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Karriere

Als Ingenieur fit für die Industrie 4.0

Auch in der Fabrik der Zukunft werden gute Ingenieure gebraucht. IT-Grundlagen muss Experten zufolge aber jeder draufhaben.
Von Nora Wanzke, dpa

Braucht es in der Fabrik 4.0 nur noch Roboter und IT-Experten? Wohl kaum. Experten glauben, dass Ingenieure gefragt bleiben. Grundlagen in IT müssen sie künftig aber auch drauf haben. Foto: Ole Spata

Düsseldorf.Hätte man vor 20 Jahren gesagt, es würde heute die ersten selbstfahrenden Autos geben – man wäre wohl als verrückt erklärt worden. Aber die technische Entwicklung ändert sich schlagartig. Nun ist die Industrie 4.0 in aller Munde. Also grob gesagt eine Fabrik, in der alle Maschinen untereinander vernetzt sind. Auch wenn von einer Zukunftsvision gesprochen wird, steckt die Industrie mitten in der Entwicklung der Fabrik 4.0. Aber wird die Zukunft an den deutschen Hochschulen gelehrt? Ist der klassisch ausgebildete Ingenieurstudent in Jahrzehnten noch auf dem Arbeitsmarkt gefragt?

„Auch wenn die Anlagen immer intelligenter werden, sind es trotzdem Maschinen. Gute Ingenieure werden immer gebraucht“, sagt Peter Gust, Professor für Maschinenbau an der Universität Wuppertal. Ingenieurstudenten sollten sich nicht von der digitalen Zukunft der Fabriken verunsichern lassen. Mancher vermute, dass dort nur IT-Spezialisten gebraucht werden. Das sei jedoch nicht der Fall: Aber Grundlagen in der IT müsse künftig jeder draufhaben.

Ingenieur-Studenten sollten sich in den ersten Jahren nicht zu sehr spezialisieren. „Je spezialisierter man ist, desto enger ist die Nische, in der man später arbeiten kann“, sagt Jörg Friedrich vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Sind bestimmte Produkte in ein paar Jahren nicht mehr gefragt, auf die man sich im Studium spezialisiert hat, kann es trotz der guten Jobsituation schwierig werden. „Es reicht, wenn man sich erst im Master spezialisiert“, ergänzt Marco Dadomo vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Praktika helfen bei der Branchenauswahl.

Die Grundlagen sind wichtig

Für Prof. Gust von der Uni Wuppertal sind die Grundlagen ebenfalls das A und O. Hinzu kommt, dass viele zu Beginn des Studiums nicht alle Facetten des Ingenieurberufs überblicken. Mancher entscheidet sich etwa zunächst für einen Energietechnikbachelor, und merkt später, dass ein anderes Gebiet ihn mehr interessiert.

Dass die Grundlagen wichtig sind, bekommt Prof. Gust immer wieder aus der Industrie gespiegelt. „Wir hatten erwartet, dass die Unternehmen mehr Soft Skills verlangen. Aber sie wollen noch mehr Grundlagen. Diese lernt man nur an der Uni und nicht mehr im Berufsleben“, sagt er.

Aber wo liegen genau die Trends für die nächsten Jahrzehnte? „Wer heute sagen kann, was in zehn Jahren gefragt ist, hat ausgesorgt“, sagt Dadomo vom VDI. Momentan liegen die Trends im Bereich Energieeffizienz, umweltschonende Technologien, automatisiertes Fahren, 3D-Druck und Fabrik 4.0. Mit der Digitalisierung werden immer mehr Daten generiert (Big Data), die richtig gelesen und an den passenden Stellen genutzt werden müssen. Allerdings bleiben alle Trends trotzdem schwammig. Grund dafür ist die permanente Weiterentwicklung. Gerade deswegen sollte man sich bei seiner Ausbildung nicht nur auf diese fokussieren.

Interkulturelle Kompetenzen sind gefragt

„In den 90ern gab es die Internetblase, und es sind Studiengänge dazu aus dem Boden geschossen“, sagt Hermann Schumacher, Prof. für Elektrotechnik an der Uni Ulm. Allerdings platzte sie im Jahr 2000. Die Uni Ulm setzt trotzdem darauf, Trends zu vermitteln. So bietet sie seit diesem Wintersemester die berufsbegleitenden Master Business of Analytics und Sensorsystemtechnik an. Das sind zwei Studiengänge, die sich detaillierter mit Fragestellungen der Fabrik 4.0 auseinandersetzen. Mitmachen dürfen nur Studenten mit Berufserfahrung und einem Studienabschluss. Und das ist nicht willkürlich so bestimmt.

Zu einem Experten in einem bestimmten Bereich entwickelt man sich erst im Berufsleben. „Das kommt sozusagen on top und ganz automatisch“, sagt Friedrich vom VDMA. Weiterbildungen werden immer wichtiger werden. Die Technik, die in der Entwicklung ist, wird komplizierter. „Der Ingenieur 4.0 muss interdisziplinärer sein.“ Das heißt nicht, dass ein Ingenieur alle Bereiche abdecken muss. Er muss nur die Sprache der anderen Experten sprechen und sich in die Welt der Informatiker und Betriebswirte reindenken können. Außerdem brauchen Ingenieure interkulturelle Kompetenzen. Der Maschinen- und Anlagenbau exportiert viel. Gutes Englisch ist deshalb Pflicht. Vor allem müssen die Ingenieure von morgen flexibel sein. Früher hat man bei einem Betrieb angefangen und bis zur Rente dort gearbeitet. „In Zukunft müssen die Ingenieure das Umfeld öfters wechseln“, sagt Schumacher.

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