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Sonntag, 31. Juli 2016 28° 8

Unternehmen

Beutlhauser-Gruppe arbeitet sich hoch

Das Passauer Unternehmen zählt zu den Top Ten der deutschen Investitionsgüterhändler – mit einem starken Standort Oberpfalz.
Von Christine Hochreiter, MZ

Das Geschäftsführer-Trio in der Beutlhauser-„Traktoria“: Oliver Sowa, Dr. Thomas Burgstaller und Matthias BurgstallerFoto. Gabi Schönberger

Passau.Die Beutlhauser-Gruppe arbeitet sich immer weiter hoch. Mit rund 850 Mitarbeitern an 21  Standorten und einem Umsatz von 255 Millionen Euro zählt das Traditionsunternehmen aus Niederbayern inzwischen zu den Top Ten der deutschen Maschinenhändler, -vermieter und -servicedienstleister. Durch exklusive Partnerschaften mit marktführenden Herstellern werden Baumaschinen, Baugeräte, Flurförderzeuge (Stapler- und Lagertechnik) Kommunal- und Agrartechnik verkauft und vermietet. Seit den 1990er Jahren wächst der Mittelständler mit Sitz in Passau rasant. Der Umsatz wurde seitdem um das Zehnfache, die Anzahl der Mitarbeiter um das Zwanzigfache gesteigert.

Für das laufende Jahr plant die Geschäftsführung einen Umsatz von 285 Millionen Euro, sagt Dr. Thomas Burgstaller im Gepräch mit der MZ. Er führt das Unternehmen gemeinsammit seinem Bruder Matthias sowie Oliver Sowa. Die Gruppe expandiert auch durch Übernahmen. Im April kaufte Beutlhauser den Liebherr Baumaschinenhändler-Kollegen Gebr. Frank GmbH aus Meckenheim bei Bonn – mit 66 Mitarbeitern an vier Standorten und einem Jahresumsatz von 20 Millionen Euro. Für das Unternehmen bedeutet diese Akquisition eine geographische Erweiterung in Richtung Nordwesten.

Drei Standbeine für den Erfolg

Baumaschinen sind immer noch das wichtigste Standbein des Unternehmens. Foto: Schönberger

Der Unternehmenserfolg steht auf drei Standbeinen: Baumaschinen und -geräte, Flurförderzeuge sowie Kommunal- und Agrartechnik. Und das hat einen guten Grund. Das Baugeschäft ist traditionell starken Schwankungen unterworfen. Mit zwei weiteren Standbeinen sollen diese abgemildert werden. Aktuell trägt der Geschäftsbereich mehr als die Hälfte des Umsatzes bei. „Auf drei Beinen steht man sicherer“, so Thomas Burgstaller. Allerdings ist man bei der Beutlhauser-Gruppe fest davon überzeugt, dass der Boom am Bau „noch einige Jahre“ anhalten wird. Alle zentralen Dienste des Unternehmens sind in Passau angesiedelt. An den mehr als 20 Standorten sollen sich die Mitarbeiter um die Kunden kümmern – verkaufen, vermieten und den Service managen. Die Niederbayern sind auch in der Oberpfalz stark vertreten. In der Niederlassung Regensburg beschäftigt die Gruppe rund 60 Mitarbeiter. In Hagelstadt im Landkreis Regensburg sind es weitere 170 Beschäftigte. An beiden Standorten setzen die Niederbayern laut Matthias Burgstaller derzeit rund 100 Millionen Euro um.

In Hagelstadt wollen die Passauer nun kräftig investieren. Der ehemalige Bassewitz-Standort wird für etwa drei Millionen Euro ausgebaut – mit Blick auf das Kommunaltechnik- und Flurförderzeugegeschäft in der Oberpfalz und Niederbayern. Letzteres konnte seinen Anteil gegenüber den Vorjahren kontinuierlich auf rund ein Drittel des Gesamtumsatzes der Beutlhauser-Gruppe steigern. Immer mehr große Firmen wie beispielsweise der Automobilhersteller BMW lagern ihre Logistik aus. Die beauftragten Logistiker wie Kühne und Nagel wiederum sind Kunden bei der Beutlhauser-Gruppe. Die Geschäftsführer rechnen künftig mit einem nachhaltigen Wachstum im Staplerbereich.

Doch das Geschäft des Familienunternehmens beschränkt sich nicht auf das Inland. Die Beutlhauser-Gruppe begleitet Kunden durchaus auch bei deren Auslandsaktivitäten. Und ihre Gebrauchtmaschinen bietet sie sogar global an. Pro Jahr verkaufen die Passauer über 1000 Maschinen, Fahrzeuge und Geräte in alle Regionen der Welt.

