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Regelungstechnik hat es ihr angetan

Birgit Rösel ist die einzige Professorin an der Fakultät für Elektro- und Informationstechnik der HS.R. Ihr Ziel: Auch Mädchen für Technik begeistern.
Von Louisa Knobloch, MZ

Dr. Birgit Rösel ist Professorin an der Fakultät Elektro- und Informationstechnik der Hochschule Regensburg. Foto: Knobloch

Regensburg. Für Birgit Rösel war früh klar, dass sie beruflich etwas Technisches machen wollte. Berührungsängste hatte sie nicht – ihr Vater war Physiker und bereits als Kind hatte sie ihm im Labor bei der Arbeit zugesehen. Dass Rösel aber einmal als einzige Professorin an der Fakultät für Elektro- und Informationstechnik der Hochschule Regensburg (HS.R) arbeiten würde, hätte sie sich nicht träumen lassen, als sie sich Ende der 1980er Jahre an der Universität Dresden für Elektrotechnik einschrieb. „Wir waren 50 Damen bei insgesamt 350 Studienanfängern im Fach“, erzählt sie. „Damals kam uns das wenig vor – heute träumen wir von so einer Quote.“

Die Kindheit ist entscheidend

Wenn Rösel an der HS.R eine Vorlesung zum Thema Antriebstechnik vor Maschinenbaustudenten hält, dann sitzen unter 60 Teilnehmern vielleicht drei Frauen. Maschinenbau und Elektrotechnik sind eben typische „Männerstudiengänge“. Wie tief diese Geschlechterklischees in der Gesellschaft nach wie vor verankert sind, erlebte Rösel, als sie ihre älteste Tochter im Kindergarten anmeldete. Die Puppenecke und die Küche seien dem Mädchen gezeigt worden. „Darauf fragte diese: Bausteine habt ihr nicht?“

So lange Mädchen in der Kindheit und frühen Jugend immer wieder bestärkt würden, dass Technik und Mathematik nichts für sie seien, werde sich auch an den Hochschulen nichts ändern, ist Rösel überzeugt. Deshalb engagiert sie sich für den Nachwuchs – zum Beispiel mit dem Projekt KiTec, bei dem Grundschulkinder an Technik herangeführt werden. Seit 2011 betreut sie außerdem die „TechnoMädels“, die in der First Lego League Roboter bauen und programmieren. Unterstützt wird Rösel dabei von ihrer Mentee im Mentoring-Programm der Hochschule, Ulrike Stumvoll.

Regelungstechnik, das Fach, das Rösel an der HS.R unterrichtet, gilt als besonders schwer. Leistung erwartet sie von all ihren Studenten – egal ob männlich oder weiblich. „Bei mir hat man es nicht leichter, wenn man eine Frau ist“, sagt sie. Eine Professorin vor sich zu haben, könnte für die Studentinnen aber motivierend sein. „Das beweist, dass es geht.“ Für die Studenten sei es zunächst ungewohnt gewesen, eine Dozentin vor sich zu haben. „Als ich das erste Mal reinkam, dachten manche scheinbar, ich mache hier nur sauber“, sagt Rösel.

Auch wenn ihr Anteil in technischen Fächern deutlich niedriger ist – insgesamt studieren in Deutschland fast so viele Frauen wie Männer. 47,3 Prozent aller Studierenden waren Angaben des Statistischen Bundesamtes zufolge im Jahr 2011 weiblich. Auch bei den Promotionen waren Frauen mit 44,9 Prozent noch stark vertreten. Der Einbruch kommt im weiteren Verlauf der akademischen Karriere: Bei den Habilitationen haben Frauen nur noch einen Anteil von 25,5 Prozent, bei den Professuren sind es nur rund 20 Prozent. Im Jahre 2012 gab es in Deutschland 8921 Professorinnen – aber 34 861 Professoren.

Eine der Ursachen: Die Promotion fällt zeitlich genau mit der Phase der Familiengründung zusammen. Viele Frauen entscheiden sich dann entweder für Kinder oder für die wissenschaftliche Karriere. Rösels Beispiel zeigt, dass man auch beides haben kann: Sie bekam während der Promotion ihr erstes Kind. „Eigentlich ist das ein guter Zeitpunkt“, findet sie. Man sei flexibel, könne auch von zuhause aus an der Doktorarbeit schreiben, während das Kind nebenan schlafe.

Nach der Promotion arbeitete Rösel einige Jahre für eine Firma in Regensburg. Eine damals absolvierte Zusatzqualifikation kommt ihr nun bei ihrer Tätigkeit als Professorin zugute: „Ich habe als Moderatorin Teams geschult – also hatte ich schon Erfahrung damit, vor Menschen zu stehen und zu reden.“ Auf die Idee, sich auf die Stelle an der Hochschule zu bewerben, brachte sie ein Bekannter. „Ich hatte zunächst Zweifel, ob ich gut genug bin“, erzählt Rösel. Diese falsche Bescheidenheit sei ein weiteres Hindernis, mit dem Frauen auf dem Weg zu Spitzenpositionen zu kämpfen hätten.

Dass sie eine solche Stelle in Regensburg bekommen habe, sei „wie ein Sechser im Lotto“ gewesen. Denn eine Professur anzunehmen, bedeutet in vielen Fällen, mit der Familie umzuziehen oder weite Pendelstrecken auf sich zu nehmen. Auch das ist ein Grund, der Frauen von einem solchen Karriereschritt oft abhält.

„Eine Frauenquote bringt nichts“

Seit genau einem Jahr ist Rösel nun Professorin. Besonders gut gefällt ihr die selbstbestimmte Arbeitsweise. Die relativ freie Zeiteinteilung sei für Frauen mit Kindern eigentlich ideal, findet sie. Dennoch ist sie bislang eine Ausnahme. Von einer Frauenquote hält Rösel aber nichts. „Man kann ja niemanden zwingen, ein technisches Fach zu studieren oder nach dem Abschluss zu promovieren.“ Wirklich ändern ließe sich die Situation nur langsam, über Generationen hinweg. „Wir müssen endlich aufhören, den Mädchen im Kindergarten zu sagen: Technik ist nichts für euch.“ Ihre eigene Tochter ist den Bausteinen längst entwachsen. Im Wintersemester beginnt sie ihr Studium an der Uni Erlangen-Nürnberg: Maschinenbau.

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