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Wirtschaft
Montag, 20. November 2017 11

Marketing

Guiness – schwarz-weißer Kult

Die Reklameabteilung von Guinness ist legendär, ihre spektakulären Kampagnen wurden mehrfach ausgezeichnet.
Von Martin Angerer, WZ

„My Goodness – my Guinness“: Der erschrockene Zoodirektor, hier eine Figur im Guinness Storehouse in Dublin, dessen Tiere ständig sein Guinness stibitzen, ist Hauptfigur der wohl berühmtesten Kampagne der irischen Guinness-Brauerei. Die Illustrationen bestimmten bis in die 60er-Jahre die Werbeauftritte der Brauerei. Foto: Martin Angerer

Dublin.Wer es schafft, dass 1,5 Millionen Menschen im Jahr 20 Euro Eintritt zahlen, um die Geschichte des eigenen Produkts anzuschauen, der hat aus Marketingsicht alles richtig gemacht. Der irischen Brauerei Guinness, die mittlerweile zum britischen Getränkekonzern Diageo gehört, ist dies mit dem Guinness Storehouse in Dublin gelungen. Auf dem Brauereigelände am St. James Gate schlägt angeblich nicht nur das Herz Irlands, hierher zieht es auch jedes Jahr genauso viele Touristen wie zum Schloss Neuschwanstein. Nicht die beeindruckenden Steilküsten der Cliffs of Moher oder das ruhmreiche Trinity College in Dublin sind Irlands meistbesuchte Attraktionen, es ist das Guinness Storehouse.

Dabei inszeniert die Brauerei auf sieben Stockwerken in einem alten Backsteingebäude eigentlich nur das eigene Erzeugnis: das für seine tief schwarze Farbe und sehr lange Zapfzeit berühmte Kult-Bier Guinness. Allerdings so beeindruckend und multimedial, dass der Besucher sich nicht in einer Werbeschau wähnt, sondern in einer Mischung aus Geschichts- und Biermuseum. Buchstäblicher Höhepunkt ist die Gravity-Bar, ein ovales, futuristisches Pub, das auf das Gebäude gesetzt wurde und so einen spektakulären Rundumblick über Dublin ermöglicht.

Gute Werbung war für Guinness immer schon genauso wichtig, wie gutes Bier zu brauen. Das 1759 von Arthur Guinness gegründete Unternehmen – er hatte ein heruntergekommenes Brauereigelände für 9000 Jahre um einen jährlichen Mietzins von 45 Pfund gepachtet – ist bekannt für seine aufsehenerregenden Werbemaßnahmen. Die erste Printanzeige schaltete Guinness 1929. Der Erfolg war so groß, dass die Brauerei ihre ersten Kampagnen entwarf. Der englische Zeichner John Gilroy kreierte die Illustrationen für die beiden Slogans „Guinness is good for you“ und „My Goodness, my Guinness“. Die Motive zeigen einen Zoodirektor mit seinen Tieren, unter anderem einem Tukan, der bis heute als Erkennungszeichen für das Bier gilt.

Im Guinness Storehouse widmet Guinness seiner Marketingabteilung ein ganzes Stockwerk. Ausgestellt ist auch der Fahrrad fahrende Fisch aus dem in Schwarz-Weiß gedrehten TV-Spot „Not everything in black and white makes sense“. Auch der mehrfach prämierte Spot „Good things come to those who wait“ aus dem Jahr 1998 wird in einem eigenen 240-Grad-Kino gezeigt. Hier wartet ein Surfer auf die perfekte Welle. Guinness spielt damit auf den zwei Minuten dauernden Zapfvorgang seines Bieres an.

Guinness, das lange auch von dem genialen Schachzug lebte, aus seinem Bier und dem touristisch immer erfolgreicher werdenden Land Irland eine gemeinsame Marke gemacht zu haben – das Logo ist nicht zufällig die irische Harfe, die Guinness einfach nur gespiegelt hat –, gelingt es seit Ende der 90er-Jahre, das zwischenzeitlich vor allem bei der jungen Zielgruppe erloschene Interesse an der Marke wieder zu wecken. Dazu passt auch die Ankündigung, bis Ende des Jahres das Bier vegan herzustellen. Guinness verzichtet beim Filtern künftig auf den Einsatz von Fischschwimmblasen, was medienwirksam verkündet wurde, obwohl etwa deutsche Brauereien dieses Verfahren nie einsetzten.

Dieser Text ist ein Beitrag aus der Wirtschaftszeitung. Hier geht es zum E-Paper: www.die-wirtschaftszeitung.de/epaper

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