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Freitag, 27. Mai 2016 26° 3

Finanzen

Chinas Währung in der Champions League

Der IWF nimmt den Yuan als fünfte Währung in den Welt-Währungskorb auf. Doch was bedeutet das? Hier einige Antworten
Von Jörn Petring und Michael Donhauser, dpa

Es gibt Experten, die in dem Schritt des Internationalen Währungsfonds eine Zeitenwende und damit das Ende der Dominanz des US-Dollars sehen. Foto: afp

Was bedeutet die Aufnahme des Yuan konkret?

Mit der weithin erwarteten Entscheidung des Exekutivrates des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird der Yuan die fünfte Weltreservewährung. Die Währungen des IWF-Währungskorbes bilden zusammen – entsprechend einer bestimmten Gewichtung – eine Art Kunstwährung, die sogenannten Sonderziehungsrechte (SZR). Diese wird an keiner Börse gehandelt, dient dem Währungsfonds aber als Berechnungsgrundlage, etwa für internationale Finanzhilfen. Alle IWF-Mitglieder halten einen gewissen Teil ihrer Währungsreserven in Form von SZR – und können damit auch untereinander Forderungen begleichen.

Wie stark wird wird das Gewicht der chinesischen Währung?

Bei der Gewichtung geht die Aufnahme des Yuan zulasten der anderen vier Währungen – vor allem des Euro und des Pfunds. Nach der neuen Gewichtung sind von Oktober 2016 an die Währungen folgendermaßen im IWF-Währungskorb repräsentiert. Dollar: 41,73 (bisher: 41,9) Prozent, Euro: 30,93 (37,4) Prozent, Yuan: 10,92 (0,00) Prozent, Yen: 8,33 (9,4) Prozent sowie Pfund: 8,09 (11,3) Prozent. Die Gewichtungen werden üblicherweise im Fünf-Jahres-Takt überprüft.

Wird es ruckartige Veränderungen an den internationalen Finanzmärkten geben?

Nein. Es gibt Experten, die in dem Schritt des Internationalen Währungsfonds eine Zeitenwende und damit das Ende der Dominanz des US-Dollars sehen. Sollte dies tatsächlich eintreten, wird es zumindest nicht schnell gehen. Schon jetzt buhlen internationale Finanzmärkte darum, Handelszentrum für den Yuan zu werden, etwa London und Frankfurt. In der Londoner City gehören Chinesisch-Kurse schon seit geraumer Zeit zu den am meisten nachgefragten Fremdsprachen-Unterrichtsformen. Mit der IWF-Entscheidung wird den Chinesen indes schon heute attestiert, dass ihre Währung faktisch bereits breit an den internationalen Märkten kursiert.

Wie will China den Yuan zur Weltwährung machen?

Ähnlich wie im globalen Handel verfolgt China auch auf den Finanzmärkten das Ziel, den USA ihre Vormachtstellung streitig zu machen. Den Aufbau des Yuan zu einem ernstzunehmenden Dollar-Konkurrenten treibt Peking deshalb schon seit Jahren generalstabsmäßig voran. Seit 2009 hat die Volksrepublik mehr als 30 sogenannte Swap-Abkommen mit Nationen vor allem in Asien und Afrika geschlossen, mit denen sie nun ihren Handel direkt in den Landeswährungen abwickeln kann.

Wie wichtig ist der Yuan bisher für den globalen Zahlungsverkehr?

In den vergangenen Jahren hat die Währung eine rasante Aufholjagd hingelegt: Im August 2012 lag der Yuan noch auf Platz zwölf der globalen Zahlungsmittel. Mittlerweile schafft er es bereits auf Platz vier der international am meisten gehandelten Währungen, noch vor dem japanischen Yen. Im Vergleich zum Top-Trio ist der Yuan allerdings noch immer ein Zwerg: Zuletzt wurden 2,79 Prozent der internationalen Zahlungen in Yuan abgewickelt – gegenüber 44,8 Prozent in Dollar, 27,2 Prozent in Euro sowie 8,5 Prozent mit dem britischen Pfund.

Was fehlt dem Yuan noch für den großen Durchbruch?

Damit der Yuan tatsächlich eines Tages auf Augenhöhe mit dem US-Dollar agieren kann, sind in China noch viele Reformen notwendig. Genau wie der Dollar und der Euro muss auch der Yuan völlig frei handelbar sein. Das ist bisher nur bedingt der Fall. Wie sehr der Kurs der Währung schwanken darf, darüber entscheidet zu einem großen Teil noch immer der Staat und nicht der freie Markt. Allerdings hat Peking angekündigt, das ändern zu wollen. Einige Experten gehen davon aus, dass China schon im nächsten Fünf-Jahresplan, der 2016 in Kraft tritt, einen komplett freien Handel des Yuan festlegen könnte.

Bringt ein frei handelbarer Yuan auch Risiken mit sich?

Für Chinas Wirtschaft schon. Sollten internationale Investoren nach einer Freigabe des Yuan massiv auf eine steigende Währung spekulieren, könnten so in kürzester Zeit riesige Mengen Geld ins Land fließen, was die Gefahr von Spekulationsblasen erhöhen würde. Andererseits könnte ein frei konvertibler Yuan auch dazu führen, dass aus Sorge um die chinesische Wirtschaft große Mengen Kapital aus dem Land abfließen. Auch das würde der Wirtschaft schaden.

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