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Lehrveranstaltungs-Check im Internet

Auf der Plattform MeinProf können Studierende ihre Kurse bewerten. Dozenten sehen die Aussagekraft kritisch – sie bevorzugen offizielle Evaluationen.
Von Louisa Knobloch, MZ

Auf der Plattform MeinProf.de können Studierende Lehrveranstaltungen bewerten. Screenshot: MZ/MeinProf.de

Regensburg.Kurz vor Beginn des Sommersemesters stellt sich vielen Studierenden wieder die Frage, welchen Kurs bei welchem Dozenten sie belegen sollen. Wer wissen möchte, ob Kommilitonen eine bestimmte Vorlesung oder ein Seminar empfehlen würden, kann sich auf MeinProf.de anmelden. Auf dieser Plattform können Studierende ihre Lehrveranstaltungen nach Kriterien wie Fairness, Material, Verständlichkeit und Spaß bewerten. Eine eins ist dabei der schlechteste Wert, eine fünf der beste.

Gegründet wurde MeinProf.de im Herbst 2005 von fünf Studenten der TU Berlin. Seither haben die Nutzer mehr als 436 000 Bewertungen für rund 109 000 Lehrveranstaltungen abgegeben. Den Dozenten gefiel es dabei nicht immer, dass sie nun von ihren Studierenden bewertet und teils auch heftig kritisiert wurden. Mehrfach wurde die Plattform verklagt – auch ein Professor der damaligen Fachhochschule Regensburg wehrte sich vor Gericht gegen die über ihn veröffentlichten Beurteilungen. Die Richter am Landgericht Regensburg wiesen seine Klage jedoch ab – die Bewertungen auf MeinProf.de stellten eine zulässige Meinungsäußerung dar, urteilten sie. Der Großteil der Bewertungen sei ohnehin positiv, betont Projektleiterin Melanie Dreßl. „Die Kommentare zu den Lehrveranstaltungen enthalten oft konstruktive Kritik.“

Bewertungen teils mehrere Jahre alt

Mit insgesamt 4237 abgegebenen Bewertungen liegt die Ostbayerische Technische Hochschule (OTH) Regensburg in Bayern auf Rang zwei. Zu den Top-Dozenten der Hochschule gehört MeinProf.de zufolge Prof. Dr. Markus Westner von der Fakultät Informatik und Mathematik. Die Studierenden loben unter anderem seinen Einsatz moderner Medien und das übersichtliche Skript. „Natürlich freut man sich über eine positive Rückmeldung“, sagt Westner. Die Bewertungen auf der Plattform müsse man aber mit Vorsicht betrachten. So ergebe sich sein guter Gesamtwert von 4,72 aus gerade einmal 17 Einzelbewertungen. Seine BWL-Vorlesung besuchten aber 350 bis 400 Studierende pro Semester.

Besser geeignet, um Feedback von den Studierenden zu erhalten, seien die offiziellen Evaluationen der Lehrveranstaltungen an der Hochschule, findet Westner. „Hier ist der Rücklauf auch deutlich größer.“ Bei Problemen könnten sich Studierende zudem an die Fachschaft oder den Studiendekan werden – das sei sinnvoller, als seinem Ärger auf einer Onlineplattform Luft zu machen. „An den Hochschulen hat sich in den vergangenen zehn, 15 Jahren viel getan – es fragt sich, ob es da ein Ventil wie MeinProf.de noch braucht“, sagt Westner.

Tatsächlich liegen bei vielen Lehrveranstaltungen die letzten Bewertungen teils schon Jahre zurück. Das hat auch Prof. Dr. Günter Kummetsteiner von der OTH Amberg-Weiden festgestellt. Mit einem Durchschnittswert von 4,52 ist er laut MeinProf.de nicht nur der Top-Dozent der Hochschule, sondern bietet mit der Vorlesung „Produktionsmanagement und Logistik“ auch den Top-Kurs an. Die letzte Bewertung für diese Lehrveranstaltung stammt aber aus dem Sommersemester 2009. „Hier ist keine Aktualität gegeben“, findet Kummetsteiner. Zudem sei es problematisch, solche Bewertungen auf wenige Einzelmeinungen zu stützen. Für seine Logistik-Vorlesung wurden 15 Bewertungen abgegeben. Mehr Aussagekraft hätten die regelmäßig für alle Vorlesungen durchgeführten Lehr-Evaluationen an der Hochschule, so Kummetsteiner. „Da kommt durchaus auch kritisches Feedback, aber es handelt sich zumeist um konstruktive Vorschläge.“

„Ein offenes Ohr für Studierende“

Für die Dozenten sei es wichtig, die Sichtweise der Studierenden kennenzulernen, um Verbesserungen daraus ableiten zu können, so der Professor. Bei einer Projektarbeit im Bereich Logistik im Sommersemester 2013 hätten Studierende im Evaluationsbogen angemerkt, dass die Vorlaufzeit zu knapp gewesen sei. Diesmal hat Kummetsteiner die Teilnehmer daher schon vor Semesterstart informiert, damit sie genug Zeit haben, sich eine Firma für die Projektarbeit zu suchen.

„Man muss ein offenes Ohr für die Studierenden haben“, findet auch Prof. Dr. Gerhard Krump von der Technischen Hochschule Deggendorf. Konstruktive Kritik nutze beiden Seiten. Evaluationen von Lehrveranstaltungen und direkte Gespräche mit Studierenden findet Krump aber besser als anonyme Bewertungen auf einer Online-Plattform. „Die Studierenden sind so frei, dass sie sagen, wenn etwas sie bedrückt“, ist seine Erfahrung.

Mit drei Lehrveranstaltungen führt Krump die Liste der Top-Kurse an der TH Deggendorf an. Die letzten Bewertungen stammen allerdings auch hier aus dem Sommersemester 2009. Bei Grundlagenvorlesungen wie Tontechnik, die sich über die Jahre nur wenig verändern würden, hätten aber auch ältere Bewertungen noch eine gewisse Aussagekraft, findet Krump. Bei der Entscheidung für ein Wahlfach könnten die Bewertungen eine Hilfestellung für Studierende sein.

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