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Hochschule
Samstag, 18. November 2017 5

Festival

Talent hin, Können her: Nur die Leidenschaft zählt

An der Universität trafen sich Freunde lateinamerikanischer Rhythmen zum zweiten Salsa-Camp. Drei Tage tanzten Amateure und Profis gemeinsam.
Von Roxana Seiler, MZ

  • Bei Fred und Joanna brodelt Tanzleidenschaft
  • Tanzlehrer Sebastian Cieslik zeigt den Workshopteilnehmern eine Drehung.
  • Feurige Flamenco made in Regensburg: Die Gruppe „Los Floreos“ macht es vor. Fotos: Seiler

Regensburg. „Ein kleiner Kreis, kein Ei und auch kein PKW – also nicht kurbeln!“ lautet Michaels Anweisung. In seiner Hand, die er über seinem Kopf hält, ruhen die Finger von Partnerin Sabine, die sich scheinbar mühelos von Michael zu einigen Drehungen führen lässt. Denn „die Drehungen haben nichts mit Kraft zu tun, gebt nur leichte Impulse, die Frau dreht von allein“, instruiert Michael weiter. Mit zum Teil noch etwas ratlosem Gesichtsausdruck probieren nun auch die anderen Paare ihr Glück mit den „Spins and Turns“, Sabine und Michael geben Tipps. Es ist der erste Abend des zweiten Regensburger Uni-Salsa-Camps, das Liebhaber des lateinamerikanischen Tanzes aus der ganzen Welt zusammenbringt. Sabine und Michael gehören zu „FreekySalsa“ aus Göttingen und sorgen bei ihrem Kurs dafür, dass beim Tanzen alles „rund“ läuft.

Gegenseitiges Geben und Nehmen

Die Musik klingt nach stickiger Tropenluft und langen Nächten, Frauen in flatternden Kleidchen und Männern in engen Tanzhosen. Einige Takte später sitzen nicht nur die ersten Übungen schon ganz gut, auch die Atmosphäre in der Mensa hat sich verändert. Nun herrscht heiße Schwüle, die die kalte Novembernacht draußen schnell vergessen macht. Die geschmeidigen Hüftbewegungen können Studenten schon länger beim Hochschulsport in den Hallen der Universität erlernen, ein Festival wie das Salsa-Camp gibt es jedoch erst seit 2010. Da initiierte die Regensburger Salsa-Größe und Sportlehrkraft an der Uni, Haiko Schlesmann, gemeinsam mit dem Leiter des Hochschulsports, Dr. Christoph Kößler, zum ersten Mal das Treffen. Weltweit finden Salsa-Kongresse statt, doch die Uni-Veranstaltung ist zumindest in Deutschland einmalig. Und noch eine Besonderheit macht das Festival aus: „Die Veranstaltung funktioniert auf Low-Budget-Ebene, durch ein Geben und Nehmen von den Trainern“, erklären die beiden Organisatoren. Niemand erhält große Gagen, daher sind die Eintrittspreise sehr niedrig.

Im Gegenzug können sich die Tanzlehrer Anregungen aus der ganzen Welt holen. Auch die Tanzbegeisterten Amateure schnuppern in verschiedenste Stile hinein. Und da gibt es wirklich eine ganze Menge zu entdecken. Salsa kann man nämlich nicht nur mit einer Vielzahl von Schritten tanzen, die Stile unterscheiden sich auch dadurch, ob die Tänzer beim ersten oder zweiten Taktschlag loslegen. Ob „Partnerwork“ oder „Freestyle“-Figuren geübt werden, jeden Tag stehen acht Stunden lang schweißtreibende Workshops auf dem Programm. Die neuerworbenen Künste kann man dann auf den drei abendlichen Partys gleich vertiefen. Da ist Muskelkater vorprogrammiert.

Einflüsse aus Hip-Hop und Reggae

„Ich habe lieber flache Schuhe an, sonst übersteht man das Wochenende nicht“, meint die junge Wahl-Regensburgerin Simone während einer kurzen Verschnaufpause. Sie hat schon vor über zwei Jahren Salsatanzen gelernt und vor kurzem ihren Freund Hannes überzeugt, mitzutanzen. Neben „Partnerwork“ wollen die beiden auch Bachata und Reggaeton ausprobieren. Bachata ist ein anderer Tanz, der zusammen mit Merengue oft bei Salsapartys gespielt wird. Reggaeton hingegen bezeichnet eine Richtung mit Einflüssen aus dem Hip-Hop sowie Reggae, die auch bei DJs und Discobesuchern außerhalb der Salsa-Szene beliebt ist.

Als später das Licht heruntergedreht wird und die Party in der Mensa beginnt, werden all diese Stilformen lebendig. Kaum beginnt das erste Musikstück, füllt sich auch schon die Tanzfläche. Dabei ist jeder willkommen, der Salsa liebt. Denn ob die Pärchen atemberaubende Figuren in ihre Bewegungen einbauen oder gerade erst ihr Talent entdeckt haben, ist egal, was zählt, ist die Leidenschaft am Tanzen. Damit die noch so richtig angeheizt wird, zeigen zudem Profitänzer in Showeinlagen, wie es aussehen kann, wenn man Salsa jahrelang bis zur Perfektion trainiert hat.

Rote Sticker und keine Körbe

Die Männer wirbeln ihre Partnerinnen über ihren Köpfen durch die Luft, dass den Zuschauern schwindelig werden kann. Dabei zeigen die Tänzer ganz viel Haut. Weit weniger rasant, aber nicht minder ausdrucksstark zeigt sich der Flamenco der Regensburger Gruppe „Los Floreos“.

Bestens inspiriert können sich die Partytänzer wieder selbst auf das Parkett wagen. Dank kleiner Aufkleber in Neon-Orange finden auch diejenigen schnell einen Partner, die allein zur Party gekommen sind. „Dance with me“ steht auf den Stickern und die Träger halten sich an das ungeschriebene Gebot, keine Körbe zu verteilen. Wer an diesem Wochenende Feuer gefangen hat, kann sich nun bereits für das nächste Camp anmelden.

In einem Jahr holt die Universität wieder lateinamerikanisches Lebensgefühl und heiße Rhythmen nach Regensburg und lädt zur dritten Salsa-Party ein. Spätestens dann wird sich zeigen, ob die Herren der Schöpfung Michaels Tipps zur Führung beherzigt haben.

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