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Förderung

Spitzen-Forschung für Deutschland

Die Humboldt-Stiftung vergibt Stipendien an Wissenschaftler aus dem Ausland. Davon profitieren auch die Gastgeber – wie die Universität Regensburg.
Von Louisa Knobloch, MZ

  • Der Regensburger Slavistik-Professor Dr. Walter Koschmal gehörte neun Jahre lang dem zentralen Auswahlausschuss der Alexander von Humboldt-Stiftung an – zum Jahresende endet seine Amtszeit. Foto: Knobloch
  • Humboldt-Stipendiat Dr. Tyler Cocker aus Kanada forscht an der Universität Regensburg.Foto: Knobloch
  • Professor Dr. Helmut Schwarz ist Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung. Foto: David Ausserhofer/Humboldt-Stiftung

Regensburg. Wie bewegen sich Elektronen in Nanopartikeln? Das untersucht Dr. Tyler Cocker im Laserlabor des Instituts für Experimentelle und Angewandte Physik der Universität Regensburg mit ultrakurzen Laserblitzen. Der 29-jährige Kanadier forscht als Postdoc in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Rupert Huber. Seit September ist er Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung. Diese fördert Forschungsaufenthalte ausländischer Wissenschaftler in Deutschland und feiert 2013 ihren 60. Geburtstag.

„Die Physik der Welt, die uns umgibt, wird im Wesentlichen vom Zusammenspiel von Licht mit Elektronen bestimmt, geladenen Partikeln, die sich in sehr kurzen Zeitskalen sehr schnell bewegen“, erklärt Cocker. „Um solche Phänomene zu untersuchen und zu verstehen, brauchen wir ein Mikroskop, das in der Lage ist, hochauflösende Bilder auf Zeitskalen von wenigen Femtosekunden zu machen.“ Eine Femtosekunden entspricht dem millionstel Bruchteil einer Milliardstelsekunde. „In unserem Labor haben wir eine Technik entwickelt, die es uns erlaubt, dieses System auf völlig neue Weise zu erforschen.“

„Die Stiftung ist ein Segen“

1628 Bewerbungen um Humboldt-Forschungsstipendien gingen dem Jahresbericht zufolge 2012 bei der Stiftung ein, 411 davon wurden bewilligt. Neben den Forschungsstipendien für Postdoktoranden vergibt die Stiftung noch weitere Stipendien für erfahrene Wissenschaftler, mehrere Forschungspreise und die sogenannten Alexander von Humboldt-Professuren.

Bei jungen Wissenschaftlern, die sich auf ein Stipendium für Postdoktoranden bewerben, darf die Promotion maximal vier Jahre zurückliegen. Für ihr Forschungsvorhaben suchen sich die Bewerber einen Gastgeber an einer deutschen Hochschule oder Forschungseinrichtung. Im Fall von Cocker ist das Prof. Dr. Rupert Huber. Die beiden Wissenschaftler hatten sich 2011 bei einer Konferenz in Kalifornien kennengelernt, Cockers Ideen beeindruckten den deutschen Professor.

„Die Humboldt-Stiftung ist ein Segen“, sagt Huber. Durch die Förderung herausragender Nachwuchswissenschaftler könne sich Deutschland in der internationalen Forschungslandschaft profilieren. Für die Stipendiaten sei das Programm eine Karrierechance und auch die gastgebende Einrichtung profitiere. „Das potenziert unsere wissenschaftliche Schlagkraft“, so Huber. Die Netzwerke, die durch den Kontakt mit ausländischen Wissenschaftlern entstehen, würden auch den Regensburger Studierenden nützen, wenn diese wiederum eine Postdoc-Stelle im Ausland suchen würden.

Universität Regensburg ist beliebt

Huber ist bereits zum vierten Mal Gastgeber für einen Humboldt-Stipendiaten. „Diese Forschungsaufenthalte waren immer sehr bereichernd – wir haben wissenschaftlich und menschlich profitiert.“ Dass die Universität Regensburg gerade bei Naturwissenschaftlern sehr beliebt ist, zeigt das 2012 veröffentlichte Humboldt-Ranking. Dafür wurden über 6000 Forschungsaufenthalte ausländischer Wissenschaftler in Deutschland in den Jahren 2007 bis 2011 ausgewertet. Mit 50 Gastaufenthalten von ausländischen Preisträgern und Stipendiaten der Stiftung belegt die Universität Regensburg im Bereich Naturwissenschaften den ersten Platz, im fachübergreifenden Gesamtranking liegt sie auf Platz 18.

Über die Vergabe der Forschungsstipendien entscheidet ein Auswahlausschuss, dem rund 50 Wissenschaftler aller Fachrichtungen angehören. Einer davon ist der Regensburger Slavistik-Professor Dr. Walter Koschmal. „Ziel ist es, Spitzenforscher nach Deutschland zu holen“, sagt er. Drei Mal im Jahr – im März, Juli und November – tagt der Auswahlausschuss und muss dann jeweils über rund 500 Bewerbungen entscheiden.

Die hohe Zahl an Bewerbern für die Forschungsstipendien zeige, dass Deutschland ein attraktiver Standort in der internationalen Spitzenwissenschaft sei, sagt Koschmal. Man stehe aber in einem harten Wettbewerb mit den USA, China und zunehmend auch Indien. Die Zahl der Humboldt-Stipendiaten sei für die einzelnen Universitäten daher ein Indiz, wie sie in diesem Wettbewerb dastünden, so der Professor. „Wir müssen uns fragen, ob diese spannenden Forscherpersönlichkeiten an uns Interesse haben.“

Im November wird Koschmal zum letzten Mal im Ausschuss Bewerber für ein Forschungsstipendium präsentieren – nach der maximalen Amtszeit von dreimal drei Jahren scheidet er zum Jahresende aus dem Ausschuss aus.

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