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Montag, 25. September 2017 19° 3

Messe

Deutsche Autobauer unter Strom

Lange wurde den Herstellern vorgeworfen, die E-Mobilität verschlafen zu haben. Nun starten die Deutschen die Aufholjagd.
Von Roland Losch und Christian Ebner, dpa

Dieter Zetsche verkündete bei der IAA seine Vorstellung von der Zukunft bei Daimler. Foto: dpa

Frankfurt.Dieselgate, drohende Fahrverbote, angebliche Kartellabsprachen – ein bisschen zerknirscht zeigt sich VW-Chef Matthias Müller schon. „Die Zeiten, in denen sich unsere ganze Branche hier in Frankfurt selbst gefeiert hat, sich im eigenen Glanz gesonnt hat, sind vorbei“, sagt Müller zum IAA-Auftakt. Um gleich danach „goldene“ Zeiten zu versprechen. Denn der größte Autohersteller der Welt will bis 2025 „die weltweite Nummer Eins in der Elektromobilität“ werden.

Der US-Elektro-Pionier Tesla ist auf der Messe nicht dabei. Dennoch ist er allgegenwärtig. „Der Durchbruch kommt nicht mit den selbst ernannten Pionieren“, wettert Müller, ohne den Namen des Newcomers in den Mund zu nehmen. Sondern mit Konzernen wie VW, die die neue Technik „in relevanten Stückzahlen auf die Straße bringen können“.

Ein Feuerwerk an neuen E-Autos

Audi, BMW, Mercedes, VW – die unter Druck geratenen deutschen Hersteller wollen die Schlagzahl erhöhen. Auf der IAA in Frankfurt zeigen sie neben neuen Diesel-SUVs, alltagstauglichen Benzinern und Super-Sportwagen vor allem Dutzende Elektroautos, die in den nächsten Jahren auf den Markt kommen sollen – mit Reichweiten von 500, sogar 600 Kilometern, scharfen Konturen, Kameras statt Außenspiegeln und vor allem: viel Platz im Innenraum. VW stellt das für 2020 geplante SUV-Coupé ID Crozz vor, BMW den für 2019 geplanten Elektro-Mini und den BMW Gran Coupé, Mercedes einen Brennstoffzellen-Batterie-SUV und den kompakten EQA.

VW will Tesla weit übertrumpfen

Die Pläne sind ehrgeizig: Mercedes will 2022 zehn, BMW bis 2025 zwölf reine Elektroautos anbieten und VW sogar 50. „Je nach Marktentwicklung reden wir hier von bis zu drei Millionen E-Autos pro Jahr“, sagt Müller. VW werde viermal so viel Batterieleistung brauchen wie Tesla in seiner Gigafabrik bauen könne, und dafür 50 Milliarden Euro investieren.

Da muss man an anderer Stelle sparen. Audi und BMW machen das bei Motor-, Tür- und Farbvarianten. „Elektrofahrzeuge sind aktuell nicht so profitabel wie Verbrennerfahrzeuge. Aber das wird sich ändern“, sagte BMW-Vorstandschef Harald Krüger. Mercedes-Chef Dieter Zetsche kommt mit der Botschaft, der Konzern werde seine 10 Prozent Umsatzrendite nicht ganz halten können, er wolle vier Milliarden Euro einsparen.

„Wenn die Messe auf diesem Weg weitergeht, dann kann sie es schaffen, bei dem Wandel der Branche nicht selbst auf der Strecke zu bleiben.“ So kommentiert MZ-Redakteur Bernhard Fleischmann die IAA:

Kommentar

Erst SUVs, dann Stromer

Nach dem Motto „Die Welt ist nicht genug“ wuchten die Autohersteller Geländewagen und solche, die so tun als wären sie welche, in bisher ungekannter Masse...

Zwar sind laut Branchenverband VDA heute in Deutschland rund 30 Elektromodelle auf dem Markt. Das Problem ist nur: Kaum einer will sie kaufen. Im ersten Halbjahr wurden in Deutschland fast eine Million Benziner und 739 000 Dieselautos zugelassen – aber trotz staatlicher Kaufprämie gerade mal 10 200 E-Autos.

Die Probleme seien immer die gleichen, sagt Krüger: Der hohe Preis, die geringe Reichweite und das Laden. Die heute verkauften E-Autos fahren zwischen 150 und gut 400 Kilometer – auf dem Papier. Auf der Straße, wenn Scheibenwischer, Heizung und Radio laufen, sind es weit weniger. Aber die Batterietechnik wird besser, dieses Problem dürfte in einigen Jahren gelöst sein, sagen alle Beteiligten.

Ebenfalls nur auf dem Papier hat das E-Auto „null Emission“. Aber das muss die Autoindustrie nicht interessieren – für sie zählen die auf die Flotte bezogenen EU-Vorschriften zur Senkung des CO2-Ausstoßes. Wenn die Diesel-Verkäufe sinken und für E-Autos „null Emission“ gilt, ist die Marschrichtung klar. Und China will wegen der schlechten Luft dort einen massiven Ausbau von E-Mobilität – zumal die chinesische Autoindustrie ihren Rückstand so schneller aufholen kann.

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