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Hochschule
Dienstag, 21. November 2017 5

Nachruf

Trauer um Prof. Rainer Hammwöhner

Der Informationswissenschaftler lehrte 20 Jahre lang an der Uni Regensburg. Am 4. März war er überraschend verstorben.
Von Louisa Knobloch, MZ

Prof. Dr. Rainer Hammwöhner hatte den Lehrstuhl für Informationswissenschaft inne. Archivfoto: altrofoto.de

Regensburg.Die Universität Regensburg trauert um Prof. Dr. Rainer Hammwöhner, der 20 Jahre lange – seit 1996 – den Lehrstuhl für Informationswissenschaft innehatte. Der 59-Jährige war am 4. März überraschend verstorben. Am Freitag um 10 Uhr findet in der Regensburger Neupfarrkirche der Trauergottesdienst statt. Im Anschluss wird Hammwöhner im Kreis von Familie, Verwandten und Freunden auf dem städtischen Friedhof Dreifaltigkeitsberg beigesetzt. „Der Tod von Herrn Prof. Dr. Hammwöhner ist ein ganz schwerer Verlust für die Universität Regensburg und hat mich auch persönlich tief getroffen“, sagt Präsident Prof. Dr. Udo Hebel. 18 Jahre lang habe er an der Fakultät eng mit dem Informationswissenschaftler zusammengearbeitet – etwa beim Aufbau des Instituts für Information und Medien, Sprache und Kultur (I:IMSK), das heute fünf Lehrstühle umfasst. Das Institut und die Fakultät hätten Hammwöhner viel zu verdanken, sagt auch Prof. Dr. Christian Wolff, Lehrstuhlinhaber für Medieninformatik. Er kann den Tod seines Kollegen kaum fassen. „Es ist unglaublich, wir saßen am Abend vorher noch bei mir im Büro.“ Hammwöhner sei ein außerordentlich herzlicher, zivilgesellschaftlich engagierter und breit gebildeter Mensch gewesen, sagt Wolff, der den Informationswissenschaftler seit 25 Jahren kannte. „Er war auch ein Mann der klaren Worte, der Dinge auf den Punkt bringen konnte.“

Wikipedia als wichtiges Forschungsthema

Hammwöhner habe immer Verantwortung übernommen, betont Hebel – etwa als Dekan der Fakultät für Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften, im Senat oder Hochschulrat, dessen stellvertretender Vorsitzender er war. Zuletzt hatte Hammwöhner seit 2015 das Amt des Prodekans der Fakultät innegehabt. „Prof. Hammwöhner hatte immer die ganze Universität im Blick“, sagt Hebel.

Prof. Dr. Rainer Hammwöhner mit seinen Kollegen Prof. Dr. Bernhard Dotzler, Prof. Dr. Daniel Drascek und Prof. Dr. Christian Wolf (v.l.) im Wintersemester 2005/06 Archivfoto: altrofoto.de

Als Wissenschaftler beschäftigte sich Hammwöhner mit Fragen der medizinischen Informatik – seinem Studienfach –, der Informationsphilosophie und speziell mit dem Online-Lexikon Wikipedia. „Er gehört zu den wenigen, die sich auch intensiv mit der Wikipedia-Community auseinandergesetzt haben“, sagt Markus Glaser. Der Geschäftsführer der Regensburger Firma „Hallo Welt! GmbH“ saß selbst im Präsidium der Wikimedia Deutschland – und hat bei Hammwöhner studiert. „Er war ein sehr angenehmer Mensch und immer sehr fair im Umgang mit seinen Studenten“, so Glaser.

Ein Forschungsprojekt als Vermächtnis

Als „klassischen Intellektuellen“ beschreibt ein weiterer ehemaliger Student Hammwöhner. Er sei sympathisch und intelligent, dabei aber niemals überheblich gewesen. Seine Vorlesungen habe er oft mit Anekdoten bereichert: „Mir kam es vor, dass er alles Gelesene oder Gehörte aufgesogen hat wie ein Schwamm und zu jeder passenden Situation auspacken konnte.“ Eine frühere Studentin beschreibt ihn als sehr nahbaren Professor, der immer ein offenes Ohr für die Fragen seiner Studenten hatte.

Der 1956 geborene Hammwöhner hatte an der Universität Heidelberg Medizinische Informatik studiert. Nach dem Diplom war er am Institut für Informationswissenschaft der Universität Konstanz tätig, zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter, später als Assistent. 1990 schloss er dort seine Promotion zum Thema „Automatischer Aufbau von Hypertext-Basen aus deskriptiv expositorischen Texten – Ein Hypertext-Modell für das Information-Retrieval“ ab, 1996 folgte die Habilitation mit einer Arbeit über „Offene Hypertexte“. Seit 1996 hatte Hammwöhner – zunächst zwei Jahre als Vertretung – den Lehrstuhl für Informationswissenschaft an der Universität Regensburg inne.

Ein neues Forschungsprojekt zum Informationsverhalten, das Hammwöhner maßgeblich mitinitiiert hatte und an dem alle Lehrstühle des Instituts beteiligt sind, wollen die Wissenschaftler Wolff zufolge im Sinne ihres verstorbenen Kollegen fortführen: „Das ist sein Vermächtnis“.

Im Sekretariat der Informationswissenschaft (PT 3.0.84b) liegt bis Vorlesungsbeginn ein Kondolenzbuch aus, in das sich Kollegen, Mitarbeiter und Studenten eintragen können.

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