Von Claus Gehr, MZ
Regensburg.
Der SSV Jahn Regensburg hat sich am Freitagabend mit einem 1:1 (0:0) gegen den Karlsruher SC im Relegations-Hinspiel um den Einzug in die 2. Fußball-Bundesliga noch alle Möglichkeiten offengehalten. Vor 10.724 Zuschauern im ausverkauften Stadion an der Prüfeninger Straße hatten die Gäste zwar etwas mehr vom Spiel, der Drittligist bewegte sich gegen den favorisierten Zweitligisten jedoch durchaus auf Augenhöhe. Selcuk Alibaz brachte das Team von Markus Weinzierl sogar per Foulelfmeter (57.) in Führung, die Pascal Groß jedoch ausgleichen (75.) konnte.
Am Montag müssen die Rot-Weißen nun im Rückspiel (20.30/live Bayerisches Fernsehen) im Karlsruher Wildpark gewinnen oder aufgrund der Auswärtstorregelung ein Unentschieden mit mindestens zwei Toren erzielen, um den Aufstieg zu realisieren. Bei einem 1:1 würde es in die Verlängerung gehen. Keine leichte Aufgabe, zumal die Regensburger auch auf Thomas Kurz, der die fünfte Gelbe Karte sah, verzichten müssen.
Schweinsteiger konnte auflaufen
Bei Temperaturen wie im Hochsommer war die personelle Situation nach den bereits länger feststehenden Ausfällen von Ronny Philp (Knieverletzung) und von Jim-Patrick Müller (Gelb-Sperre) zwar nicht so gut wie erhofft, aber auch nicht so schlimm wie befürchtet. Kapitän Tobias Schweinsteiger konnte trotz einer Oberschenkelverhärtung von Beginn an auflaufen. Nicht ganz so positiv waren die Nachrichten bei André Laurito. Die Adduktorenprobleme des offensivstarken Innenverteidigers waren aber zumindest soweit abgeklungen, dass er wenigstens auf der Ersatzbank Platz nehmen und zumindest ab der 56. Minute eingreifen konnte.
Trotzdem musste Weinzierl seine Viererkette umbauen. Während Sebastian Nachreiner und Mario Neunaber die Innenverteidigung bildeten und Routinier Stefan Binder links verteidigte, gab es auf der Rechtsverteidiger-Position eine kleine Überraschung. Statt des erfahreneren Tim Erfen schenkte der Jahn-Coach Philipp Ziereis das Vertrauen. Das vielversprechende Talent ging sogar mit einem Handicap in die Partie. Aufgrund eines Nasenbeinbruchs musste er eine Maske tragen.
Ziereis und sein Abwehrkollegen hatten erst einmal alle Hände voll zu tun. Angetrieben von rund 3000 mitgereister Fans wollte der Zweitligist dem Drittligisten ganz offensichtlich gleich den Schneid abkaufen. Noch nicht mal zehn Minuten waren gespielt, da waren die Gäste durch einen Freistoß von Ionut Rada (3.), Marco Terrazziono (7.) und Gaetan Krebs (8.) schon dreimal gefährlich vor dem Tor von Michael Hofmann aufgetaucht – passiert war nichts.
Pfeifkonzert für den Schiedsrichter
Stattdessen passierte einige Minuten später auf der anderen Seite etwas. Der Jahn hatte sich gerade etwas befreit, da zappelte der Ball im Netz des KSC-Tores (15.). Nach einer Ecke von Alibaz hämmerte Tobias Schlauderer das Leder in die Maschen. Doch innerhalb weniger Sekunden verwandelte sich der grenzenlose Jubel der Regensburger Fans in ein gellendes Pfeifkonzert. Schiedsrichter Christian Dingert (Thallichtenberg) wollte ein Foul ausgemacht haben und verweigerte dem Treffer die Anerkennung.
Während Karlsruhe das Spiel machte, konzentrierten sich die Rot-Weißen auf eine kompakte Defensive und fuhren damit gut. Gefährlich wurde es nur noch einmal nach einem scharfen Querpaß von Alexander Iashvili (37.), der für Konfusion sorgte. Der Jahn selbst hingegen sorgte mit seinen Ecken für Aufsehen. Als in der 35. Minute dabei eine Hand am Ball war, erntete Dingert erneut Pfiffe, als er den Regensburgern einen Elfmeter verweigerte. Der Unparteiische lag jedoch richtig, weil Ziereis und nicht sein Gegenspieler die Hand im Spiel hatte.
Führung gab Weinzierl-Elf Selbstvertrauen
Nach der Halbzeitpause stellte Weinzierl auf zwei Stürmer um. Der Jahn-Coach schickte Kurz von der Sechser-Position in die Spitze neben Schweinsteiger und zog den auf der Zehn spielenden Oliver Hein zurück. Dem Spiel der Rot-Weißen tat es gut. Sie wurden nun etwas frecher und waren bemüht, die Initiative zu ergreifen. Für das erste Aha-Erlebnis sorgten zwar die Gäste, als sich nach einer Flanke aus dem Halbfeld Neunaber verschätzte und der eingewechselte Klemen Lavric Jahn-Keeper Michael Hofmann prüfte (55.).
Zwei Minuten später schlug aber die Stunde des Drittligisten. Nach einer schönen Kombination kam Binder im Strafraum zu Fall und Dingert gab einen äußerst zweifelhaften Foulelfmeter, den Alibaz sicher zum 1:0 verwandelte (57.). Die Führung gab der Weinzierl-Elf Selbstvertrauen. Doch zunächst konnte sie sich bei ihrem Torhüter bedanken, der einen Gewaltschuss von Groß mit den Fingerspitzen an den Pfosten lenkte (62.). Der KSC drängte nun auf den Ausgleich, fand jedoch lange nicht den finalen Paß. Stattdessen versuchte es erneut Groß aus der Distanz, als ihn die Regensburger zu unentschlossen attackierten und war erfolgreich. Sein Flachschuss ins rechte Eck zum 1:1 war unhaltbar. In der Folge gab es Szenen hüben wie drüben, richtig gefährlich wurde es jedoch nicht mehr.