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Wirtschaft
Donnerstag, 19. Januar 2017 -4° 3

Umwelt

Immer mehr wollen Rohstoffe aus dem Meer

Angesichts der Rohstoffpreise interessieren sich immer mehr Staaten und Firmen für Tiefseebergbau. Der neue „World Ocean Review“ warnt vor Risiken.

Ein Mini-U-Boot, dessen Roboterarm bei einer Live-Übertragung demonstrativ die weiß-blau-rote Nationalflagge Russlands in den Meeresboden steckt Foto: dpa

Hamburg. Rohstofflager im Meer rücken zunehmend ins Visier von Staaten und Konzernen. Künftig könnten „Erze in Form von Manganknollen, Kobaltkrusten und Massivsulfiden in bis zu 4000 Meter Tiefe abgebaut werden“, heißt es im Bericht „World Ocean Review III – Rohstoffe aus dem Meer“, der am Donnerstag in Hamburg vorgestellt wurde. Darin haben Forscher des Kieler Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“ und internationale Experten Fakten zu Öl- und Gasvorkommen sowie mineralischen Ressourcen zusammengetragen. Gleichzeitig warnen sie vor Risiken für die Umwelt.

Seltene Metalle sind heiß begehrt

Gold und Silber, Kupfer und Zink: Diese und weitere seltene Metalle sind heiß begehrt. Bisher werden sie an Land abgebaut, doch der weltweite Hunger nach Rohstoffen und die daraus resultierenden hohen Preise rücken auch Lagerstätten in der Tiefsee ins Visier von Staaten und Firmen. „Rohstoffe im Meer haben großes Potenzial“, sagte der Sprecher von „Ozean der Zukunft“, Prof. Martin Visbeck, der dpa. „Aber man kann wohl sagen, trotz der steigenden Metallpreise ist derzeit noch niemand bereit, sehr viel Geld für den Tiefseebergbau in die Hand zu nehmen.“

Dennoch, „die wirtschaftliche Nutzung mariner mineralischer Rohstoffe rückt angesichts des Anstiegs der Rohstoffpreise und globaler Verknappungsszenarien bei bestimmten Rohstoffen immer mehr in den Fokus und könnte mittelfristig eine größere Bedeutung erlangen“, heißt es etwa im „Nationalen Masterplan Maritime Technologien“ des Bundeswirtschaftsministeriums. Und auch Unternehmen zeigen Interesse an den mineralischen Schätzen der Ozeane. „Natürlich gucken sich Firmen da nach neuen Lagerstätten um“, sagte Visbeck.

Staaten und Firmen unternehmen Erkundungsbohrungen

Weltweit gibt es bisher noch keinen kommerziellen Tiefseebergbau von Metallen. Allerdings stehen schon einige Staaten wie Deutschland und private Firmen in den Startlöchern und machen Erkundungsbohrungen oder haben Lizenzen dafür beantragt. Es sei sinnvoll, diese Pilotvorhaben wissenschaftlich zu begleiten und Umweltaspekte zu berücksichtigen. „Da sind Industrie und Forschung gemeinsam unterwegs“, sagte Visbeck.

Umweltbelastungen und Landnutzungskonflikte

Ein Abbau sei immer mit Risiken und Umweltbelastungen verbunden, darüber müsse diskutiert werden, betonte der Kieler Ozeanograph. So sind sich Wissenschaftler dem Bericht zufolge darin einig, „dass der Abbau von Manganknollen einen erheblichen Eingriff in den Lebensraum Meer darstellt“. Der Lärm und die Vibrationen, die bei Abbau, Herauspumpen und Reinigen der Knollen entstehen, könnten Delfine und Wale stören. Und im durchpflügten Bereich würden alle Tiere sterben, die nicht schnell genug fliehen könnten, etwa Würmer, Schnecken und Seegurken.

Auf der anderen Seite vermeide Meeresbergbau Landnutzungskonflikte, heißt es in dem Bericht. Und Staaten, die über keine eigenen Rohstoffreserven verfügen, könnten etwas mehr Unabhängigkeit von den Exportnationen erlangen.

Eine Empfehlung oder einen Ratschlag für oder gegen den Tiefseebergbau gibt der Bericht nicht. „Wir wollten Hintergründe und Fakten bündeln und auf den Tisch legen“, sagte Visbeck. Auf dieser Grundlage könnten alle Beteiligten in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft sachlich diskutieren, ob und in welcher Form der Tiefseebergbau gewünscht sei.

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