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Freitag, 15. Dezember 2017 3

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Voller Einsatz für Naturwissenschaften

Anja Göhring ist eine von nur zwei Professorinnen an der Fakultät für Physik der Uni Regensburg. Hier baut sie mit NWT ein neues Didaktikfach auf.
Von Louisa Knobloch, MZ

  • Prof. Dr. Anja Göhring im NWT-Lernlabor an der Uni Regensburg: Hier können die Lehramtsstudierenden mit Schülern arbeiten. Foto: Knobloch
  • Prof. Dr. Anja Göhring im NWT-Lernlabor: Hier findet sich alles, was angehende Lehrer für naturwissenschaftlichen Unterricht so brauchen – vom Bunsenbrenner bis zum Augenmodell. Foto: Knobloch

Regensburg. Im NWT-Lernlabor an der Fakultät für Physik der Universität Regensburg findet sich alles, was angehende Lehrer für naturwissenschaftlichen Unterricht so brauchen – vom Bunsenbrenner bis zum Augenmodell. An drei Vormittagen in der Woche kommen Grund- und Mittelschulklassen in das Labor, für die je zwei Lehramtsstudenten ein spezielles Lernangebot entwickeln. Die Arbeit mit den Schülern im Lernlabor ist Teil der Ausbildung in einem bayernweit einzigartigen Didaktikfach – Naturwissenschaft und Technik, kurz NWT.

Zuständig für den Aufbau des neuen Didaktikfachs ist seit 2008 Prof. Dr. Anja Göhring. Die Universität wolle damit auf eine veränderte Schulrealität reagieren, sagt sie. „Im Grund- und Mittelschulbereich werden Lehrkräfte oft nur in einer einzigen Naturwissenschaft ausgebildet – die meisten wählen Biologie.“ An den Schulen werden die Naturwissenschaften in der Regel aber integriert unterrichtet: an der Grundschule als Sachunterricht, an der Mittelschule als Fächerverbund PCB (Physik/Chemie/Biologie). Ein Lehrer, der beispielsweise Biologie studiert hat, muss also auch elektronische Schaltungen mit Neuntklässlern erarbeiten und bauen können.

Studenten nehmen das Fach gut an

Daher hat die Universität Regensburg 2006 eine Zielvereinbarung mit dem Bayerischen Wissenschaftsministerium geschlossen und zum Wintersemester 2009/10 das neue Didaktikfach eingeführt. „NWT wird von den Studierenden gut angenommen“, sagt Göhring. „Pro Jahr beginnen durchschnittlich 90 bis 100 Studierende, die wir in Biologie, Physik und Chemie gleichermaßen ausbilden.“ Im Mittelpunkt stehen fächerübergreifende Themen und anwendungsbezogene Inhalte; fachwissenschaftliche und fachdidaktische Aspekte werden bei dem Modellversuch eng verzahnt.

Göhring hat an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg Physik und als Nebenfächer Mathematik und Musik studiert. „Ich habe mich von Kindheit an für technische Dinge interessiert“, erzählt die junge Frau. Auch mit Menschen wollte sie beruflich gerne zu tun haben – Lehramt Physik war die ideale Kombination. Nach dem Studium arbeitete sie einige Jahre als Lehrerin an einer Schule in Tübingen und promovierte 2009 mit einer Arbeit über „Selbstbestimmtes Lernen im naturwissenschaftlichen Unterricht“. Zu diesem Zeitpunkt hatte Göhring bereits mit dem Aufbau des Modellversuchs NWT an der Universität Regensburg begonnen. 2011 wurde sie auf eine Juniorprofessur berufen – sie ist damit eine von nur zwei Professorinnen an der Fakultät für Physik. Dieses Geschlechterverhältnis sei sie bereits aus dem Studium gewohnt, sagt Göhring. Von einer – immer wieder geforderten – Frauenquote in der Wissenschaft hält sie dennoch nichts. „Man kann Frauen nicht dazu zwingen, Naturwissenschaften zu studieren“, sagt sie.

„Wir brauchen kompetente Lehrer“

Aber man könne an einem ganz entscheidenden Hebel ansetzen: der Lehrerausbildung. „Wir brauchen kompetente Lehrer, die guten naturwissenschaftlichen Unterricht machen, damit die Kinder und Jugendlichen ein Interesse für Naturwissenschaften entwickeln.“ Die zentrale Bedeutung der Lehrperson werde durch Studien regelmäßig belegt. „Um die angehenden Lehrer mit den erforderlichen Kompetenzen auszustatten, legen wir sowohl großen Wert auf die Erarbeitung der wissenschaftlichen Studieninhalte als auch auf den Transfer zur Schulpraxis und deren wissenschaftsbasierte Reflexion“, sagt Göhring. Sie hofft nun, dass das Fach Naturwissenschaft und Technik dauerhaft etabliert wird. Damit würde man dem Ziel, auch Mädchen stärker für Naturwissenschaften zu interessieren, wohl einen Schritt näher kommen. Für ein anderes Ziel – die Vereinbarkeit von Beruf und Familie – bleibt dagegen noch einiges zu tun. „In den vergangenen fünf Jahren war ich quasi rund um die Uhr mit dem Aufbau des Modellversuchs beschäftigt“, sagt Göhring. An Familie sei da nicht zu denken gewesen.

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