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Wirtschaft
Donnerstag, 18. Januar 2018 7

Ernährung

Die Deutschen lieben Fleisch

Hack, Steak und Schinken stehen hierzulande auf dem Speiseplan weiter ganz oben. Umweltschützer finden das nicht gut.
Von Burkhard Fraune, dpa

Fleisch wird in Deutschland weiterhin massenhaft verkauft. Foto: Armin Weigel/dpa

Berlin.Klingt eigentlich nach dem Schlaraffenland für Fleischliebhaber: Kantinen könnten bei Schnitzel, Frikadelle und Bratwurst einen kostenlosen Nachschlag anbieten. Das empfehlen Umweltschützer im neuen „Fleischatlas“. Der ist eigentlich eine Abrechnung mit dem übermäßigem Fleischkonsum.

Und so hat der Vorschlag mit dem Nachschlag für die Fleischfreunde auch einen Haken: Erst einmal kommt ein kleineres Stück Fleisch auf den Teller als gewohnt. Wer mehr will, muss sich später noch einmal anstellen.

Es ist eine von vielen Ideen, wie man die Deutschen ohne Verbote dazu bringen könnte, weniger Fleisch zu essen. Denn bislang blieben die Versuche unterm Strich folgenlos: Pro Jahr isst ein Deutscher im Schnitt 59 Kilo Fleisch und 29 Kilo Fleischprodukte, meistens vom Schwein.

Das ist etwa so viel wie vor zehn Jahren – obwohl es doppelt so viele Vegetarier gibt wie damals, jedenfalls nach Statistiken ihrer Interessenvertreter; vier Prozent der Deutschen verzichten ganz auf Fleisch, zwölf Prozent gelegentlich. Wie passt das zusammen? Der Fleischatlas versucht eine Antwort: „Es gibt eine Gruppe von rund fünf Prozent Vielfleischessern unter den Männern, die fast dreimal so viel Fleisch verzehren wie die Durchschnittsdeutschen“, schreibt der Göttinger Professor Achim Spiller.

Alternativen

  • Fleisch steht seit Urzeiten

    auf dem menschlichen Speiseplan. Die meisten Deutschen sind mit dem Geschmack aufgewachsen.

  • Fehlt dem Körper

    Eisen oder Eiweiß, kann es Heißhunger auf Gebratenes geben. Das Veganer-Portal Vegpool rät, sich für den Fall der Fälle mit einem Vorrat an Champignons, Oliven, Linsen und anderen Alternativen zu wappnen.

Im Trend – die Steinzeit-Diät

Da sind Leute, die nahezu täglich Bilder gewaltiger Burger auf ihren Tellern ins Netz stellen. Imbisse sind nicht mehr schmuddelig: Von „Burgeramt“ (Berlin) bis „Fette Kuh“ (Köln) gibt es vielerorts schicke Hackfleisch-Läden. Restaurants braten Riesenschnitzel. Hunderte Euro für einen Grill auszugeben ist zudem nichts Besonderes mehr – und die Freunde zum Wintergrillen einzuladen auch nicht. Mancher setzt sich gleich auf Steinzeit-Diät – mit viel Fleisch. Zwölf Euro kostet das Hochglanz-Magazin „Beef“ – Losung: „Männer kochen anders.“ Die Deutschen als Bundes-Burger. „Das ist die neue Coolness“, heißt es schaudernd in der Grünen-nahen Heinrich-Böll Stiftung. „Qualvoll, umweltschädlich, ungesund und billig“, so brandmarkt Stiftungschefin Barbara Unmüßig große Teile der Tierproduktion. Um dies zu ändern, veröffentlicht die Stiftung seit 2013 den „Fleischatlas“, gemeinsam mit der Zeitung „Le monde diplomatique“ und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Dessen Vorsitzender Hubert Weiger sagt: „Riesenschnitzel sind pervers.“

Wenige Tage vor der Grünen Woche eröffnen die Umweltschützer damit die Debatte. Bei der Agrarmesse ist Fleisch wichtig, denn vom Schnitzel bis zur Mortadella ist es ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Vor zehn Jahren importierte Deutschland noch Schweinefleisch, heute wird exportiert. Der Ernährungsindustrie bringen Fleisch und Fleischprodukte nahezu jeden vierten Euro. Weltweit wächst die Nachfrage, vor allem weil Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern auf den Geschmack kommen.

Ökologische Folgeschäden

Die Nebenwirkungen: Klimaschäden, Überdüngung, Artensterben, Tierleid – und Hunger in Entwicklungsländern. So beschreibt es der „Fleischatlas“. „Das billigste Fleisch ist das teuerste“, sagt Weiger. Was er meint: „Wir zahlen den scheinbaren Preis an der Ladentheke und dann zahlen wir als Steuerzahler das Doppelte für die ökologischen und sozialen Folgeschäden.“

Die Lösungsvorschläge: mehr Aufklärung für Verbraucher, eine bessere Kennzeichnung am Ladenregal, Tier-Obergrenzen und stärkere Kontrollen in den Ställen. Millionen Schweine-Mastplätze würden nach den Vorschlägen wegfallen. Fleisch im Supermarkt würde teurer, wenn die Produktion umgestellt werde, sagt Weiger. Es würde aber auch weniger gekauft, die Hälfte genüge. Das deckt sich mit Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Sie hält 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche für das richtige Maß – das wären etwa 16 bis 31 Kilogramm pro Jahr.

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