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Geld

Wird das Studium zum Luxus?

Studenten sind laut einer Studie knapp bei Kasse. Auch in Regensburg fällt die Finanzierung des Studiums vielen nicht leicht.
Von Maximilian Stoib, MZ

Regensburg.Viele Studierende in Deutschland haben zu wenig Geld – und wer überhaupt studiert, ist immer öfter vom Geldbeutel der Eltern abhängig. Das ist das Ergebnis der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW), die am Dienstag in Berlin veröffentlicht wurde.

Insgesamt 55000 Datensätze hat das Deutsche Studentenwerk für seine Studie ausgewertet. Ergebnis: Der finanzielle Druck auf die insgesamt 2,8 Millionen Studierenden in Deutschland nimmt insgesamt zu.

Darüber hinaus hängt der Zugang zum Studium in den letzten 25 Jahren immer mehr mit der familiären Situation zusammen: 66 Prozent der Studierenden hatten 2016 eine hohe Bildungsherkunft, 1991 waren es noch 43 Prozent.

Beide Trends sind wohl miteinander verknüpft: Ohne finanzielle Unterstützung der Familie wäre es für die meisten Studierenden sehr schwierig, über die Runden zu kommen.

Ein Beispiel hierfür ist Gerlinde, sie studiert Politikwissenschaft an der Uni Regensburg. „Ohne meine Eltern könnte ich es mir nicht leisten zu studieren“, sagt die 24-Jährige. So wie ihr geht es vielen: 86 Prozent aller Studierenden in Deutschland bekommen Geld von den Eltern, 541€ sind es im Durchschnitt, so ein Ergebnis der Studie.

Problematischer Wohungsmarkt

Insgesamt haben die deutschen Studierenden im Monat durchschnittlich 918€ zur Verfügung. Für Miete bezahlen sie davon im Schnitt 323€.

Für die Studierenden in Regensburg hat gerade das Thema Wohnraum eine entscheidende Bedeutung, ist sich Dominik Graf sicher. Er ist einer der beiden studentischen Sprecher der Uni Regensburg und vertritt die Studierenden nach außen. „Es gibt viel zu wenig Wohnraum und vor allem viel zu wenig bezahlbaren Wohnraum“, sagt er.

Für den studentischen Sprecher Dominik Graf steht fest: „In Regensburg gibt es zu wenig bezahlbaren Wohnraum für Studierende.“ Foto: Stoib

Um die schwierige Situation zu entschärfen, hat die Studierendenvertretung eine eigene Onlne-Wohnungsbörse eingerichtet, über die sich Wohnungssuchende über günstige WG-Zimmer oder Apartements in der Stadt informieren können.

Der Student Thomas kennt das Problem mit teuren Mieten in Regensburg. „Die Mietpreise steigen immer weiter, alleine von einem 450€-Job kann man nicht leben, das geht fast schon für die Miete drauf“, erzählt er. Der 24-Jährige studiert Informationswissenschaft und steht kurz vor dem Bachelorabschluss. Zeitweise hatte er zwei Nebenjobs, um sich seinen Lebensunterhalt finanzieren zu können.

Ohne Nebenjob geht es nicht

Ohne Nebenjob geht es für die meisten Studierenden in Deutschland nicht. Innerhalb von vier Jahren ist die Quote derer, die neben ihrem Studium arbeiten, um sechs Punkte auf 68 Prozent gestiegen. „Der Anteil erwerbstätiger Studierender erreicht damit wieder das bislang höchste Niveau, das für das Sommersemester 2003 registriert wurde“, heißt es im DSW-Report.

Der Regensburger Student Thomas hat zwar auch BafÖG, also staatliche Unterstützung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz, bezogen, doch diese Förderung wird nur bis zum Ende der Regelstudienzeit ausbezahlt. Und die beträgt an der Universität Regensburg bei den meisten Bachelorstudiengängen sechs Semester. Wer, so wie Thomas, länger für seinen Abschluss braucht, bekommt kein BAföG mehr. Das ist für viele ein Problem, so auch für den angehenden Juristen Felix.

In Jura betrage die Regelstudienzeit neun Semester, doch in diesem Zeitraum mit dem Studium fertig zu werden, sei komplett unrealistisch, sagt er.

Video: Stoib

Dem stimmt auch sein Freund Valentin zu, der im achten Semester Lehramt studiert. Als „ausbaufähig“ bezeichnet er seine wirtschaftliche Situation. Große finanzielle Probleme habe er zwar nicht, aber ewig studieren, das könne er sich nicht erlauben.

„Wer nicht allzu viel BAföG bekommt und deshalb nebenbei arbeiten muss, hat weniger Zeit für das Studium. Aber dann wird man erst recht nicht in der Regelstudienzeit fertig und bekommt kein BAföG mehr. Das ist ein Teufelskreis“, sagt Valentin.

Natürlich könne nicht jeder bis ans Ende seines Studiums die Förderung bekommen, aber dass die Grenzen bei der Einhaltung der Regelstudienzeit nicht so streng wären, würden sich die beiden schon wünschen.

DSW-Präsident Dieter Timmermann bedauert hingegen, dass 2016 überhaupt nur 18 Prozent der Studierenden BAföG erhielten – die niedrigste Quote seit Beginn der neunziger Jahre. Besonders erschüttert habe ihn, dass 37 Prozent derjenigen, die eigentlich Geld bekommen könnten, keinen Antrag stellen – aus Angst vor Schulden. „Wir müssen gemeinsam mehr fürs BAföG werben“, sagt er.

Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) geht davon aus, dass nach der Reform vom vorigen Herbst statt bisher 611 000 Studierenden demnächst wieder über 700 000 die staatliche Unterstützung erhalten. Der Höchstsatz wurde von der Bundesregierungfür das Wintersemester 2016/2017 nach sieben Jahren Stagnation auf 735 Euro erhöht. Ein regelmäßiges BAföG-Plus wie von Studentenwerk, SPD, Grünen und Linken gefordert – lehnt Wanka bisher ab. Das werde der Lebenssituation von Studierenden nicht gerecht, sagte die Ministerin vor Inkraftreten der letzten Erhöhung.

Unbezahlte Pflichtpraktika

Neben hohen Mieten und zu wenig BAföG sind es auch unbezahlte Praktika, die die Regensburger Studierenden in finanzielle Bedrängnis bringen können. Denn für ein Pflichtpraktikum, wie es viele Studienordnungen vorsehen, gilt der Mindestlohn nicht.

Alexia war mit eben diesem Problem konfrontiert: Die 23-Jährige studiert Kulturwissenschaft in Regensburg und hat ein unbezahltes Praktikum absolviert. Dafür musste sie nach München, wo die Mietpreise deutlich höher sind als in Regensburg. Alexia würde ihre finanzielle Situation deshalb noch nicht als allzu negativ bewerten, „aber ohne meine Eltern wäre es schwer“, sagt sie.

Mit Material unserer Agenturkorrespondenten.

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Im Kugelschreiber bloggen Regensburger Studenten über das Studium, den Campus und das Studentenleben in der Stadt.

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