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Wirtschaft
Mittwoch, 24. August 2016 30° 1

Jubiläum

Der Weltkonzern BMW wird 100 Jahre alt

Am 7. März feiert das Unternehmen seine Gründung. Die spannendsten Fragen will Vorstandschef Krüger später beantworten.
Von Roland Losch, dpa

Vom mittelständischen Hersteller von Flugzeugmotoren hat sich BMW zu einem der größten Autokonzerne entwickelt. Foto: Sven Hoppe/dpa

München.Das weiß-blaue Logo auf jedem BMW erinnert noch heute an die Anfänge. Vor 100 Jahren, am 7. März 1916, wurden die Bayerischen Flugzeugwerke gegründet. Später benannte man sie in Bayerische Motorenwerke um - mit dem Propeller als Firmensymbol.

Heute ist BMW mit 116 000 Mitarbeitern und über 80 Milliarden Euro Umsatz einer der größten deutschen Konzerne. Mitte März will Vorstandschef Harald Krüger mit der Bilanz die neue Strategie vorstellen und erklären, wohin die Reise in den nächsten zehn Jahren geht. Zuvor aber ist erst einmal Feiern angesagt.

In der Oberklasse die Nummer eins

Vorkriegsmodelle von BMW: der „Dixi“, der 3003 und der 326 (v. li.). Foto: BMW/dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die beiden Großaktionäre Susanne Klatten und Stefan Quandt sowie 2000 Mitarbeiter, Autohändler und Partner sind am Montag (7.3.) zur Jubiläumsfeier in der Münchner Olympiahalle eingeladen. In den weltweit 30 BMW-Werken – darunter auch in Regensburg - sollen die Bänder um 14 Uhr stillstehen, damit sich die Beschäftigten die Übertragung anschauen können - von Shenyang in China bis Spartanburg in den USA, wo inzwischen die größte BMW-Fabrik steht. Dabei kommt Spartanburg mit der Arbeit im Moment kaum nach, denn dort baut BMW den Großteil der derzeit besonders gefragten SUVs.

In der Oberklasse ist das Unternehmen seit 2005 die Nummer eins – aber das scheint sich gerade zu ändern. Mercedes ist auf dem besten Weg, seinen alten Platz an der Spitze zurück zu erobern.

Entschädigungen gezahlt

Frontansicht des BMW 1500 (Archivfoto von 1962). Foto: dpa

Als BMW 1928 in Eisenach sein erstes Automobil fertigte – einen mit Lizenz des englischen Herstellers Austin gebauten Kleinwagen namens Dixi -, da standen die Limousinen und Sportwagen von Daimler-Benz schon für automobilen Luxus. Angefangen hatte BMW als Rüstungsfirma. Im Ersten wie im Zweiten Weltkrieg baute das Unternehmen vor allem Motoren für Militärflugzeuge.

Im Zweiten Weltkrieg wurden etwa 25 000 Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge beschäftigt, wie BMW-Historiker Manfred Grunert sagt. Inzwischen hat sich der Konzern diesem Teil seiner Geschichte gestellt und auch entsprechende Entschädigungen gezahlt.

Weltweit neue Werke

Endkontrolle an einem BMW 2er Gran Tourer in Regensburg. Foto: dpa

Nach dem Krieg nahm BMW die Fertigung von Autos und Motorrädern wieder auf, brachte 1952 den teuren BMW 501 „Barockengel“ auf den Markt und kurz darauf die winzige BMW Isetta. Aber Geld verdiente man damit nicht - es fehlte ein Mittelklasse-Modell. 1959 stand das Münchner Unternehmen vor der Pleite und der Übernahme durch Daimler.

Die BMW-Standorte in Ostbayern

  • Regensburg:

    Vor 30 Jahren ging das Regensburger BMW-Werk an den Start. Seither wurden mehr als sechs Millionen Fahrzeuge in der Oberpfalz gefertigt. Die Generationen der 3er Baureihe haben daran den größten Anteil. In Regensburg verlassen tagtäglich 1100 Fahrzeuge das Werk. 2015 wurden zwei neue Modelle in die Serienproduktion integriert: der BMW 2er Gran Tourer als erster Siebensitzer der Marke und die Neuauflage des BMW X1. Das Unternehmen hat zuletzt allein 300 Millionen Euro in den Karosseriebau investiert und Regensburg als kompetenten Standort für die Produktion kompakter Modelle etabliert. Neben dem 2er Gran Tourer und dem BMW X1 werden in Regensburg der BMW 1er, die 3er Limousine, die M3 Limousine, das 4er Cabrio und das M4 Cabrio sowie der Z4 Roadster produziert. Im Werk sind rund 9000 Mitarbeiter beschäftigt.

  • Wackersdorf:

    Seit über 26 Jahren engagiert sich BMW auf dem ehemaligen WAA-Gelände in Wackersdorf (Kreis Schwandorf). Im Taxöldener Forst wurde ein Kompetenzzentrum der Zulieferer für die Inneneinrichtung verschiedener BMW-Modellreihen geschaffen. Der Automobilkonzern ist im „Innovationspark Wackersdorf“ aber auch selbst aktiv. BMW stieg 2009 mit der Gründung des Joint Ventures SGL Automotive Carbon Fibers in die Carbontechnologie ein. Seit 2010 werden in Das Wackersdorfer Karbon-Wunder Wackersdorf sogenannte Gelege aus carbonfaserverstärkten Kunststoffen produziert – vor allem für den Elektroflitzer BMW i3. In Wackersdorf beschäftigt das Unternehmen heute rund 1400 Mitarbeiter. Inklusive der Arbeitnehmer bei Fremdfirmen sind dort derzeit 3000 Beschäftigte tätig. Rund 4,4 Milliarden Euro hat der weiß-blaue Autokonzern von 1986 bis Ende 2015 in seine beiden Oberpfälzer Standorte investiert.

