mz_logo

Top-Stories
Freitag, 29. Juli 2016 26° 6

Projekt

Im Naabtal: Ein Sonntag ohne Autos

Für einen Tag soll der motorisierte Verkehr von der Staatsstraße verbannt werden. 2016 ist die Umsetzung der Idee geplant.
Von Thomas Kreissl, MZ

Ein Blick ins malerische Naabtal (in Hintergrund Duggendorf): So autofrei wie auf diesem Bild soll die Staatsstraße (links) zwischen Etterzhausen und Kallmünz an einem Sonntag im Jahr 2016 sein. Anstelle der Autos soll die Straße dann Radfahrern und Fußgängern gehören. Foto: Gruber

Pielenhofen.Kein Auto, kein Lastwagen, kein Motorrad – auf der Staatsstraße zwischen Etterzhausen und Kallmünz brummt kein Motor, rumpelt kein tonnenschweres Gespann, röhrt keine ist PS-starke Maschine. Stille herrscht freilich nicht auf dem Asphaltband zwischen den malerischen Naabtalhängen. Gruppen von Radlern sind fröhlich lachend unterwegs, muntere Wanderer winken den Paddlern auf der Naab zu, aufmerksame entdecken bunte Kunstwerke am Straßenrand und an vielen Orten laden kleine Feste zum Verweilen ein. So könnte es an einem Sonntag im Sommer 2016 im unteren Naabtal aussehen, wenn aus einer Idee Wirklichkeit werden sollte.

Die Idee ist ein entschleunigter autofreier Sonntag. Sie stammt von Stefan Link, einem ökologisch bewegten Bildhauer aus Kallmünz. Gemeinsam mit Ernst Karosser von der Gemeinsam eG, der Sozialgenossenschaft im Landkreis Regensburg, und einer kleinen Gruppe von Unterstützern hat Link in den vergangenen Wochen zwei Treffen organisiert, um herauszufinden, ob und wie diese Idee in die Tat umgesetzt werden könnte.

Gemeinsames Erlebnis im Fokus

Im Mittelpunkt soll dabei das gemeinsame Erlebnis eines Tages ohne oder zumindest mit beschränktem Verkehrslärm und mit einer Rückeroberung der Straße für Wanderer und Radfahrer, für gemeinsames Essen, Spielen und für Kultur stehen. „Wir spekulieren auf einen Tag der Begegnungen mit Vereinen, mit Nachbarn, mit anderen Menschen und mit der Natur“, betont Stefan Link.

Was auf den ersten Blick wie ein reichlich kühner Gedanke erscheint, hat durchaus Vorbilder – allerdings vor allem in anderen Bundesländern. So gibt es beispielsweise die Initiative „Mobil ohne Auto im Oberen Nagoldtal“ etwa 50 Kilometer südwestlich von Stuttgart. Auf 40 Kilometer Länge wird hier sogar die Bundesstraße in diesem Tal alljährlich an einem Sonntag im Juni für den motorisierten Verkehr gesperrt, um ein großes Straßenfest zu feiern.

Reaktionen zum Projekt

  • Reinhold Ferstl

    Bürgermeister von Pielenhofen: „Wir haben einen Campingplatz in der Gemeinde. Eine Straßensperrung im Sommer, womöglich zur Hauptreisezeit wäre da ein Riesenproblem für die An- und Abreise der Gäste“.

  • Ulrich Brey

    Bürgermeister von Kallmünz: „Einen gewissen Charme hätte die Idee schon. Der grüne Gedanke ist mit Sicherheit nicht schlecht. Man sollte sich sich einen autofreien Sonntag mal gönnen und danach realistisch Bilanz ziehen. Die Gemeinde sehe ich aber nicht als Veranstalter.“

  • Helmut Sammüller

    Bürgermeister von Nittendorf: „Der Gedanke ist sicher nicht schlecht. Aber ich glaube, dass es schwierig wäre, so etwas zu verwirklichen. Schließlich ist das Auto der Deutschen liebstes Kind. Eine Unterstützung des Projektes könnte ich mir vonseiten der Gemeinde aber schon vorstellen.“

  • Thomas Eichenseher

    Bürgermeister von Duggendorf: „Ich hatte bisher noch keine Gelegenheit, mich mit dem Projekt näher zu beschäftigen. Aus dem Stand sehe ich aber keine großen Nachteile für die Gemeinde Duggendorf.“

  • Treffen

    Das nächste Treffen zum Projekt „Autofreier Sonntag im Naabtal“ findet am 9. Juni ab 19 Uhr in der Klosterwirtschaft in Pielenhofen statt. Jeder Interessierte ist hierzu willkommen.

