mz_logo

Wirtschaft
Freitag, 20. Oktober 2017 19° 1

Industrie

Die Blechversteher aus der Oberpfalz

Läpple baut in Teublitz Karosserieteile für deutsche Luxusmarken. Doch auch die Liebhaber von Oldtimern werden hier versorgt.
Von Bernhard Fleischmann, MZ

Tanz der Roboter – Läpple in Teublitz stellt Karosserieteile für Luxusmarken her. Einer der Kunden ist BMW in Regensburg. Fotos: Läpple

Teublitz.Läpple ist überall auf unseren Straßen. Wer an einem BMW, Audi oder Mercedes vorbeigeht, hat gute Chancen, dabei auch Bauteile zu sehen, die der Autozulieferer in Teublitz im Landkreis Schwandorf gefertigt hat. Bewusst ist das jedoch fast nur den Mitarbeitern – die werden immerhin stetig mehr. 850 sind es mittlerweile in der Oberpfalz.

Wer schon mal ein Automobilwerk besichtigt hat und die Werkhalle in Teublitz betritt, der fühlt sich ganz stark an die Bereiche Presswerk und Rohbau erinnert. Riesige Stahl- und Aluminiumrollen werden geschnitten, schwere Pressen formen die Platten in mehreren Schritten zu vielfältig ausgestanzten, geschwungenen Karosseriebauteilen. In der Werkhalle entstehen derzeit unter anderem die Heckklappen für den Porsche Macan (Produktionsort Leipzig), die Heck- und Frontklappen für den BMW 2er Grand Tourer und den BMW X1 (Regensburg) oder auch Schiebetüren für den VW Bus. Roboter rotieren und hantieren mit den Karosserieteilen, mituntern fliegen Schweißspritzer durch die Halle. Daran erkennt man, welches Material der Roboter bearbeitet, erklärt der Geschäftsführer des Automotive-Bereichs von Läpple, Oliver Wackenhut. Einfache Formel: Schweißspritzer entstehen bei Stahl. Bei Aluminium sieht man nichts.

Eine lange Stahltradition

Das Werksgebäude in Teublitz Foto: Läpple

Stahl hat auf diesem Gelände am Rande von Teublitz eine lange Tradition. Nahezu 100 Jahre lang wurde hier im Eisenwerk Maxhütte-Haidhof Stahl produziert. In den 80er Jahren ging es steil bergab, im Jahr 1990 wurde das Eisenwerk geschlossen. Bereits ein Jahr später siedelte sich Läpple auf dem Gelände an.

Läpple fertigt in Teublitz Karosserieteile und nicht sichtbare Strukturteile vor allem für die deutschen Luxusmarken wie BMW, Audi, Porsche und Mercedes. Die Autobauer produzieren zwar immer noch die meisten Karosserieelemente in den eigenen Fabriken, lagern aber auch gezielt aus. Der Trend zur Fremdfertigung wie eben bei Läpple nimmt zu, beobachtet der Vorstandsvorsitzende Klemens Schmiederer. Der Zulieferer profitiert davon durch zusätzliche Aufträge. Besonders bei Fahrzeugen, die in mittlerer und kleinerer Stückzahl gebaut werden, kommt Läpple zum Zug. Nischenfahrzeuge würden die Produktion in den großen Autowerken verkomplizieren.

Die Mischung machts

Es wird immer komplizierter, ein Auto zu bauen. Crash-Sicherheit und Leichtbau sind zwei Anforderungen, die stetig wichtiger werden. Diese Aufgabe löst man zunehmend durch die Verwendung mehrerer Materialien gleichzeitig. Diesen Mix zu beherrschen, die Formung und das Zusammenfügen, darin besteht das entscheidende Know-how von Läpple.

Der Geschäftsführer des Bereichs Automotive: Oliver Wackenhut Foto: Läpple

Das Unternehmen nimmt für sich in Anspruch, die gesamte Kette durchgängig zu verstehen: Von der Produktionsanlage bis hin zum Endprodukt. Anlagenbau, Werkzeuge, Automatisierung, Simulationstechnik – all das findet im eigenen Haus statt. Nun traut sich Läpple laut Wackenhut als erster Zulieferer überhaupt daran, Aluminium per Laser zu schweißen. Vorteil: höhere Stabilität bei geringerem Gewicht.

