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Das Kreolische ist ihre Leidenschaft

Ingrid Neumann-Holzschuh wollte ursprünglich Lehrerin werden. Statt Schülern unterrichtet sie heute Studierende in Romanischer Sprachwissenschaft.
Von Louisa Knobloch, MZ

Prof. Dr. Ingrid Neumann-Holzschuh lehrt Romanische Sprachwissenschaft an der Universität Regensburg. Foto: Knobloch

Regensburg.Als Dr. Ingrid Neumann-Holzschuh 1995 als Professorin für Romanische Sprachwissenschaft an die Universität Regensburg berufen wurde, war sie die erste Frau in dieser Funktion an ihrer Fakultät. Im Laufe der Zeit übernahm sie verschiedene Ämter, war erst Prodekanin, dann Dekanin der Fakultät, Mitglied des Senats und des Hochschulrats und schließlich von 2009 bis 2011 Prorektorin der Universität. „In all diesen Positionen war ich fast immer die erste Frau“, erzählt Neumann-Holzschuh. Zwei Jahre lang war sie auch Frauenbeauftragte der Fakultät, dann zwei Jahre lang stellvertretende Hochschulfrauenbeauftragte und nahm in dieser Funktion an Berufungsverhandlungen teil. „Für die Gremien war das damals noch ziemlich ungewohnt, dass immer eine Frau dabei ist“, sagt sie. „Heute ist es eine Selbstverständlichkeit.“

Promotion statt Referendariat

Ursprünglich wollte Neumann-Holzschuh Lehrerin werden. 1972 schrieb sie sich an der Universität Köln für Romanistik und Anglistik ein. „Schon in der Schule haben mir Sprachen am meisten Spaß gemacht – da liegt meine Begabung“, sagt sie. Ein Auslandssemester verbrachte die Studentin im französischen Tours, für drei Semester wechselte sie an die Universität Kiel. 1978 legte sie in Köln das Erste Staatsexamen für das Lehramt am Gymnasium ab. Dann änderten sich ihre Pläne jedoch plötzlich, als ihr die Professorin, die ihre Zulassungsarbeit betreut hatte, eine Promotion anbot.

Statt wie ursprünglich geplant ins Referendariat zu starten, folgte Neumann-Holzschuh ihrer Professorin an die Universität Bamberg. Im Rahmen eines von der DFG geförderten Projekts war sie dort als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Erstellung eines etymologischen Wörterbuchs der frankokreolischen Sprachen beteiligt. Auch ihre 1983 abgeschlossene Doktorarbeit befasste sich mit den französischen Kreolsprachen, konkret dem Kreolischen in Louisiana. „Damals habe ich gemerkt, dass mir die universitäre Laufbahn Spaß machen würde“, sagt Neumann-Holzschuh. Leicht sei die Entscheidung aber nicht gewesen – als Lehrerin hätte sie eine relativ sichere Stelle gehabt, eine Karriere an der Hochschule sei dagegen schlecht planbar. „Meine wissenschaftliche Neugier war groß und so habe ich mich für die Universität entschieden.“ Von 1984 bis 1990 hatte Neumann-Holzschuh eine Stelle als Akademische Rätin auf Zeit am Lehrstuhl für Romanische Sprachwissenschaft der Universität Bamberg.

Da Professoren in diesem Fach immer zwei romanische Sprachen in Forschung und Lehre vertreten müssen, sattelte sie noch Hispanistik darauf. In ihrer Habilitation – ebenfalls in Bamberg – befasste sie sich mit dem mittelalterlichen Spanisch. Die Familienplanung hatte Neumann-Holzschuh zunächst aufgeschoben: „Ich wollte erst mit der Promotion fertig sein.“ Die Habilitation wollte sie dann aber nicht mehr abwarten: 1988 kam ihre erste Tochter zur Welt, 1992 die zweite. Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, sei nicht einfach gewesen. „Sehr hilfreich war da das Habilitationsstipendium der DFG, das ich zwei Jahre lang bekommen habe“, erzählt Neumann-Holzschuh.

Nach ihrer Habilitation 1993 vertrat sie zunächst eine Professur an der Katholischen Universität Eichstätt, bevor sie 1995 an die Universität Regensburg berufen wurde. „Das war wie ein Sechser im Lotto“, erinnert Neumann-Holzschuh sich. Denn die Familie lebte bereits in Regensburg, ihr Mann – ein Mediziner – arbeitete damals am neu eröffneten Universitätsklinikum.

Studentinnen sind in der Mehrzahl

Heute lehren am Institut für Romanistik drei Professorinnen und drei Professoren – das Geschlechterverhältnis ist also ausgeglichen. Die Studierenden, die sie unterrichten, sind größtenteils junge Frauen. In der Romanistik gebe es mittlerweile auch relativ viele habilitierte Frauen, sagt Neumann-Holzschuh. In anderen Fächern – gerade im MINT-Bereich – ist der Anteil von Studentinnen und Professorinnen dagegen viel geringer. Hier könnten etwa Programme, mit denen die Berufung von Frauen gefördert wird, Sinn machen, findet Neumann-Holzschuh. Einer generellen Frauenquote steht sie allerdings zurückhaltend gegenüber.

Das Thema frankokreolische Sprachen fasziniert die Professorin noch heute: So organisiert sie an der Universität Regensburg regelmäßig die Tagung „Journée créole“ und arbeitet an einem etymologischen Wörterbuch der französischen Kreolsprachen Amerikas. Ihr zweites Spezialgebiet ist die Frankophonie in Nordamerika. Hier arbeitet sie an einer vergleichenden Grammatik des Französischen in Kanada und in Louisiana.

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