mz_logo

Hochschule
Dienstag, 26. September 2017 21° 1

Serie

Die Freude am logischen Denken

Clara Löh ist 32 und Professorin für Mathematik an der Uni Regensburg. Statt für eine Frauenquote plädiert sie für gesellschaftliches Umdenken.
Von Louisa Knobloch, MZ

Seit Oktober 2010 lehrt Prof. Dr. Clara Löh an der Universität Regensburg. Ihr Fachgebiet ist die Topologie. Foto: Knobloch

Regensburg.Wer Clara Löh auf dem Campus der Universität Regensburg begegnet, könnte die junge Frau mit dem Kapuzenpullover und den verwuschelten Haaren glatt für eine Studentin oder eine Doktorandin halten. Dabei wurde Löh im Oktober 2010 zur Universitätsprofessorin für Mathematik berufen – im Alter von nur 29 Jahren. Schon in der Schule hat Mathe ihr Spaß gemacht. Als Jugendliche nahm Löh am Schülerzirkel der Universität Stuttgart und an Mathematikwettbewerben teil. „Da bekam man Aufgaben, wie man sie aus der Schule nicht kannte – das fand ich interessant.“

Topologie als Schwerpunkt

Dass sie Mathematik studieren würde, habe sich aber erst gegen Ende ihrer WerdegangSchulzeit abgezeichnet, sagt Löh. „Vorher habe ich mich auch für andere Naturwissenschaften wie Physik interessiert.“ Nach dem Abitur schrieb sich die junge Frau an der Universität Konstanz für Mathematik ein. „Dort habe ich festgestellt, dass es mir wirklich so viel Spaß macht, wie ich gedacht habe“, sagt Löh – und das sei ja nicht bei jeder Studienentscheidung selbstverständlich. Nach dem Vordiplom wechselte Löh an die Universität Münster, wo sie sich weiter auf das Fachgebiet Topologie spezialisierte. „Dabei geht es darum, welche prinzipiellen Formen geometrische Objekte haben. Anders als in der Geometrie misst man aber keine Längen und Winkel, sondern sucht nach globalen Invarianten, die etwas über die Struktur der Objekte aussagen“, erklärt Löh. So kann die Topologie beispielsweise helfen, die Frage zu klären, welche generelle Form unser Universum hat.

Nach dem Diplom promovierte Löh an der Universität Münster und trat im Anschluss dort eine Assistentenstelle an. „Die Lehre hat mir gut gefallen.“ Dass sie selbst nur wenige Jahre später Professorin sein würde, hätte sie damals aber noch nicht gedacht. „Eine Professur ist nichts, was man planen kann – das ist wie ein Lottogewinn.“ Nach einer Professurvertretung an der Universität Göttingen machte ein Kollege sie auf die Stellenausschreibung in Regensburg aufmerksam. Löh bewarb sich – und war erfolgreich. Nicht alle akademischen Karrieren verlaufen so reibungslos. „Bei mir hat wirklich alles wie am Schnürchen geklappt“, sagt Löh. Die Stelle in Regensburg sei ein „Riesen-Glücksgriff“ gewesen, die Fakultät für Mathematik zeichne sich durch einen besonderen Zusammenhalt aus.

An ihrem Beruf gefällt ihr besonders die Kombination aus Lehre und Forschung. „Es ist schön zu sehen, wie die Studenten sich entwickeln und Fortschritte machen“, sagt Löh. Nicht für jeden Studienanfänger ist Mathematik allerdings das richtige Fach. „Nach dem ersten Semester hören viele auf“, sagt Löh. Das liege auch daran, dass die Inhalte des Matheunterrichts in der Schule sich immer stärker von denen im Studium unterscheiden würden. „An der Schule wird mehr gerechnet, da geht es darum, Kochrezepte zu beherrschen – an der Universität sind dagegen logisches Denken und Argumentieren gefragt“, so Löh.

„Quote löst die Probleme nicht“

Unter 15 regulären Professoren an der Fakultät für Mathematik ist Löh die einzige Frau. Von einer Frauenquote hält sie trotzdem nicht viel. „Damit löst man die eigentlichen Probleme nicht“, sagt sie. Mehr unbefristete Stellen unterhalb der Professur-Ebene würden die Karriereplanung im Hochschulbereich dagegen erleichtern und den Druck aus dem System nehmen.

In Fächern, in denen Frauen in der Mehrzahl seien, verlange umgekehrt niemand eine Männerquote. „Wenn man eine Quote einführt, dann bitte überall.“ Dass sich so wenige Mädchen für Naturwissenschaften und Technik interessieren, liege auch an dem Umfeld in dem sie aufwachsen, sagt Löh, selbst Mutter einer kleinen Tochter. „Über Kleidung und Spielzeug wird früh versucht, die Kinder in irgendeine Schublade zu stecken – hier etwas zu verändern würde viel mehr bringen als jede Quote“, ist Löh überzeugt.

Die Mathematikerin unterstützt das Projekt „MINT-Girls Regensburg“, bei dem Schülerinnen einen Marsroboter konstruieren. Generell sieht sie es aber kritisch, dass es immer mehr Angebote nur für Mädchen gibt. „Ein gemischtes Projekt mit Jungen und Mädchen fände ich besser.“

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht