Die erste 3D-Fotomontage vom Stadion: ganz links und ganz rechts die Parkplätze für 1300 PKW und 25 Busse. In der Mitte das Parkhaus mit 1000 Plätzen, daneben die Arena. Foto: Ingenieurbüro Sabine Wiederer
Von Sebastian Heinrich, MZ
Regensburg. Bis 2014, so der fromme Wunsch der Politik, soll im Regensburger Süden, an der Franz-Josef-Strauß-Allee, eine nagelneue Fußball-Arena stehen. Zu dem Stadion gibt es noch viele offene Fragen. Auf einer Info-Veranstaltung zum Stadion-Bebauungsplan präsentierten Vertreter der Stadt am Dienstagabend weitere Details zu der Arena und ihrem Umfeld – die bei der Bevölkerung im benachbarten Stadtteil Oberisling nicht nur auf Gegenliebe stoßen. Dazu gab es harte Fakten: 3300 Parkplätze sollen den Fußballfans zur Verfügung stehen, 1000 davon in einem Parkhaus. Das Stadion selbst wird vermutlich 15 bis 17 Meter hoch sein.
Das Interesse an der Info-Veranstaltung zum Stadion-Neubau war mau: Nur knapp 30 Menschen kamen in den geräumigen Hörsaal Nummer 001 der Hochschule Regensburg. Vor gähnend leeren Rängen erläuterten Gerhard Pielmeier vom Stadtplanungsamt, Thomas Weiler von der Abteilung Verkehrsplanung dieses Amts und Armin Mayr vom Amt für Stadtentwicklung die geänderte Flächennutzungsplanung und den Bebauungsplan für das neue Stadion.
Fußgänger-Tunnels zum Stadion
Die neue Flächennutzungsplanung für die 20 Hektar Stadiongrund ist die Grundlage dafür, dass die jetzigen landwirtschaftlichen Flächen im Bereich zwischen zwischen Franz-Josef-Strauß-Allee und Autobahn A 3 in Baugrund und Parkplatzflächen umgewandelt werden können.
Im Bebauungsplan geht es um Details: Gerhard Pielmeier listete die Fakten zum Stadion auf. 15000 Zuschauer werden in der vermutlich zwischen 15 und 17 Meter hohen Arena Platz finden. Das Spielfeld soll auf gleicher Höhe mit der Autobahn-Fahrbahn liegen. Westlich und östlich davon soll es insgesamt 2300 kostenpflichtige Parkplätze geben, 1000 davon in einem Parkhaus, sowie 25 Stellplätze für Reisebusse. Zu den Parkplätzen sollen von der Franz-Josef-Strauß-Allee aus drei Zufahrten führen.
Die Fans sollen über je zwei Fußgängertunnel von den Plätzen östlich und westlich des Stadions in die Arena kommen. Mit einem Gedanken an die Loveparade-Tragödie von Duisburg versicherte Weiler, dass die Tunnels so breit sein werden, dass kein Risiko entsteht. Weitere 1000 Autos können auf den Stellplätzen zwischen Uni und Hochschule parken und mit einem Shuttle-Bus zum Stadion fahren.
Die Info-Veranstaltung zum Stadionbau war nur sehr spärlich besucht: Knapp 30 Zuhörer kamen am Dienstagabend. Foto: Heinrich
Die Busse sollen laut Verkehrsplaner Thomas Weiler im 3- bis 5-Minuten-Takt zwischen Hauptbahnhof und Stadion unterwegs sein, das Stadionticket soll als Busfahrkarte gelten. Die städtischen Verkehrsplaner haben für die Arena eine Studie anfertigen lassen. Ergebnis: Mit der geplanten Anzahl an Parkplätzen und Shuttle-Bussen kann der Verkehr rund um das Stadion problemlos abgewickelt werden – selbst bei einem ausverkauften Spitzenspiel am Freitagabend.
