mz_logo

Wirtschaft
Samstag, 23. September 2017 21° 1

Urlaub

Klassische Reisebüros gehen neue Wege

Im Wettbewerb gegen den florierenden Online-Reise-Markt setzen die lokalen Anbieter auf technische Anreize.
Von Larissa Schwedes, dpa

Eine Frau schaut sich mit einer VR-Brille in einem Reisebüro potenzielle Reiseziele an. Foto: dpa

Berlin.Bequem von daheim aus einen Flug oder ein Hotel aussuchen? Für viele Menschen ist das ziemlich praktisch. Den Reisebüros in Deutschland dagegen setzt die Konkurrenz aus dem Netz seit Jahren zu. Für die klassischen Büros mit Katalogen und Papp-Aufstellern bedeuten Online-Portale einen großen Wettbewerb – etliche Reisebüros gaben auf. Doch langsam zeichnet sich Erholung ab.

Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands ist die Zahl der Reisebüros im vergangenen Jahr wieder leicht gestiegen und liegt derzeit bei knapp 10 000. Das sind immerhin rund 100 Büros mehr als noch 2014, als der Verband lediglich 9829 Büros verzeichnete. In den vorherigen zehn Jahren war die Anzahl stetig gesunken. Auf die Einwohnerzahl bezogen habe Deutschland noch immer eines der dichtesten Reisebüronetze weltweit, wie eine Sprecherin des Verbandes erläuterte. Beim Reiseveranstalter „Tui Deutschland“ liegt der Anteil der reinen Online-Buchungen bei lediglich etwa 20 Prozent. Oft macht die Komplexität einer Reise den Unterschied: Während ein einzelner Flug eher online gebucht würde, entschieden sich Buchende bei längeren Reisen mit verschiedenen Transfers eher für den Gang ins Reisebüro, sagt Sprecherin Kathrin Spichala. „Wer mehr Sicherheit will, geht eher ins Reisebüro“, weiß Julia Buchweitz von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.

Last-Minute schlägt Kontakt

  • Die Web-Zahlen steigen:

    Allein durch die Stärke im Kundenkontakt wird die Konkurrenz im Internet für die Reisebüros nicht kleiner – der Markt online wächst. Zahlen des Verbandes „Internet Reisevertrieb“ und der Marktforschungsgesellschaft „GfK“ zeigen: In den Sommermonaten 2017 sind die Umsätze von Online-Portalen gegenüber 2016 um neun Prozent gestiegen. Die Buchungen in klassischen Reisebüros legten hingegen nur um drei Prozent zu.

  • Vorsprung wird größer:

    „In den kommenden Buchungswochen werden die Online-Reiseportale ihren Vorsprung gegenüber dem stationären Reisevertrieb aller Voraussicht nach weiter ausbauen“, sagt Dörte Nordbeck von der „GfK.“ Die Stärke der Onliner liege im Last Minute- und Kurzfristgeschäft.

Durch einen festen Ansprechpartner und eine größere Transparenz über den Vertragspartner könnten im persönlichen Reisevertrieb Risiken und Unsicherheiten besser vermieden werden, was vielen Buchenden wichtig sei. Finanziell mache es aufgrund einer gesetzlichen Regelung keinen Unterschied, ob man ins Reisebüro gehe oder online buche, erklärt die Verbraucherschützerin. Reisebüros dürften vom Kunden für eine Reise keine höheren Kosten verlangen als dieser im Internet zahlen müsste. Spezialisierungen – wie beispielsweise auf Kreuzfahrten – können zudem für Reisebüros von Vorteil sein. Auch der Einsatz neuer Technologien kann laut Buchweitz zusätzliche Anreize bieten, ein Reisebüro zu besuchen. „Tui“ testet derzeit Roboter, die den Kunden an der Eingangstür eine Erstberatung anbieten. Auch in den Büros von Thomas Cook lässt sich per Virtual Reality-Brille bereits das potenzielle Reiseziel erkunden.

Weitere Artikel aus dem Ressort Wirtschaft lesen Sie hier!

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht