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Finanzierung

Stipendien nicht nur für Überflieger

Viele Studenten bezweifeln, dass eine Förderung für sie in Frage kommt. Dabei gibt es mehr Angebote als man denkt.
Von Louisa Knobloch, MZ

  • In der Regel brauchen Studenten für ein Stipendium gute Noten – doch es gibt auch Ausnahmen. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn
  • Nur vier Prozent der Studenten in Deutschland finanzieren sich über ein Stipendium, so eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach. Foto: Friso Gentsch/dpa

Regensburg.Beim Wort Stipendium schwingt bei vielen Studenten eine gewisse Ehrfurcht mit. Das klingt nach Elite, nach Leuten mit Spitzen-Noten, die nebenher noch kurz die Welt retten. Die nackten Zahlen scheinen dafür zu sprechen: Rund 2,7 Millionen Menschen waren im Wintersemester 2014/15 an den deutschen Hochschulen eingeschrieben. Doch gerade einmal vier Prozent der Studenten erhalten der Untersuchung „Studienbedingungen 2014“ des Instituts für Demoskopie Allensbach zufolge ein Stipendium. Die bekanntesten Stipendiengeber sind die 13 großen Begabtenförderungswerke, zu denen etwa die Studienstiftung des deutschen Volkes gehört. Von ihnen wurden nach Angaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) 2014 insgesamt 26 871 Studenten gefördert. Dazu kamen 22 503 Deutschlandstipendien und 4434 Aufstiegsstipendien für berufliche Qualifizierte.

Das diese Zahlen so niedrig sind, liegt aber auch daran, dass viele es gar nicht erst versuchen: 80 Prozent aller Studenten in Deutschland haben sich der Allensbach-Studie zufolge bislang noch nie um ein Stipendium beworben. Die Gründe dafür sind vielfältig: Jeder zweite Student bezweifelt, dass die eigenen Noten gut genug sind. Weitere 44 Prozent glauben, ihr gesellschaftliches Engagement reiche nicht aus. Jeweils rund ein Drittel gab an, sie wüssten nicht, an wen sie sich wenden müssen, hätten einfach noch nicht an eine Bewerbung gedacht oder fänden das Bewerbungsverfahren aufwendig und kompliziert. Insgesamt sagten 80 Prozent der Studenten, sie fühlten sich über das Angebot an Stipendien in Deutschland nicht gut informiert.

Datenbanken helfen bei der Suche

Dabei lohnt es sich, abseits der großen Förderwerke nach Stipendien zu suchen. Es gibt in Deutschland Hunderte Firmen oder private Stiftungen, die Studenten unterstützen. Auswahlkriterien können das Studienfach, der Beruf der Eltern, aber auch die eigenen Lebensumstände sein: Manche Stipendien richten sich etwa gezielt an Waisen oder Alleinerziehende. Nicole Schmidt, Koordinatorin des Projekts „Studieren mit Kind“, verweist etwa auf die Klaus Tschira Stiftung, die alleinerziehende Studenten der MINT-Fächer für einen Auslandsaufenthalt während des Studiums fördert, und den Versicherungsanbieter Mawista, der zum zweiten Mal ein Stipendium „Auslandsstudium mit Kind“ ausgeschrieben hat. Ein Stipendiat erhält dabei ein Jahr lang 500 Euro pro Monat. Bei der Suche nach solchen Förderprogrammen helfen Stipendiendatenbanken wie das BMBF-Angebot stipendienlotse.de oder myStipendium.de, das von der gemeinnützigen Initiative für transparente Studienförderung ins Leben gerufen wurde.

Anti-Streber-Stipendium an der ZU

Für das Stichwort „Regensburg“ liefert der „Stipendienlotse“ 13 Treffer, darunter zwei städtische Stiftungen. Die Dr. Seyboth Stipendienstiftung richtet sich ausschließlich an Studenten der Universität Regensburg. Kriterien für eine Förderung sind die Bedürftigkeit und die erbrachten Studienleistungen. Die Prof. Dr. Julius F. Neumüller Stipendienstiftung unterstützt bedürftige Studenten aller Regensburger Hochschulen im Rahmen einer wissenschaftlichen oder künstlerischen Arbeit mit Bezug zu Regensburg. Die Förderung läuft bei beiden Stiftungen maximal zwölf Monate. Eine Bewerbung ist jederzeit möglich, Formulare gibt es auf der Homepage der Stadt Regensburg zum Download.

