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Zwischen Lehre und beruflicher Praxis

Roswitha Giedl-Wagner ist Professorin an der TH Deggendorf und zudem in der Laserbearbeitung tätig. Technik hat sie schon als Kind fasziniert.
Von Louisa Knobloch, MZ

Prof. Dr. Roswitha Giedl-Wagner vor einem Perthometer: Mit diesem Gerät kann man die Rauheit von Oberflächen messen. Foto: Knobloch

Deggendorf. Als Roswitha Giedl-Wagner 1985 beim Fernmeldeamt in Regensburg ihre Ausbildung zur Elektromechanikerin begann, war das eine Premiere: „Ich war das erste Mädchen in diesem Ausbildungszweig“, sagt sie. Schon als Kind hatte sich die junge Frau aus dem Landkreis Schwandorf für Technik interessiert und gerne mit dem Konstruktions-Baukasten ihres Bruders gespielt. In der Schule fand sie dann Fächer wie Mathe und Physik viel interessanter als etwa Deutsch. „Textinterpretationen waren eine Qual“, erinnert sich Giedl-Wagner.

Nur wenige Frauen im Studiengang

Nach dem Abitur und der abgeschlossenen Ausbildung schrieb sie sich an der damaligen Fachhochschule Regensburg für ein Elektrotechnik-Studium mit Schwerpunkt Nachrichtentechnik ein. „Die Erfahrungen aus der Ausbildung haben mir im Studium sehr geholfen“, sagt sie. Frauen gab es in dem Studiengang allerdings nur wenige. „In meinem Semester waren wir zu zweit“, sagt Giedl-Wagner. Ein paar Professoren hätten die Studentinnen gerne aufs Korn genommen, erzählt sie. „Ein Professor war sehr überrascht, dass eine Studentin in seiner Prüfung eine Zwei hatte.“ Doch davon ließ sich Roswitha Giedl-Wagner nicht einschüchtern. Im Gegenteil: „Im Laufe des Studiums habe ich gemerkt, dass mir das noch nicht reicht und ich weiter wissenschaftlich arbeiten möchte.“

Über ein Austauschprogramm der Hochschule ging sie 1993 nach England und begann ein Masterstudium an der University of Hull. Nach einem Jahr konnte sie in ein PhD-Programm wechseln. „An der Universität war ein Excimerlaser im Einsatz – die waren damals noch nicht sehr verbreitet“, sagt Giedl-Wagner. Ein solcher Laser erzeugt elektromagnetische Strahlung im ultravioletten Wellenlängenbereich. In dem Projekt diente der Laser dazu, Beugungsgitter zu erzeugen, die dann in Glasfaser eingebracht wurden.

Nach drei Jahren in England kehrte Giedl-Wagner 1996 nach Deutschland zurück und begann im Projektmanagement bei dem Telekommunikationsunternehmen Alcatel in Ludwigsburg zu arbeiten. „Dort habe ich den Aufbau des Mobilfunknetzes in Osteuropa mitbetreut“, sagt Giedl-Wagner.

Inzwischen hatte sie geheiratet – ihr Mann hatte ebenfalls in Regensburg Elektrotechnik studiert, allerdings ein Jahr vor ihr, und seither in England, den USA und Deutschland gearbeitet. 1999 wechselten beide zu einem Automobilzulieferer nach Deggendorf. „Dort war ich in der Prozessentwicklung tätig – wir haben uns mit Lasertechnik für Einspritzbohrungen beschäftigt“, erzählt sie. Die Firma, eine Ausgründung der Hochschule Deggendorf, wurde kurz darauf von der Delphi Automotive Systems gekauft. Seit 2005 arbeitet Giedl-Wagner bei der GFH GmbH, ebenfalls eine Ausgründung der Hochschule. Hier ist sie im Bereich Laserapplikationsentwicklung tätig. Geleitet wurde die Firma von dem Deggendorfer Professor Dr. Hans Joachim Helml. Als dieser sein Lehrdeputat reduzierte, bewarb sich Giedl-Wagner auf die somit frei werdende halbe Stelle – mit Erfolg. Seit 2006 ist sie nun Professorin an der Fakultät Maschinenbau und Mechatronik der Hochschule Deggendorf – allerdings in Teilzeit und befristet. Daneben ist sie immer noch für die GFH GmbH tätig. Die Mischung gefällt ihr. „In der Laserbearbeitung ändert sich fast jährlich etwas – da ist es gut, nah an der Praxis zu sein.“ Bisweilen sei es aber schwierig, Termine zu koordinieren. Manchmal nimmt sie ihre Studierenden mit in die Firma, damit diese die Verfahren der Laserbearbeitung in der Praxis kennenlernen. Studentinnen sind auch heute noch selten.

„Rollenbilder sind tief verankert“

„Im Wirtschaftsingenieurwesen ist der Frauenanteil höher, aber in Mechatronik und Maschinenbau liegt er bei acht Prozent“, sagt Giedl-Wagner. Zwar werde mittlerweile viel für die Frauenförderung im MINT-Bereich getan – an der Hochschule Deggendorf gibt es etwa ein Forscherinnen-Camp –, aber im Unterbewusstsein seien die Geschlechterklischees noch tief verankert. „Für Grundschullehrer ist klar, dass Mädchen gut lesen und Jungs gut rechnen“, sagt Giedl-Wagner, selbst Mutter eines Sohns. Ihre eigenen Eltern würden sich noch heute über ihr technisches Interesse wundern. Von einer Frauenquote hält die Professorin dennoch nicht viel, weil sie befürchtet, dass Frauen, die Karriere machen, dann automatisch als Quotenfrauen abgestempelt werden. „Aber ohne Quote tut sich offenbar nichts.“

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