Abdenour Amachaibou (M.) vergab in der Schlussphase einen Foulelfmeter. Foto: Eibner
Von Heinz reichenwallner
München. Der Blick ging nach unten, die Stimme wurde leiser. Abdenour Amachaibou war anzusehen, dass ihn sein verschossener Foulelfmeter bei der 0:1 (0:1)-Niederlage des SSV Jahn Regensburg beim TSV 1860 München nicht aus dem Kopf ging. „Ich war darüber schockiert“, beschrieb der 25-jährige Angreifer am Samstag nach dem Spiel in der Allianz Arena jene Szene in der 86. Minute, die die Rot-Weißen zum Saisonstart der 2. Fußball-Bundesliga letztlich einen verdienten Punkt gekostet hatte. Löwen-Torhüter Gabor Kiraly hatte erst Amachaibous Strafstoß und dann auch den Nachschuss abgewehrt. Während der Schlussmann vor 45.300 Zuschauern zum Helden der Sechziger avancierte, wurde Amachaibou zur tragischen Figur.
In der Niederlage bei den Löwen zeigte sich einmal mehr die ungerechte Seite des Fußballs. Der mit geringen Mitteln ausgestattete Überraschungsaufsteiger aus Regensburg hatte den vom Papier klar überlegenen Mitfavoriten auf den Aufstieg ein Spiel auf Augenhöhe geliefert und stand am Ende trotzdem mit leeren Händen da, weil er in der 8. Minute beim 1:0 der Gastgeber einen kurzen Moment nicht gut genug aufgepasst und auch noch Pech hatte. Nach einer Ecke der Löwen reagierte deren polnischer Neuzugang und EM-Teilnehmer Grzegorz Wojtkowiak einen Tick schneller als seine Gegenspieler, köpfte und hatte Glück, dass Regensburgs Youngster Philipp Ziereis den Ball noch unhaltbar für seinen Torhüter Michael Hofmann abfälschte. Weil es bis zum Schluss eine der wenigen Unachtsamkeiten blieb, war es umso bitterer aus Sicht des Aufsteigers.
Ärger über verschenkten Punkt
So überwog bei Jahn-Trainer Oscar Corrochano am Ende auch nicht die Freude über eine gute Vorstellung seiner Mannschaft und die Erkenntnis, dass man trotz fehlender Erfahrung in der 2. Liga mithalten kann, sondern der Ärger über einen verschenkten Punkt. Da konnte es ihn auch kaum trösten, dass sein Trainerkollege Reiner Maurer bei aller Enttäuschung über eine schwache Vorstellung seiner Sechziger den Regensburgern ein großes Kompliment aussprach.
Ein verschossener Elfmeter besiegelte die Niederlage des SSV Jahn Regensburg. Foto: Eibner
Dieses hatte sich die Corrochano-Elf redlich verdient. Nur in der Anfangsphase der Partie hatten sich Kapitän André Laurito und Co. – wohl auch beeindruckt von der eindrucksvollen Kulisse in der Münchner Arena – etwas nervös gezeigt und durch frühe Ballverluste ein paar Sorgenfalten bei den Jahn-Fans hervorgerufen. Doch nachdem Christian Rahn – neben Amachaibou, Jonatan Kotzke, Denis Weidlich und Francky Sembolo einer von fünf Neuzugängen in der Startelf – in der 21. Minute Kiraly im Löwen-Gehäuse mit einem schönen Freistoß zu einer Glanzparade gezwungen hatte, war der Jahn endgültig in der 2. Liga angekommen. Zwar konnte er sich in der Offensive vorerst noch kaum in Szene setzen, doch auch die Münchner tauchten selten nennenswert vor Hofmanns Tor auf.
Nach der Halbzeit nahm die Begegnung Fahrt auf. Die Sechziger hatten weiter etwas mehr Ballbesitz und auch Möglichkeiten. Die beiden besten ließ der eingewechselte Daniel Halfar aus. Erst setzte er das Leder nach einem schönen Solo ans Außennetz (63.) und zehn Minuten später einen Freistoß aus rund 20 Metern an die Latte. Doch ansonsten standen die Regensburger taktisch gut und zeigten sich selbst nun auch offensiv mutiger.
Hundertprozentige ausgelassen
Nach Vorarbeit des umtriebigen Sembolo hatte Weidlich die wohl größte Chance, als er frei aus acht Metern Kiraly nicht überwinden konnte (46.). Corrochano sah es mit Bedauern, dass seine Mannschaft nun die „eine oder andere hundertprozentige Torchance“ ausließ. Sembolo köpfte nach einer hohen Hereingabe von Amachaibou am Tor vorbei (53.), bei einer weiteren Hereingabe kam Thiemo-Jerome Kilaka einen Tick zu spät (60.) und Lauritos Kopfball nach einer Ecke ging über das Tor (68.). Nach einem schönen Spielzug über die linke Seite setzte dann auch Amachaibou den Ball knapp neben das Tor (83.).
Der frühere Junioren-Nationalspieler hätte es sofort wiedergutmachen können. Wie zuvor schon einmal im ersten Durchgang von Vallori war Sembolo diesmal von Grigoris Makos am Strafraumeck gefoult worden. Doch dieses Mal entschied Schiedsrichter Bastian Dankert (Rostock) auf Elfmeter, den Amachaibou ausließ.
„Es tut mir leid, für die Mannschaft und die Fans“, sagte der 25-Jährige entschuldigend nach dem Fehlschuss. In den Tests vor der Saison hatte Amachaibou keinen Strafstoß geschossen. Der letzte, zum 3:2-Siegtor gegen Lech Posen, wurde von Kialka verwandelt. Der saß aber zum Zeitpunkt des Elfers schon auf der Bank.
So übernahm Amachaibou die Verantwortung, der sich auch Rahn gestellt hätte. „Aber Amachaibou sei sich sicher gewesen, so der Ex-Jahn-Nationalspieler. Vorwürfe machte dem Fehlschützen indes niemand – auch Trainer Corrochano nicht. „Darüber wird nicht viel geredet. Amachaibou muss sich jetzt im Training wieder Selbstvertrauen holen.“