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Wirtschaft
Donnerstag, 18. Januar 2018 9

Musik

Für deutsche Orgelbauer geht’s bergauf

Die Auftragslage bei den Instrumentenbauern ist nach schweren Jahren wieder gut – auch dank des Exports nach China.
Von Thomas Strünkelnberg, dpa

Der Orgelbaumeister Georg Schloetmann arbeitet in der Intonierwerkstatt am Klang der Pfeifen. Foto: Holger Hollemann/dpa

Hannover.Für Philipp Klais geht es um Leidenschaft. Der Inhaber der Bonner Orgelbaufirma Klais ist mit Leidenschaft „bei allem, was wir tun“, nach wie vor sieht er Leidenschaft für den Beruf, und auch die Wettbewerber sind sich einig in ihrer Leidenschaft für ihr Instrument. Zwar haben die deutschen Orgelbauer schwere Jahre hinter sich, doch derzeit sei die Lage „gar nicht so schlecht“, sagt Klais.

Die Bedeutung der Kirchenmusik habe zugenommen. Und erst recht zum Weihnachtsfest dürften sich viele Menschen auf das gewaltige Instrument besinnen: Welch ein Moment, wenn die Orgel brausend den gesamten Kirchenraum ausfüllt. Noch vor zwei bis drei Jahren sei es den meisten Orgelbauern wirtschaftlich nicht gut gegangen, sagt der Vorsitzende des Bundes deutscher Orgelbaumeister, Thomas Jann. Kirchengemeinden wurden zusammengelegt, die Gemeinden sparten. Aber die Lage habe sich geändert, die Bereitschaft zu Investitionen wachse und die Auftragslage sei inzwischen „relativ gut“. Orgelbauer Klais ergänzt, noch in den 1990er Jahren seien 80 Prozent der Kosten für Orgeln aus Kirchensteuern finanziert worden, heute komme das Geld oft von privaten Sponsoren: „Das schafft mehr Freiraum.“ Ohne Folgen sind die schweren Jahre für die Branche allerdings nicht geblieben: Jann spricht von einem „Schrumpfungsprozess, der den Orgelbauern gut tut“. Insgesamt gebe es in Deutschland etwa 400 Orgelbaubetriebe – und rund 50 000 Orgeln vor allem in Kirchen und Konzertsälen. Vor einem Vierteljahrhundert habe die Branche noch etwa 2500 Menschen beschäftigt, heute seien es rund 1800 Mitarbeiter – schwierig sei es allerdings, Nachwuchs zu finden. Der Umsatz der Orgelbau-Branche liege bei etwa 100 Millionen Euro pro Jahr und damit um etwa 30 Prozent unter dem Wert von vor 25 Jahren.

Da schadet es nicht, dass der Export in den vergangenen Jahren deutlich angezogen hat, wie Jann sagt. Das spiele für einige Firmen eine große Rolle – etwa das Geschäft in China, wo es zwar nur wenige christliche Kirchen gebe, wo aber „ein Konzerthaus nach dem anderen“ entstehe. Aber auch die Kirche „erkennt, dass die Orgel ein wichtiger Faktor des Gottesdienstes ist. Wir gehören nicht in den Elfenbeinturm.“

Daran hat allerdings der Orgelbaumeister Georg Schloetmann, Inhaber der Firma E. Hammer in Hemmingen bei Hannover, leisen Zweifel. Denn bei gut besuchten Familiengottesdiensten setze man immer stärker auf das E-Piano oder die Gitarre – und „die Orgel schweigt“. So kämen gerade Kinder immer weniger mit Orgelmusik in Berührung. Schloetmanns Betrieb mit sechs Mitarbeitern und einem Jahresumsatz zwischen 300 000 und 400 000 Euro setzt vor allem auf Geschäfte in Deutschland.

Der wichtigste Kunde des Betriebes bleibt die Kirche – mit einem Anteil von 96 Prozent, wie Schloetmann sagt. „Die Landeskirche macht nicht nur das Nötigste. Für den Kulturerhalt wird es immer Arbeit geben.“ Weniger wichtig ist ihm – trotz einiger Kontakte nach Polen – der Export. Anders bei Klais: als „kleinste Global Player“ bezeichnete Philipp Klais einmal die Orgelbauer. Denn eine Klais-Orgel findet man nicht nur in der Hamburger Elbphilharmonie, sondern auch in China, Japan, den USA oder Russland.

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