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Samstag, 25. November 2017 13° 3

Stürmer und Domspatz

Michael Geitner tritt in ganz Deutschland auf

Von Peter Brielmaier

und Helmut Oertel, MZ

Er ist zwar noch (!) klein von Wuchs, hat aber schon eine große Stimme. Deswegen steht Michael Geitner auch meistens in der ersten Reihe, wenn die Domspatzen singen. Kürzlich traf der 12-Jährige sogar das Staatsoberhaupt – die Spatzen besuchten Bundespräsident Horst Köhler in Berlin, und Michael war dabei. Die MZ besuchte ihn ein paar Tage davor – wir wollten mal erfahren: Wie kriegt so ein Junge das Singen, das Lernen, das Größer-Werden eigentlich unter einen Hut?

Von wegen: nur Kunst. Wenn Michael gerade einmal nicht singt, dann spielt er am liebsten Fußball. Als Stürmer schießt er pro Spiel so „ein, zwei Tore“ für die D-Jugend des TV Parsberg. Zuletzt hat sein Team allerdings gegen Kareth mit 15:1 verloren. Mit den Domspatzen ist Michael dagegen in der Champions-League der europäischen Knabenchöre unterwegs. Am vergangenen Wochenende beispielsweise in München. Natürlich nicht im Olympiastadion, sondern in der Philharmonie im Gasteig. Und direkt danach ging es mit dem Flugzeug nach Berlin zum Auftritt beim Bundespräsidenten. Der Domspatz durfte zum ersten Mal in seinem Leben fliegen – und war „schon ein bisschen aufgeregt“. Sonst fährt der Chor immer mit dem als „Kaffbomber“ bezeichneten Bus. Vorne sitzen die Männerstimmen, hinten die Knaben, und wer Stimmführer ist, darf sich den Platz aussuchen.

Michael weiß noch ganz genau, wann er in den Konzertchor aufgenommen wurde, der von Domkapellmeister Roland Büchner geleitet wird. „Am 15. Januar 2004“, sagt er wie aus der Pistole geschossen. Und Chormanager Christoph Hartmann erzählt, wie begeistert Michael war, als er auf den Listen entdeckt hat, dass er bei allen großen Auftritten mitsingen darf. In Hamburg in St. Elisabeth, in der Hedwigskathedrale Berlin als Botschafter der Stadt Regensburg für die Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas. Und fünf Mal beim Weihnachtskonzert in Regensburg. „Bist Du stolz, Domspatz zu sein?“ „Ja“, sagt Michael schlicht.

Fast wäre seine Chor-Karriere gleich am Anfang gescheitert. Als Michael vor drei Jahren ins Internat kam, hielt er es vor Heimweh nicht aus. Jetzt fährt er täglich um 7.01 Uhr mit dem Zug von Parsberg nach Regensburg und abends nach der Schule und den Proben um 17.56 Uhr wieder heim. Wenn ihn auf den Chorreisen mal das Heimweh überkommt, dann ruft er mit dem Handy an oder drückt Stoffhund „Wuschl“.

Bruder Markus ist „schuld“, dass Michael bei den Domspatzen gelandet ist. Markus war selbst Domspatz und hat auf einer Chor-CD sogar ein Solo singen dürfen. Das ist so, als wenn man in der Champions-League in einem entscheiden Spiel ein Tor schießt. Schade nur, dass der große Bruder genau in dem Jahr sein Abitur gemacht hat, als Michael in den Chor kam. Aber es gibt ein Band, das die beiden bis heute verbindet. Der beste Freund von Michael ist Elias aus der 10.Klasse. Und Elias war schon mit dem Bruder befreundet.

Das Singen und das Fußballspielen füllen Michael so aus, dass er wunschlos glücklich ist. Nein, einen Wunschzettel hat er nicht geschrieben, erzählt der Domspatz, der von innen heraus eine stille Zufriedenheit ausstrahlt. Er wartet einfach, was er geschenkt bekommt.

Nur bei einem Thema wird Michael ernst und bekommt einen etwas bitteren Zug in den Mundwinkeln. Mit 1,35 Meter ist er der kleinste Domspatz im Konzertchor. „Die anderen ärgern mich deswegen“, sagt Michael. Den Spitznamen, den ihm seine Mitschüler verpasst haben, hört er nicht gerne: „Shorty“, der Kurze. „Das geht da rein und da wieder raus“, sagt Michael tapfer und zeigt auf seine Ohren.

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