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Sonntag, 24. September 2017 21° 1

Arbeit

Hilfe auf dem Weg zur Führungskraft

Von der gesetzlichen Frauenquote halten Metall- und Elektroverbände nichts. Sie fördern Frauen in einem eigenen Projekt.
Von Anna-Maria Ascherl, MZ

Frauen in Führungspositionen sieht man in der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie selten. Das soll sich ändern. Foto: dpa

Regensburg.Martina Groß ist 34 Jahre alt. Seit vier Jahren arbeitet die gebürtige Hessin als Unternehmensjuristin bei der Maschinenfabrik Reinhausen GmbH (MR). Sie will sich beruflich weiterentwickeln. Deshalb nimmt sie seit einem Jahr am Projekt „Frauen in Führungspositionen“ teil, das die bayerischen Metall- und Elektroarbeitgeber, kurz bayme vbm, 2010 ins Leben gerufen haben.

Seit 2016 gibt es die gesetzliche Frauenquote: Rund 108 Großunternehmen müssen bei der Besetzung von Aufsichtsratsposten den 30-Prozent-Anteil einhalten. Das heißt: 30 Prozent der Führungsetage müssen weiblich sein. Von dem Gesetz hält Bertram Brossardt, bayme vbm Hauptgeschäftsführer, nichts: Die Entscheidung darüber, wer als Führungskraft in Frage komme, müsse sich allein an Qualifikation und Leistung orientieren. „Wir glauben nicht an Regulierung, sondern an Chancen.“

Unternehmensjuristin Martina Groß Foto: Ascherl

Deshalb bieten die Verbände in einer Projektstaffel über zwei Jahre Workshops und Mentorenprogramme an, um Teilnehmerinnen auf eine Führungsposition vorzubereiten. Und oftmals klappt das auf Anhieb, wie Brossardt mit Zahlen beweist: Nach Abschluss der zweiten Staffel haben 41 Prozent der Frauen anspruchsvollere Positionen als zuvor eingenommen. Zehn Prozent der Teilnehmerinnen der dritten Staffel haben nach dem erfolgreichen Beenden des Projekts ihre erste Führungsposition im Unternehmen übernommen.

Austausch hilft bei der Entwicklung

Seit Beginn des Programms haben sich 212 Frauen aus 93 Unternehmen daran beteiligt. An der aktuellen vierten Staffel nehmen 52 Frauen teil, darunter Martina Groß. Die Juristin schätzt am Projekt vor allem das Netzwerk, das sie sich aufbaut: Sie trifft Frauen aus den unterschiedlichsten Unternehmens- und Lebensbereichen, mit unterschiedlichen Erfahrungswerten. Der Austausch unter den Teilnehmerinnen ist ein wichtiger Bestandteil des Projekts.

Auch bei der Umsetzung der „Hausaufgaben“ unterstützen sich die Frauen. „Man pickt sich eine Sache raus, die für einen interessant ist, und setzt sie um“, erzählt Groß. Zwei Frauen bilden dabei ein „Entwicklungstandem“ und überprüfen gegenseitig ihre Fortschritte. Alle zwei bis drei Monate, insgesamt sieben Mal, finden Treffen statt. Jeweils zwei Tage dauern die Workshops.

Lesen Sie auch den Kommentar von MZ-Autorin Dagmar Unrecht zum Thema Frauen in Führungspositionen:

Kommentar

Die alte Leier

Wir wissen es: Frauen in Führungspositionen sind Mangelware. In typischen Männer-Jobs wird mehr verdient als in Frauenberufen. Kinder und Karriere lassen...

Dr. Nicolas Maier-Scheubeck, Geschäftsführer der Maschinenfabrik Reinhausen GmbH Foto: Ascherl

Im Moment sind 16 Prozent der Arbeitnehmer der Maschinenfabrik Reinhausen am Standort Regensburg weiblich. Viel zu wenig, sagt Dr. Nicolas Maier-Scheubeck, Geschäftsführer der MR. „Gerade die traditionell männerdominierte Branche der Energietechnik kann von mehr qualifizierten Frauen in Führungspositionen profitieren.“

Das Problem sei aber, dass sich zu wenig Frauen beim Unternehmen bewerben. „Ich kann nicht erkennen, dass wir uns explizit dem Zufluss von Frauen verwehrt haben.“ Aber man habe an dem Zustand, dass sich viel weniger Frauen als Männer bewerben, auch nie aktiv etwas geändert. Maier-Scheubeck: „Wir wollen verstehen, warum sich Frauen Berufen aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik nicht so sehr zuneigen, obwohl sie das Talent dafür haben.“

Lesen Sie dazu auch: Frauen brauchen Mut für Männerberufe. Beide Geschlechter wählen noch immer geschlechtsspezifische Jobs.

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer bayme vbm Foto: dpa

Hier sehen die Vertreter der bayerischen Metall- und Elektroarbeitgeber auch die Erziehungsanstalten in der Pflicht. Schulen müssten Lust machen auf Technik, technische Hochschulen ansprechend sein für junge Frauen. Damit das gelinge, müsse die Ausstattung stimmen. „Hier sehen wir die Eltern und auch die Unternehmen in der Pflicht, Druck zu machen“, sagt Bertram Brossardt.

Sind die qualifizierten weiblichen Fachkräfte dann in den Unternehmen angekommen, gilt es, sie zu fördern. Nur so könne der Anteil von Frauen in Führungspositionen erhöht werden, stellt Maier-Scheubeck klar. Das Programm der Arbeitgeberverbände ist dabei ein Schritt in die richtige Richtung, findet Martina Groß: „Das Projekt ist eine tolle Sache!“

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