockt nach dem Spiel äußerst nachdenklich vor einem schwedischen Trikot. Foto: dpa

Häufchen Elend: Bastian Schweinsteiger hockt nach dem Spiel äußerst nachdenklich vor einem schwedischen Trikot. Foto: dpa

Von Heinz Gläser, MZ

Berlin. Nach dem Abpfiff drosch Mesut Özil den Ball wutentbrannt in Richtung Seitenlinie. Das Geschoss kam jedoch nicht weit, weil es vor die Füße der jubelnden schwedischen Ersatzspieler fiel, die es prompt zurück auf den Platz des Olympiastadions beförderten. Oben auf der Tribüne waren Bundeskanzlerin Angela Merkel derweil die Mundwinkel verrutscht, während Schwedens Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt ein sehr breites Grinsen zur Schau stellte. So ist das eben, wenn ein Spiel „irgendwie aus dem Ufer läuft“, wie es Bundestrainer Joachim Löw formulierte.

Die Wortwahl des Bundestrainers war an diesem denkwürdigen Dienstagabend von Berlin ebenso aus den Fugen geraten wie zuvor das Spiel seiner Mannschaft in den letzten 30 Minuten. Hätte er das Ruder herumreißen können, etwa durch eine weitere Auswechslung? Natürlich wurde Löw nach dem unglaublichen und letztlich desaströsen 4:4 (3:0) gegen Schweden wieder gefragt, ob er von der Seitenlinie nicht mehr auf sein Team hätte einwirken können. „Es ist schwierig, den richtigen Einfluss zu finden“, antwortete er. Eine gewisse Ratlosigkeit war unüberhörbar.

„Etwas Historisches“

Löws Auswahl darf seit dieser Begegnung in der WM-Qualifikation eine Bestmarke für sich in Anspruch nehmen, vielleicht sogar eine für die Ewigkeit – allerdings auch eine, mit der sie gewiss nicht stolz hausieren gehen wird. Einen Vier-Tore-Vorsprung zu verjuxen, das ist in der 104-jährigen Länderspielgeschichte und in insgesamt 867 Begegnungen noch nie einer DFB-Elf widerfahren. „Das ist der größte Kracher der schwedischen Sportgeschichte“. ordnete das Blatt „Dagens Nyheter“ das Geschehen ein. „Das war wohl etwas Historisches“, merkte auch Erik Hamren, der Coach der Skandinavier, an.

Hamren war es auch, der ungefragt das Thema Nachtruhe aufs Tapet brachte. „Ich werde heute sehr, sehr gut schlafen“, feixte er – und hatte die Lacher auf seiner Seite. Kollege Löw hingegen stellte sich angesichts des unverdaulichen Schweden-Happens auf unruhige Stunden und unentwegtes Grübeln bis zum Morgengrauen ein: „Davon gehe ich aus.“

 

Umfrage - Ergebnis

 
 
 
 

Mittelbayerische.de Logo