Zur Autobahn A 3 wird es eine 40 Meter breite „Bauverbotszone“ geben, die frei bleiben muss. Unklar ist laut Weiler noch, ob und wie die Fans der gegnerischen Mannschaften um das Stadion mit Baumaßnahmen getrennt werden sollen.
Der Lärmschutz soll laut Planungsamt-Chef Pielmeier für die Anwohner im etwa 400 Meter Luftlinie entfernten Stadtteil gewährleistet sein. Das hätten alle bisher durchgeführten Messungen ergeben. Die Rückseite der Stadiontribünen werden mit Außenwänden geschützt sein, „lärmintensive“ Veranstaltungen soll es im Stadion nach 22 Uhr nicht geben. Laufende Fußballspiele werde man deswegen aber nicht um Punkt zehn abpfeifen – die Lautsprecheranlage solle aber nach dieser Uhrzeit gedrosselt werden. Für andere Zwecke als den Fußball soll ohnehin nur das „Verfügungsgebäude“ an der Arena dienen. Also jener Bau, in dem später der Business-Bereich mit den VIP-Loungen untergebracht werden soll – sowie vermutlich die Jahn-Geschäftsstelle und Büros des Bayerischen Fußballverbands.
„Eine Katastrophe“ für Oberisling
Viele Oberislinger wollen den Versicherungen der Stadt nicht wirklich glauben. Einige der Zuhörer der Info-Veranstaltung aus dem Stadtteil äußerten ihren Unmut über die Pläne der Stadt. „Für Oberisling ist das eine einzige Katastrophe“, sagte Birgit Melzl. Melzl, stellvertretende Vorsitzende des CSU-Ortsverbands Oberisling, wohnt wenige hundert Meter vom Standort der neuen Arena. Sie befürchtet, wie andere Anwohner, dass der Stadion-Lärm ihre Lebensqualität einschränken wird. Vor allem, wenn die Stadt doch noch weitere Veranstaltungen in der Arena genehmigen sollte.
Melzl ist sich außerdem sicher, die Stadion-Infrastruktur werde sich über das bisher geplante Areal ausweiten – und somit das bisher recht idyllische Oberisling radikal verändern. Für die Immobilienbesitzer bedeute das eine „totale Wertminderung“. Ein Stadion-Neubau in der Nähe der Donau-Arena, in einem überwiegend gewerblich geprägten Umfeld mit vielen Parkplätzen, wäre für Melzl ohnehin viel sinnvoller.
Ängste vor Fans, die Oberislings Straßen zuparken und im Stadionumfeld Müll hinterlassen, wurden bei der Info-Veranstaltung ebenfalls laut. „Am liebsten wäre mir, es kämen große Erdwälle rund um das Stadion und wir würden es gar nicht sehen“, brachte eine Oberislingerin ihre Ablehnung auf den Punkt.
Für Sorgenfalten sorgt bei manchen Oberislingern auch der Naturschutz. Es geht ihnen um die massive Bodenversiegelung, die mit dem Stadionbau einhergeht – und die Frage, wo die Ausgleichsflächen für das Ackerland herkommen, das dem Stadion weichen muss. Eine Anwohnerin befürchtet, dass erneut Flächen im Burgweintinger Aubach-Park dazu dienen sollen.
Ein Teil der Oberislinger kann sich mit dem neuen Fußball-Tempel vor ihrer Haustür also partout nicht anfreunden – und wird, sagt Birgit Melzl, weitere Schritte gegen die Planungen der Stadt unternehmen.
Allerdings teilen nicht alle Menschen in Stadionumgebung diese negative Sicht. Stefan Roth, Betreiber der traditionsreichen Oberislinger Gärtnerei Bendler, grenzt mit seinem Betrieb unmittelbar an das Stadion-Areal an. „Ich bin eher positiv gestimmt“, meint er. Er erhofft sich von der Nähe zum neuen Stadion mehr Sichtbarkeit – und dadurch auch mehr Kunden. Roth ist froh darüber, dass sich mit der Arena „die Stadt in unsere Richtung ausbreitet“. Das sei ein „Fortschritt, den niemand aufhalten kann.“