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Wirtschaft
Dienstag, 21. November 2017 7

Arbeitsmarkt

Die Oberpfalz ist ein Musterschüler

Über die Herausforderungen der Zukunft sprach Christine Hochreiter mit dem Chef der Arbeitsagentur Bayern, Markus Schmitz.

Das Mega-Thema Digitalisierung ist in der Region angekommen. Foto: dpa

Regensburg.Seit Jahresanfang leitet Dr. Markus Schmitz (41) die Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit. Der promovierte Sozialwissenschaftler aus Franken startete seine Berufslaufbahn als Berater bei der Unternehmensberatung McKinsey, bevor er 2005 zur Bundesagentur für Arbeit wechselte. Seine neue Tätigkeit fällt in eine Zeit, in der der Freistaat bundesweit die niedrigste Erwerbslosenquote aufzuweisen hat. Niederbayern liegt mit einer Quote von 3,1 Prozent im August an der Spitze im Freistaat. Auf dem zweiten Platz folgt die Oberpfalz mit 3,2 Prozent. Im MZ-Interview erklärt Schmitz die Gründe.

Die Oberpfalz und Niederbayern sind mit Blick auf den Arbeitsmarkt die Erfolgs-Regierungsbezirke in Bayern. Worauf führen Sie diese positive Entwicklung zurück?

In der Tat liegen die beiden Regierungsbezirke als Musterschüler immer auf den ersten beiden Rängen mit den wenigsten Arbeitslosenzahlen. Ein Grund dafür ist das feste wirtschaftliche Fundament mit zwei Standbeinen. Das eine ist das Verarbeitende Gewerbe mit dem Fahrzeug- und Maschinenanlagenbau als Zugbranche, das zweite das Baugewerbe.

Der Baubereich boomt doch nicht das ganze Jahr über?

Er ist seit Jahresanfang Chef der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit: Markus Schmitz Foto: dpa

Nein, im Sommer stehen diese beiden Bezirke daher auch besonders gut da, in den Wintermonaten fallen sie dann bei den Zahlen etwas zurück.

Welche Branchen sind noch für die gute Entwicklung in Niederbayern und der Oberpfalz verantwortlich?

In Niederbayern ist es der Tourismus mit dem Bäderdreieck und dem Bayerischen Wald, in der Oberpfalz gibt es viele Global Player – auch und gerade im Mittelstand; und immer noch die Glas- und Keramikindustrie.

Was sind für Sie die großen Herausforderungen der Zukunft?

Das Thema schlechthin ist die Digitalisierung. Eines ist mir in diesem Zusammenhang besonders wichtig: Qualifizierung ist in der digitalisierten Welt ein Flexibilitätsgarant. Durch lebenslanges Lernen tragen Arbeitnehmer dazu bei, dass sie ihre Beschäftigung behalten.

In der neuen Welt werden die einfachen Tätigkeiten wegfallen und von Robotern und Computern übernommen werden, sagen Experten. Sehen Sie das auch so?

Vertragsunterzeichnung in Passau: Dieser Flüchtling hat einen Ausbildungsplatz bekommen. Foto: zema-foto.de

Freilich sind im Zuge der industriellen Revolution Arbeitsplätze weggefallen, aber ich sehe auch eine Gegenbewegung. So manches Unternehmen hat erkannt, dass weite Transportwege auch ein Wettbewerbsnachteil sein können, und verlagert zurück. In Deutschland werden also nicht immer nur Arbeitsplätze vernichtet. Allerdings wandeln sich die Arbeitsplatzstrukturen. Dabei gibt es durchaus nach wie vor Jobs für Ungelernte.

Eine Mega-Aufgabe für die Zukunft wird auch die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt ...

Inzwischen gibt es in Deutschland viele Initiativen und wir sind noch am Lernen. Wir machen uns gerade mit verschiedenen Modellprojekten auf den Weg. Zum 1. Juli ist „IdA“ an den Start gegangen. Das heißt „Integration durch Arbeit“. Zielgruppe sind Flüchtlinge, die eine hohe Bleibeperspektive haben – und schon Erfahrung mitbringen. Das Projekt findet an fünf Standorten statt – darunter sind Regensburg mit 20 Teilnehmern und Mainburg im Kreis Kelheim mit 15. In einer ersten Phase haben die Teilnehmer zunächst Deutsch gelernt, denn verbesserte Sprachkenntnisse sind eine Grundvoraussetzung für eine funktionierende Integration. Seit Mitte August befinden sich die Projektteilnehmer nun im praktischen Teil. Sie erproben ihre beruflichen Kenntnisse.

Ist die bayerische Wirtschaft aufgeschlossen genug dafür?

Derzeit sind die Unternehmen fast euphorisch. Die Arbeitgeber sind mit Blick auf die Demografie und den daraus resultierenden Fachkräfte- beziehungsweise Nachwuchsmangel sehr aufgeschlossen. Die Kammern führen Listen mit Betrieben, die bereit sind, Flüchtlinge auszubilden oder zu erproben. Auch bei unseren Modellprojekten wie IdA ist das Interesse erfreulich hoch. Meine feste Überzeugung ist es, dass wir Zuwanderung brauchen.

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