Mit einem „Anti-Streber-Stipendium“ hat die private Zeppelin Universität (ZU) in Friedrichshafen 2013 für Aufsehen gesorgt. Zwölf solcher Diversitätsstipendien, wie sie offiziell heißen, werden pro Semester vergeben. Damit sollen laut Aussage der Universität Personen gefördert werden, die „eine besondere Lebensgeschichte aufweisen und nach konventionellen Kriterien kaum eine Aussicht auf ein Stipendium hätten“ – etwa Studienabbrecher, Menschen mit Zuwanderungshintergrund und Studienstarter aus Nicht-Akademikerfamilien, aber auch Legastheniker oder Nerds. „Im Kern steht ein Gerechtigkeitsgedanke“, sagt Dr. Thorsten Philipp, der an der ZU für die Themen Hochschulzugang und Diversität zuständig ist.

In einer Zeit, in der viele Studenten vor allem einen optimierten Lebenslauf im Blick haben, gibt die ZU damit auch Bewerber eine Chance auf ein Stipendium, die schon einmal „die tiefgreifende Erfahrung des Scheiterns“ gemacht haben, wie Philipp es ausdrückt. Ob Sitzenbleiber, Abbrecher oder Gründungspleitiers – „sofern diese Erfahrung reflektiert wird, setzt sie Ressourcen frei, die einen persönlich, aber auch die akademische Gemeinschaft bereichern können.“ Für die Stipendien kann man sich parallel zu einem Bachelorstudium an der ZU bewerben, Stipendiaten werden für die Dauer des Bachelors (acht Semester) von den Studiengebühren befreit. Die aktuelle Frist für den Studienstart im September läuft noch bis 10. Juli.

Wer sich noch gar nicht sicher ist, was er nach dem Abitur studieren möchte, für den könnte das „Pfad.finder-Stipendium“ der Universität Witten/Herdecke das Richtige sein. Das „Entschleunigungsstipendium fürs Noch-Nicht-Studieren“ wird in diesem Jahr zum vierten Mal ausgeschrieben, Bewerbungsschluss ist der 15. Februar. Unter allen Bewerbern wählt eine studentische Jury drei bis fünf Finalisten aus. In einer öffentlichen Online-Abstimmung wird dann der Sieger gekürt.

Der Stipendiat erhält dann ein Jahr lang 700 Euro im Monat, um ein Projekt seiner Wahl umzusetzen. Benjamin Ansari, einer der bisherigen Stipendiaten, hat beispielsweise einen Dokumentarfilm über den Genozid in Ruanda gedreht. Ein Student, Dozent oder Alumnus der Universität unterstützt den Stipendiaten als Mentor. „Den Blick einmal schweifen zu lassen, links und rechts zu schauen, bereichert ungemein“, beschreibt Louis Jarvers, Vorstand der Studierenden-Gesellschaft, das Ziel des Stipendiums. Wer möchte, kann in dem Jahr trotzdem schon Studienerfahrung sammeln und Kurse an der Universität Witten/Herdecke belegen.

Persönlichkeit zählt mehr als Noten

Für alle, die schon beim Gedanken an Klausuren und Co. schweißfeuchte Hände, Herzrasen und einen Knoten im Magen bekommen, gibt es das Prüfungsangst-Stipendium. Dieses wurde von der Initiative für transparente Studienförderung ins Leben gerufen, die auch die Stipendiensuchmaschine myStipendium betreibt. Ähnliche Programme gab es in den vergangenen Jahren schon für Durchschnittsstudenten oder Bewerber mit ungewöhnlichem Nebenjob. Gute Noten sind dabei zweitrangig. „Bei der Auswahl kommt es uns vor allem auf den individuellen Hintergrund, die Persönlichkeit und auch die Originalität der Bewerbung an“, sagt Dr. Mira Maier, Mitbegründerin und Geschäftsführerin der Initiative.

Bis 31. März können sich Schüler oder Studenten mit einem Video oder einem kurzen Text online bewerben. In einer öffentlichen Abstimmung im April wird dann auch hier aus fünf Finalisten ein Gewinner gekürt. Dieser erhält von Eurocentres einen vierwöchigen Englisch-Sprachkurs in San Diego (USA) inklusive Flügen, Kursgebühren, Unterkunft, Verpflegung, Versicherung und 500 Euro Taschengeld.

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