„Radfahren, Skaten und Wandern ohne Lärm und Abgase aber mit Tausenden Gleichgesinnten“, lautet dazu die Devise auf der Homepage der Aktion, die heuer am 21. Juni stattfindet. Bis zu 30 000 Besucher kommen zu dem autofreien Sonntag, weiß Petra Rauser, die bei der Stadt Nagold die Ansprechpartnerin für die Aktion ist. Ihren Worten zufolge ist die Aktion zwar aus dem Umweltgedanken heraus entsprungen, hat aber mittlerweile einen wichtigen touristischen Aspekt. „Die Leute sollen sich auf der Bundesstraße bewegen und bekommen dabei einiges geboten“, erklärt Rauser. So gibt es in jeder der sieben Städte auf der Strecke ein eigenes Programm zum autofreien Sonntag, der von 8 bis 20 Uhr dauert.

„Der Aufwand ist aber enorm“, gesteht Petra Rauser. Allein für die verkehrsrechtlichen Genehmigungen sei eine erhebliche Vorarbeit nötig. Denn auf der 40 Kilometer langen Strecke gibt es insgesamt fünf Querungen, an denen der Autoverkehr über die ansonsten gesperrte Bundesstraße geleitet wird. Groß ist auch der finanzielle Aufwand für das Projekt, bestätigt Rauser, die dazu aber keine Summe nennen will. Schultern lässt sich das alles im Nagoldtal nur, weil hier der Landkreis und die beteiligten sieben Städte gemeinsam die Organisation übernommen haben.

Die Landrätin ist skeptisch

Da sind aber derzeit sowohl die Kommunen im Naabtal als auch die Landrätin eher zurückhaltend. „Die Initiative muss aus den Gemeinden kommen“, betont Tanja Schweiger, die auf Anfrage der MZ gesteht, diesem Projekt nicht voller Enthusiasmus gegenüberzustehen. Vor allem die praktische Umsetzung dieser Idee ist ein Punkt, auf den die Landrätin skeptisch blickt. Denn der Aufwand für die erforderlichen Straßensperrungen und für die Verkehrssicherheit ist ihrer Meinung nach enorm. Trotzdem kann sich Schweiger vorstellen, dass Projekt unter bestimmten Voraussetzungen zu unterstützen. „Da müsste vorher aber ein gutes Konzept stehen“, betont sie.

Für die verkehrsrechtliche Genehmigung eine autofreien Sonntags im Naabtal wäre das Landratsamt zuständig. Nachdem es sich um eine Staatsstraße handelt, müsste das staatliche Bauamt hierzu eine Sondernutzungsgenehmigung zudem erteilen. Josef Kreitinger will als Bereichsleiter Straßenbau die Zustimmung seiner Behörde zwar nicht grundsätzlich ausschließen. „Die Sache ist aber kritisch“, hat er durchaus Vorbehalte , eine Straße nur deshalb zu sperren, um sie einen Tag lang autofrei zu halten. Und er verweist auf den erheblichen Aufwand, der für eine solche Sperrung betrieben werden müsste. „Für einen privaten Veranstalter oder einen Verein könnte das sehr teuer werden“, erklärt Kreitinger.

Kommentare (2) Regeln Unsere Community Regeln

Seite 1 / 1
  • WS
    Winfried Schaul
    05.05.2015 12:35

    Ideen haben manche Leute. Nun gut, denken kann man sich alles. Unverständlich ist es, wenn Leute in den zuständigen Behörden gleich ans Umsetzen solcher Ideen gehen. Was bringt es. An Sonntagen ist ohnehin LKW-Fahrverbot. Die sind ohnehin schon mal weg. Die Bewohner dieses Naabtalbereiches würde man ausgrenzen. Diese wären gegenüber den Rest der Welt an diesem Tag erheblich benachteiligt. An mögliche Verluste der ansässigen Gastronomie mag ich gar nicht denken. Von den Kosten, die eine solche Maßnahme verursachen würde, will ich gar nicht reden. Ein autofreier Sonntag im Naabtal zwischen Etterzhausen und Kallmünz ist Unsinn.

    Missbrauch melden
  • PF
    Peter Fröhlich
    05.05.2015 10:49

    Dies ist eine grandiose Idee, würde mir auch in Teilbereichen des Altmühltales gefallen. Die Einwände des Landratsamtes und der Kommunen sind verständlich, aber es käme auf den Versuch an. Was in Baden Württemberg im oberen Nagoldtal gut angenommen, gemeinsam geplant und gestaltet wird, müsste doch auch im Naabtal möglich sein. Ich habe die Autofreien Sonntage von 1973 noch im Hinterkopf, es war ein tolles Erlebis für sehr viele Menschen.

    Missbrauch melden

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht