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Wirtschaft
Mittwoch, 27. Juli 2016 28° 8

Konjunktur

Der Boom am deutschen Jobmarkt hält an

Den Unternehmen gehen Mitarbeiter und Fachkräfte aus. Im kommenden Jahr setzen sie daher verstärkt auch auf Flüchtlinge.
Von Christine Hochreiter, MZ

Das Jobwunder am deutschen Arbeitsmarkt sollte sich auch 2016 fortsetzen. Foto: dpa

Die deutsche Wirtschaft strotzt vor Kraft. Trotz großer globaler Herausforderungen läuft der Konjunkturmotor rund. Die Reallöhne der Tarif-Beschäftigten steigen und die Lage auf dem Jobmarkt ist so gut wie lange nicht. Im November waren nur noch gut 2,6 Millionen Menschen arbeitslos – das bedeutet eine Quote von sechs Prozent. Dieser Wert war nur 1990 – unmittelbar nach der Wiedervereinigung – niedriger.

Auch in Ostbayern hat sich der Arbeitsmarkt erfreulich entwickelt – gerade in der Oberpfalz. Die Region weist mit 2,8 Prozent die niedrigste Quote auf, die bislang für einen bayerischen Regierungsbezirk gemessen wurde. Laut Prof. Joachim Möller, Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg, ist das ein Indiz für die Stärke der regionalen Wirtschaft mit gut funktionierenden Clustern. Die Unternehmen können auf hervorragend ausgebildete und motivierte Fachkräfte zurückgreifen. Es zahlt sich überdies aus, dass der Freistaat ein Netz von Hochschulen abseits der großen Zentren wie München und Nürnberg aufgebaut hat.

Erfahrung, aber kein Abschluss

In Deutschland suchen derzeit viele Unternehmen nach neuen Mitarbeitern. Besonders gefragt sind Arbeitskräfte unter anderem in den Branchen Verkehr und Logistik, in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik, im Metallbereich, der Mechatronik sowie in Gesundheits- und Pflegeberufen.

Aus Erfahrung wissen wir: Einheimische brauchen sich wegen der Flüchtlinge nicht um ihre Arbeitsplätze zu sorgen.

Prof. Joachim Möller, Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)

In Boomregionen wie Regensburg bringt die Binnenwanderung etwas Entlastung. Das bedeutet, wegen der guten wirtschaftlichen Entwicklung gibt es Zuzüge aus anderen Teilen der Republik. Auf mittlere Sicht können auch die meist relativ jungen Flüchtlinge den Fachkräftemangel abmildern. Das wird laut Möller aber nicht heute oder morgen, sondern in vielen Fällen erst übermorgen eintreten. Mangelnde Deutsch-Kenntnisse sind häufig eine große Hürde.

Oft ist auch schwer einschätzbar, welche Voraussetzungen die Neuangekommenen für einen Job in Deutschland mitbringen. Das IAB geht davon aus, dass nur ein geringer Teil von ihnen eine Berufsausbildung absolviert hat. Viele haben zwar Berufserfahrung, aber keinen Abschluss. Daher dürften sie sich nur schrittweise in den Arbeitsmarkt integrieren lassen.

Rahmenbedingungen sind gut

Experten erwarten dennoch, dass das deutsche Jobwunder auch 2016 anhält. Möller: „Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung erklimmt eine Rekordhöhe nach der anderen.“ Vor diesem Hintergrund sind auch die Rahmenbedingungen für die Integration von Flüchtlingen aktuell sehr gut. Der Königsweg dürfte eine möglichst frühe Integration in einen Betriebsalltag sein, die mit einer gleichzeitigen Qualifizierung oder Nachqualifizierung verbunden ist.

Integration – auch in eine Beschäftigung – braucht Zeit. Deshalb sollte es 2016 einen leichten, aber keineswegs dramatischen Anstieg der Arbeitslosigkeit geben. Möller beschwichtigt Befürchtungen: „Aus Erfahrung wissen wir: Einheimische brauchen sich wegen der Flüchtlinge nicht um ihre Arbeitsplätze zu sorgen.“ In einigen Bereichen, etwa im Bausektor oder im Bildungsbereich, entstehen durch die Flüchtlinge sogar viele neue Jobs.

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