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Wirtschaft
Dienstag, 21. November 2017 7

Finanzen

Die neue Gebührenwelt der Banken

Geldverdienen ist für Banken schwer. Die Zeche zahlen oft die Kunden. Stiftung Warentest kritisiert jetzt „absurde“ Gebühren.
Von Friederike Marx und Jörn Bender, dpa

Viele Geldhäuser leiden unter der Zinsflaute – und präsentieren ihren Kunden daher neue Gebühren, wie zum Beispiel fürs Geld abheben am Automaten der eigenen Bank. Foto: dpa

Frankfurt.Gebühren fürs Geldabheben am Automaten der eigenen Bank, 4,90 Euro für eine Überweisung auf Papier oder 15 Euro im Jahr für die Girocard: In der Zinsflaute langen manche Banken und Sparkassen kräftig hin. „Teilweise haben die Preiserhöhungen absurde Züge“, kritisiert die Stiftung Warentest. 231 verschiedene Girokontenmodelle von 104 Finanzinstituten haben die Experten unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Nur 23 Angebote sind gratis – inklusive aller Onlinebuchungen und der Girocard fürs bargeldlose Shoppen und dem Geldabheben am Automaten.

„Die Zahl der kostenlosen Girokonten ist in den vergangenen Jahren etwa gleich geblieben“, sagt Heike Nicodemus von der Stiftung Warentest. „Wir stellen aber fest, dass zahlreiche Institute bei den Gebühren kreativer werden. Plötzlich kostet zum Beispiel die Girocard etwas oder die Überweisung am Schalter.“ Für Kunden sei es schwer, „den Wust neuer und alter Gebühren zu durchblicken“, kritisieren die Experten in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Finanztest“ der Stiftung Warentest (Heft 9/2017). Ganz kostenlos sind allerdings auch nicht alle Gratis-Konten, außer der Kunde erledigt seine Bankgeschäfte online. Gebühren fallen zum Teil bei Überweisungen in Papierform, telefonischen Aufträgen oder bei schriftlichen Änderungen von Daueraufträgen an.

Die Folgen der Kostenlos-Kultur

Den Verbraucherzentralen sind neue Gebühren als Reaktion auf niedrige Zinsen ein Dorn im Auge. In der Branche gebe es hierbei verbreitet einen Wildwuchs, sagte jüngst der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller. Viele Institute hätten Kunden über Jahre zu einer Kostenlos-Kultur etwa rund ums Girokonto erzogen, weil sie sich Wettbewerbsvorteile davon versprochen hätten. Nun würden auf teilweise intransparente Art Zusatzgebühren erhoben. „Unser Appell an die Banken und Sparkassen ist: nicht kreative neue Gebühren, sondern einfache, fair bepreiste Konten anbieten“, betonte Müller.

„Man kann Reichtümer auf dem Konto haben. Wer aber im Umgang mit dem Computer nicht fit genug ist, um auf Onlinebanking umzusteigen, der ist auf dem Land mittlerweile ziemlich arm dran“, schreibt MZ-Newsdeskleiterin Claudia Bockholt in ihrem Kommentar:

Kommentar

Arm dran

Nicht erst, seit mit Geld kaum noch Geld zu verdienen ist, kassieren viele Banken ordentlich ab. Schon immer war es sündteuer, aus Automaten fremder Geldinstitute...

Das sieht selbst die Branche ähnlich. „Generell ist es gut, wenn man einfache Modelle anbietet, die der Kunde versteht“, argumentiert Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverband deutscher Banken (BdB), der die Privatbanken vertritt. „Und es muss volle Transparenz gesichert sein. Der Kunde muss wissen, was er für sein Geld bekommt.“

Die Geldinstitute leiden seit geraumer Zeit unter der Zinsflaute. Wichtigste Ertragsquelle der Banken und Sparkassen ist traditionell der Zinsüberschuss – die Differenz zwischen dem, was die Institute auf der einen Seite zum Beispiel für Kredite kassieren und auf der anderen Seite ihren Kunden etwa als Sparzinsen zahlen. Weil die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen im Euroraum faktisch abgeschafft hat, brechen den Instituten Erträge weg. Zudem müssen Geschäftsbanken für Geld, das sie bei der EZB parken, 0,4 Prozent Strafzinsen an die Notenbank zahlen. Die Kosten dafür geben etliche Institute an Unternehmenskunden weiter. Auch vermögende Privatkunden müssen bereits Strafzinsen zahlen.

Auf dem Land ist es teurer

Nach einer Untersuchung des Beratungsunternehmens EY müssen sich viele Bankkunden in Deutschland auf weiter steigende Gebühren einstellen. Ein Drittel der Institute (32 Prozent) bittet Privatkunden bereits stärker zur Kasse oder plant dies bis Ende des Jahres. Es trifft vor allem das Girokonto. Gut jede vierte Bank (27 Prozent) erhöht hierfür die Gebühren. Knapp jede fünfte Bank (19 Prozent) nimmt mehr für Überweisungen.

Aus Sicht von Stiftung-Warentest-Expertin Nicodemus sind „Kosten von fünf Euro im Monat für ein Girokonto in Ordnung, schließlich steht auch eine Dienstleistung dahinter“. Wer mehr fürs Konto mit Buchungen und Girocard zahle, sollte wechseln – das Kontomodell oder die Bank. Finanzinstitute sind seit vergangenem September verpflichtet, Kunden beim Umzug des Kontos zu unterstützen. Auf dem Land ist ein Wechsel mangels Alternativen allerdings oft nicht so einfach – es sei denn man macht ausschließlich Online-Banking: „Gerade auf dem Land ist nach unserer Erfahrung das Girokonto oft teurer“, sagt Nicodemus.

Lesen Sie auch: Aktuell ärgern sich die Gemeinden, dass die Kirchen für das Einzahlen der Kollekte bei den Banken Gebühren entrichten müssen.

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