  • Landshut:

    Am 1. Januar 1967 übernahm BMW den mittelständischen Autobauer Hans Glas GmbH mit seinen Standorten Dingolfing und Landshut (damals 140 Mitarbeiter). Seither wurde der Standort Landshut sukzessive aufgebaut und neue Technologien wurden angesiedelt. Heute produzieren dort rund 4100 Mitarbeiter unter anderem Motor- und Fahrwerkskomponenten, Kunststoff- und Karosseriekomponenten. Als Kompetenzzentrum für die Zukunftstechnologien Leichtbau und Elektromobilität ist das Werk Landshut frühzeitig in die Entwicklungsprozesse neuer Fahrzeuge eingebunden. Am weltweit größten Komponentenstandort der BMW Group entstehen auch wesentliche Komponenten für die i-Modelle.

  • Dingolfing:

    Das Werk Dingolfing ist zum größten BMW-Werk und zugleich eine der größten Fabriken weltweit herangewachsen. Rund 17 500 Mitarbeiter produzieren derzeit die mittleren und großen Baureihen von BMW. Täglich rollen etwa 1600 Fahrzeuge von den Bändern. Dazu gehören der BMW 4er Gran Coupé, BMW 5er und M5, BMW 6er und M6 sowie der edle BMW 7er. Die sechste Generation des Luxus-Flaggschiffs ging 2015 an den Start. (ti)

Doch dann stieg der Industrielle Herbert Quandt als Sanierer ein. Mit dem Mittelklasse-BMW 1500 und der Übernahme der Glas-Autowerke im niederbayerischen Dingolfing 1967 begann eine Erfolgsgeschichte. Eberhard von Kuenheim, BMW-Vorstandschef von 1970 bis 1993, erweiterte die Modellpalette und baute weltweit neue Werke.

Die Strategie „Number One“

Blick in die Produktion des Elektroflitzers i3 in Leipzig. Foto: dpa

Um im Wettbewerb mit Rivalen wie Daimler oder Volkswagen mithalten und auf größere Stückzahlen kommen zu können, übernahm BMW 1994 den britischen Autobauer Rover. Die versuchte Erweiterung vom Premium- zum Massenhersteller wurde jedoch zum Fiasko. Nach Milliardenverlusten folgte sechs Jahre später der Rückzieher. Nur die Marke Mini behielt BMW - und machte sie ebenfalls erfolgreich.

Die bis 2020 ausgelegte Strategie „Number One“, die der damalige BMW-Chef Norbert Reithofer 2007 verkündet hatte, ist bisher voll aufgegangen. Das Unternehmen hat mit Kooperationen und flexibler Produktion Kosten gesenkt, mit Kompaktwagen neue Kunden gewonnen, sich früh in China engagiert. Die Kasse ist voll. Bei Elektroautos ist BMW mit dem i3 und seiner Karbon-Karosserie technisch Vorreiter.

Neue Antworten erforderlich

Auch Motorräder gehören zur Fahrzeugpalette von BMW: Modelle des Typs R 32 wurden in den Jahren 1923-1926 in München gebaut. Foto: BMW AG/dpa

Großstädte wie Peking, Oslo oder London erschweren Autos mit Verbrennungsmotor die Zufahrt. Der Dieselantrieb steht wegen der VW-Abgas-Affäre unter Verdacht. Das könnte auch BMW treffen, weil jeder dritte BMW ein Diesel ist - aber bei den E-Modellen nutzen.

Vor allem die Digitalisierung und die Entwicklung hin zum vernetzten und autonomen Fahren erfordern jetzt neue Antworten. „Nach dem technologischen Umbruch zur nachhaltigen Mobilität ist dies für uns der nächste fundamentale Wandel“, sagte Konzernchef Krüger. Jetzt hat er die Strategie nachjustiert und an die neuen Trends angepasst.

Im Kern ein Familienunternehmen

Die Unternehmerin Susanne Klatten und ihr Bruder Stefan Quandt. Foto: dpa

Der soeben zusammen mit Daimler und Audi für 2,8 Milliarden Euro gekaufte Kartendienst Here soll zur Plattform zum Datenaustausch zwischen Autos werden. Aber Elektromobilität und autonomes Fahren erfordern erst einmal hohe Investitionen. Wegen der Abgasvorschriften der EU müssen zugleich Benzin- und Dieselmotoren effizienter werden.

Und „die Modellpalette kommt in die Jahre“, bemängelt Ute Haibach von der Bank J. Safra Sarasin. Nur 30 Prozent des Umsatzes, aber 80 Prozent des Gewinns stammten aus dem Verkauf der 5er, 6er und 7er-Serie. BMW habe „weniger Oberklasse-Autos und große SUVs“ als Daimler. Die Münchner verdienten im Luxussegment weniger als Daimler, kritisiert auch Holger Schmidt von der Investmentbank Equinet.

Von den Erwartungen und Stimmungen der Börse ist BMW allerdings wenig abhängig, denn im Unterschied zu den Konkurrenten ist es im Kern ein Familienunternehmen. 47 Prozent der Anteile gehören der Familie Quandt. Dank ihnen kann BMW langfristig agieren, betont Haibach. Das US-Analysehaus Bernstein Research lobt, kein anderer europäischer Autokonzern habe in den vergangenen Jahren so beständig agiert. Die spannende Frage sei jetzt nur: Wie will BMW weiter vorankommen?

100 Jahre BMW in Bildern: Hier finden Sie unsere Galerie zur Geschichte des Autobauers.

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