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Wirtschaft
Mittwoch, 13. Dezember 2017 5

Entwicklung

Im Babysocken sitzen Messgeräte

Die Digitalisierung ist im Kinderzimmer angekommen. Sicherheit und Funktionalität ist Eltern viel wert.
Von Yuriko Wahl-Immel, dpa

Moderne Technik ermöglicht frischgebackenen Eltern eine nahezu komplette Überwachung ihrer Sprösslinge. Foto: dpa

Köln.Die Digitalisierung kommt bis ans Babybettchen. Das wird deutlich bei der „Kind+Jugend“ in Köln, der weltgrößten Messe für Baby- und Kinderausstattung. Inzwischen können Mini-Hightech-Socken schon den Puls der Kleinsten per App anzeigen. Bluetooth-Thermometer messen permanent Fieber – meterweit vom schlafenden Sprössling entfernt – und senden die Daten ans elterliche Smartphone. Und Sensormatten melden, wenn das Baby sich in eine unerwünschte Bauchpositionen dreht.

„Die Digitalisierung, die überall Einzug hält, ist auch im Kinder- und Babybereich ein wachsendes Feld“, sagt Koelnmesse-Sprecherin Peggy Krause.

Hilfe dank Infrarot-Nachtsicht

Mehrere der gut 1230 Hersteller aus 50 Ländern stellen neue Überwachungssysteme vor, die nicht nur Töne und Bilder aufzeichnen – Babyphones und Videophones. Manche lösen auch Alarm aus, wenn sich das Kind 20 Sekunden lang nicht bewegt. Andere Produzenten werben mit fernsteuerbarer Kamera und Infrarot-Nachtsicht.

„Eltern sind heutzutage oft verunsichert. Die Nachfrage nach solchen Kontroll- und Messgeräten steigt“, sagt Tanja Kraemer, Chefredakteurin der Zeitschrift „baby&junior“. Der Markt sei unübersichtlich und intransparent, vieles werde online aus aller Welt bestellt. „Immer mehr Hersteller springen auf den digitalen Zug auf und entwickeln solche Geräte“, sagt Kraemer. Zahlen für den Markt der digitalen Helfer in Deutschland seien aber nicht bekannt.

Kommentar

Ja zum Fortschritt

Wer die Frage stellt, warum man all die neuen technischen Helferlein im Kinderzimmer braucht, hat irgendwie schon recht. Aber diese Frage hätte man sich...

Der globale Markt allein für Baby-Wearables werde aktuell auf rund 900 Millionen Dollar geschätzt und laut Experten bis 2024 auf 1,1 Milliarden Euro klettern. Darunter fallen am Körper getragene Fußbänder, Hightech-Söckchen oder Sensor-Strampler zur Überwachung von Herzschlag, Atmung oder Temperatur. Kraemer zufolge sind die Käufer oft mit digitalen Anwendungen groß geworden. Ihre Kinder wollten sie „unter optimierten Bedingungen“ aufwachsen sehen. Das kann kosten – bei vielen Geräten mehrere hundert Euro.

Der Branche gehen die Ideen für smarte Helfer offenbar nicht aus. Sie entwickelt XS-Monitore, die im Kinderzimmer die Luftqualität analysieren und via App vorschlagen, wie sie zu verbessern ist. Eltern geizen nicht bei Ausgaben für ihre Kinder: 2016 investierten sie hierzulande 2,5 Milliarden Euro für die allgemeine Ausstattung ihrer Kids in den ersten drei Lebensjahren. Laut dem Bundesverband für Spielwaren-Einzelhandel waren das vier Prozent mehr als im Vorjahr. Und immerhin 1125 Euro pro Kopf.

Nicht alle Produkte sind sinnvoll

Branchenkennerin Kraemer hält aber längst nicht alle Angebote für sinnvoll. Ein Sensor an der Windel, der warnt, wenn sie voll ist, sei jedenfalls überflüssig. Eltern könnten auch abhängig werden von Überwachungsgeräten und Apps.

Doch warum greifen Eltern zu, obwohl Generationen vor ihnen ohne all das auskamen? Alessandro Zanini vom Verband Deutscher Kinderausstattungs-Hersteller sagt: „Die Bedürfnisse nach mehr Sicherheit, Design und Funktionalität führen zu immer besseren Produkten und Vielfalt, aber teilweise auch zum Überfluss.“ Man müsse in der Branche versteckte Bedürfnisse nicht nur erkennen, sondern auch stimulieren.

Kritiker warnen hingegen, dass etwa bei gespeicherten Daten, Bildern und Videos von Kind und Umgebung oft nicht klar sei, was damit passiere. Auch bestehe das Risiko, dass die Systeme gehackt werden könnten.

Ralf, ein frisch gebackener Vater, sieht viele solcher digitalen Helfer skeptisch. „Es soll auch öfters Fehlalarme geben.“ Sein Baby will er nicht ständig mit Bild und Ton beim Schlafen im Kinderzimmer überwachen. „Man macht sich am Ende doch verrückt.“

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