Aluminium setzt sich durch

Dieser Vorsprung gewinne an Bedeutung, weil sich Aluminium durchsetze. Zwar werde auch Stahl weiter verbaut und verbessert, aber den entscheidenden Zuwachs erlebe Alu. Es würden immer mehr Materialien gemischt, Magnesium und andere Metalle kommen hinzu. Das hat Tücken beim Zusammenfügen. Kurz gesagt: Es soll wie gewünscht halten, aber nicht rosten. Letzteres passiert genau dann, wenn man Alu direkt auf Stahl setzt

Das zwischenzeitlich hoch gehandelte superleichte Carbon, das Läpple auch verbaut, werde ein Nischenprodukt bleiben, glaubt Schmiederer. Es ist nach seinem Urteil zu teuer und habe Nachteile etwa bei Unfällen.

Wenig Sorgen macht sich der Vorstandschef um die deutschen Premiumhersteller, die gerade im Diesel- und Kartellsumpf stecken. Insgesamt gehe es diesen Unternehmen weiterhin gut, glaubt er. Den allmählich in Gang kommenden Trend zu Elektroautos sieht er als zusätzliche Wachstumschance.

Ersatzteile für viele Marken

Ein wachsendes und einträgliches Geschäft ist für Läpple die Produktion von Original-Ersatzteilen. 13 000 Werkzeuge stehen in Teublitz parat, um für mehr als 250 Baureihen von Mercedes, BMW, Audi, VW, Opel oder Ford Teile nachzubauen. Das älteste Werkzeug von 1954 formt Kotflügel für einen damaligen Mercedes SL. Knapp ein Viertel aller Teile aus Teublitz entfallen mittlerweile auf solche Ersatzteile. Hier sieht sich Läpple auf Platz 2 im Wettbewerb, bei den Serienteilen in den Top 5, allerdings weit entfernt von Größen wie Magna.

Der Vorstandsvorsitzende Klemens Schmiederer Foto: Läpple

Werk muss produktiver werden

Das alles kostet viel Geld, die Investitionen sind enorm hoch. Geld, das Läpple vor nicht allzu langer Zeit fehlte. In den Jahren 2007 bis 2009 steckte das Unternehmen in einem ausgesprochenen Tief und musste schrumpfen. Diese Phase ist überwunden, „jetzt befinden wir uns im Wiedereinstieg in eine Wachstumsphase“, sagt Vorstandschef Schmiederer, der selbst erst zum Jahreswechsel an Bord gegangen ist. Immerhin ist das Unternehmen mit Hauptsitz in Heilbronn international einigermaßen gut präsent. Um in China, laut Schmiederer der Wachstumsmarkt auf der Welt, mithalten zu können, denkt er indes mittelfristig über Partnerschaften nach.

Daten zu Läpple

  • Teublitz und Heilbronn

    Vor gut 25 Jahren hat Läpple das erste Teil in Teublitz gefertigt. Das Heilbronner Unternehmen hatte das ehemalige Eisenwerk Maxhütte-Haidhof gekauft. Inzwischen sind hier 850 Mitarbeiter beschäftigt, so viele wie nie zuvor. Der Umsatz des Standortes wird auf 170 Millionen Euro im Jahr 2015 beziffert. Die Läpple-Gruppe hat im Geschäftsjahr 2016 einen Umsatz von 439 Millionen Euro erzielt. Es werden 2300 Mitarbeiter beschäftigt.

  • Struktur

    Die Aktiengesellschaft befindet sich zu 100 Prozent in Familienbesitz. Hauptsitz ist Heilbronn in Baden-Württemberg. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1919.

  • Neben dem Bereich Automotive gibt es Tochtergesellschaften für Ausbildung, Produktionsanlagen und für hochpräzise Bauteile und Rundtische.

Das Werk soll produktiver werden

Um weiterhin trotz nahezu Vollbeschäftigung in der Region weiter gute Auszubildende und Fachkräfte zu gewinnen, steckt Läpple viel Energie in die Ausbildung. Eine eigene Tochtergesellschaft kümmert sich um ein hohes Niveau der Ausbildungsqualität. Läpple bildet auch für andere Firmen aus, etwa Hansa oder HeidelbergCement.

In der Oberpfalz läuft es nach seiner und Wackenhuts Einschätzung prima. Allerdings müsse Teublitz seine Produktivität weiter steigern. „Da müssen wir noch einiges tun“, mahnt Schmiederer. Das sei in der Automobilbranche überlebenswichtig.

Weitere Artikel aus der Wirtschaft in Ostbayern gibt es hier

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht