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Vom Klassenzimmer in den Hörsaal

Mit 32 entschloss sich die Grundschullehrerin Astrid Rank, zu promovieren. Heute ist sie Professorin an der Uni Regensburg.
Von Louisa Knobloch, MZ

Prof. Dr. Astrid Rank hat seit Oktober 2014 den Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und -didaktik an der Universität Regensburg inne. Foto: Knobloch

Regensburg.Das Grundschullehramt gilt als typischer Frauenberuf. An der Universität Regensburg ist der Großteil der Studierenden in diesem Fach ebenfalls weiblich. Dass durch mehr männliche Lehrer Jungen automatisch besser gefördert würden, sieht Prof. Dr. Astrid Rank allerdings skeptisch. „Das Geschlecht allein macht keinen guten Lehrer aus“, sagt die Lehrstuhlinhaberin für Grundschulpädagogik und -didaktik. Vielmehr müssten Lehrkräfte den Unterricht so gestalten, dass er für beide Geschlechter, Jungen und Mädchen, gewinnbringend sei.

Promotion als Initialzündung

Seit Oktober lehrt die gebürtige Kelheimerin Rank an der Universität Regensburg. Hier hatte sie von 1989 bis 1993 selbst Grundschullehramt studiert. Für das Fach entschied sie sich, weil sie gerne mit Menschen arbeitete und sich für die Entwicklung und das Lernen von Kindern interessierte. Ein Angebot, im Anschluss an das Studium zu promovieren, schlug sie damals aus. „Ich wollte mein Referendariat machen und die Ausbildung abschließen“, sagt sie. Sieben Jahre lang unterrichtete sie dann an Grundschulen im Raum Kelheim. „Ich war total gerne Lehrerin.“ Als Rank nach der Geburt ihres dritten Kindes in Elternzeit ging, entschloss sie sich, noch etwas Neues zu lernen und absolvierte einen Diplom-Lehrgang zur Montessori-Pädagogik. Es waren die Dozenten dort, die sie darauf brachten, mit Anfang 30 noch mal an die Uni zu gehen.

Bei Prof. Dr. Maria Fölling-Albers am Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und -didaktik der Universität Regensburg promovierte sie zu „Subjektiven Theorien von Erzieherinnen zu vorschulischem Lernen und Schriftspracherwerb“. „Das war wie eine Initialzündung“, erinnert sich Rank. „Ich mochte das wissenschaftliche Arbeiten vom ersten Tag an.“ Die Schule und den direkten Kontakt mit den Kindern habe sie schon vermisst. Die wissenschaftliche Arbeit sei aber ebenfalls sehr erfüllend. „Man kann Erkenntnisse gewinnen und an Studierende weitergeben“, sagt Rank.

Ein Begabtenstipendium des Cusanuswerks ermöglichte ihr den Gang von der Schule zurück an die Uni. Zur finanziellen Unterstützung kam die ideelle Förderung: „Vor allem der Austausch mit anderen Promovenden war mir sehr wichtig“, sagt Rank. Nach der Promotion blieb sie als Assistentin am Lehrstuhl und arbeitete an einem DFG-Projekt mit, das die Förderkompetenzen von Lehrkräften beim Schriftsprachenerwerb untersuchte. „Es geht darum, wie Lehrer lernen, welches Fachwissen sie aufbauen müssen, und wie sie dieses Wissen dann auch umsetzen.“

Im Wintersemester 2009/10 übernahm Rank eine Vertretungsprofessur für „Literalität und Mehrsprachigkeit“ an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. 2011 erhielt sie einen Ruf an die Universität Koblenz-Landau, wo sie dreieinhalb Jahre lang den Lehrstuhl für Grundschulpädagogik innehatte. Unter der Woche arbeitete sie in der Pfalz, am Wochenende pendelte sie zu ihrer Familie nach Niederbayern. Das habe nur so gut funktioniert, weil ihr Mann sie unterstütze und sie vor Ort ein gutes soziales Netz habe, sagt Rank. Eine Familie, Kinder zu haben, empfindet sie als bereichernd. Allerdings werde sie immer wieder gefragt, wie sie es schaffe, Beruf und Kinder unter einen Hut zu bekommen. „Ein Mann wird das wahrscheinlich nicht so häufig gefragt – das zeigt, dass es immer noch nicht selbstverständlich ist, als Frau mit Familie in dieser Position zu sein“, sagt Rank.

Handwerkszeug für Junglehrer

Dass sie schon Kinder hatte, als sie ihre Universitätskarriere begann, sei sicher ein Vorteil gewesen. Ihre erste Tochter bekam Rank noch als Studentin. „Während des Studiums oder der Promotion kann man sich die Zeit freier einteilen als später im Beruf.“

Im Oktober kehrte Rank dann als Professorin an die Universität Regensburg zurück. Hier verfolgt sie in Landau begonnene Projekte zum Schriftsprachenerwerb und zur Inklusion weiter. „Für die Grundschulpädagogik ist der Umgang mit Heterogenität prägend“, sagt sie. Denn hier gehen noch alle gemeinsam zur Schule: Kinder mit und ohne Behinderung, Kinder mit unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft. Gerade diejenigen, für die Deutsch nicht Erst-, sondern Zweitsprache ist, könnten vom längeren gemeinsamen Lernen profitieren, findet Rank.

Die Schere zwischen Schülern aus bildungsnahen und bildungsfernen Familien sei viel größer als die zwischen Jungen und Mädchen. „Lehrer brauchen viel fachliches, fachdidaktisches und pädagogisches Wissen, um die Kinder adäquat fördern zu können.“ Dieses Handwerkszeug wollen Rank und ihre Kollegen den Studierenden mit auf den Weg geben.

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