Eine neue Firmenphilosophie

Im Museum Traktoria sind 50 historische Exponate des Seniorchefs versammelt. Foto: Schönberger

Das rasante Wachstum der Gruppe hat Auswirkungen auf die Firmenkultur. Thomas Burgstaller zufolge hat das Unternehmen 2008 einen radikalen Veränderungsprozess eingeleitet. „Uns war klar, dass sich die inneren Strukturen und unsere Kultur mit-wandeln müssen und wir haben eine Vision erarbeitet.“ Die Geschäftsführung rückte 80 Führungskräfte in den Fokus, um mit ihnen als Multiplikatoren die Firmenphilosophie „jenseits der operativen Hektik“ neu zu prägen. Matthias Burgstaller: „Nur durch die Menschen – unsere Mitarbeiter – unterscheiden wir uns von der Konkurrenz. Das müssen wir vermitteln und mit Begeisterung leben.“ Das bedeute: „Wir müssen mehr miteinander reden, mehr kommunizieren und mehr informieren.“

Der Geschäftserfolg entscheide sich heute auch über Servicenähe und -intensität, sagt Thomas Burgstaller. Um diese zu gewährleisten, seien für das Unternehmen knapp 500 Mitarbeiter im Service beschäftigt. Ein gut qualifizierter Nachwuchs ist auch für die Passauer wichtig. Seit Jahren hält man die Ausbildungsquote bei zehn Prozent. Und man versuche verstärkt, Kinder früh für Technik zu begeistern. Auch am Standort Hagelstadt will Beutlhauser laut Sowa künftig mit zwei Schulen zusammenarbeiten und berichtet: „Wir haben extrem gute Erfahrungen gemacht, wenn es darum geht, Kinder an Technik heranzuführen.“

Personalplanung wurde längst als ein strategisches Zukunftsthema identifiziert – mit einer eigenen Stabsstelle für Personalentwicklung. Der Geschäftsführer: „Um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern, braucht man einen klaren Plan.“ Das bedeute auch entsprechende Investitionen in Aus- und Weiterbildung.

Ein eigenes Technik-Museum

Für Kundenbesuche und Schulungen soll künftig auch die sogenannte Traktoria genutzt werden, das 2014 eröffnete Beutlhauser Museum & Forum. Die Ausstellung umfasst 50 von Seniorchef Gisbert Burgstaller gesammelte Exponate: Fahrzeuge und Anbaugeräte aus über 100 Jahren Land- und Baumaschinentechnik.

A propos Zukunft: Die Passauer gehen jedes Jahr mit rund 40 Millionen Euro in Vorleistung, um am Markt erfolgreich zu sein. Thomas Burgstaller: „Ein Kleiner könnte solche nötigen Investitionen überhaupt nicht mehr stemmen.“ Der Branchentrend gehe hin zu größeren Einheiten. Allein in den Miet-Fuhrpark fließe jährlich ein zweistelliger Millionenbetrag. Und für das Gebrauchtmaschinen-Geschäft müsse man global aufgestellt sein.

Meilensteine des Unternehmens

  • 1898:

    Carl Beutlhauser gründete im niederbayerischen Pfarrkirchen ein Eisenwarenhandelsgeschäft.

  • 1919:

    Die Firma wurde nach Passau verlegt. Inzwischen handelte Beutlhauser vorwiegend mit landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten.

  • 1965:

    Die dritte Generation unter der Leitung von Gisbert Burgstaller schuf mit dem Vertrieb und Service von Baumaschinen ein neues Standbein.

  • 1988:

    Mit Dr. Thomas Burgstaller stieg die vierte Generation in das niederbayerische Familienunternehmen ein.

  • 1990/91:

    Niederlassungen in Dresden und Cottbus wurden ins Leben gerufen.

  • 1992:

    Das Unternehmen übertraf die 100-Millionen-DM-Marke und beschäftigte 183 Mitarbeiter.

  • 1993:

    Matthias Burgstaller folgte seinem Bruder ins Unternehmen.

  • 2003:

    Die Gruppe erzielte mit über 500 Mitarbeitern einen Umsatz von gut 100 Millionen Euro. Sie übernahm Bassewitz in Hagelstadt (Kreis Regensburg).

  • 2014:

    Beutlhauser hatte 850 Mitarbeiter an 21 Standorten und erzielte einen Umsatz von 255 Millionen Euro. (ti)

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