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Wirtschaft
Dienstag, 21. November 2017 7

Technologie

Komfort und Sicherheit im Smarthome

Das vernetzte Haus bietet viele hilfreiche digitale Anwendungen. Wichtig sind jedoch auch Sicherheitskonzepte.
Von Thomas Tjiang, Wirtschaftszeitung

Daheim geht es immer „smarter“ zu. Foto: obs/BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH

Abensberg.Wenn der 17-jährige Christoph ein Frühstücksei kocht, den Tee ziehen lässt oder sich ein Baguette aufbäckt, blickt er nie zur Uhr. Stattdessen zückt er immer sein Smartphone und sagt „Stelle den Timer auf …“ Diese Generation, die Marktforscher gern als iBrains bezeichnen, hat digitale Assistenzen im Alltag fast schon mit der Muttermilch aufgesogen. Sie interessieren sich kaum für das Thema Datenschutz, sondern nutzen, wann immer es geht, aus Bequemlichkeit die Vielfalt der Apps. Wahrscheinlich ist das auch die stärkste Zielgruppe, wenn es um das vernetzte Haus, das Smarthome, geht – wenn sie nur zahlungskräftig genug wäre.

Die Diskussion um die Datenhoheit in den eigenen vier Wänden steckt noch in den Kinderschuhen. Ein Einzelbeispiel ist die Bundesnetzagentur, die die Kinderpuppe „Cayla“ Anfang des Jahres aus dem Verkehr zog. Gegenstände, die sendefähige Kameras oder Mikrofone verstecken und so Daten unbemerkt weiterleiten können, gefährden die Privatsphäre der Menschen, begründeten die Aufseher von Energie-, Telekommunikations- und Postmärkten.

Die neuen Möglichkeiten digitaler Anwendungen daheim schaffen auch neue Begehrlichkeiten. Der US-Staubsaugerhersteller iRobot möchte gern Raumpläne von Wohnungen und Häusern an Dritte weitergeben – wenn die Kunden zustimmen. Die Raumpläne werden von den Saugrobotern digital erstellt, wenn sie sich bei ihrem Dienst autonom durch Wohnzimmer & Co. bewegen.

Rund ums intelligente Haus, das Smarthome, ist Sicherheit allerdings durchaus machbar, weiß Mike Gammel, Geschäftsführer der Abensberger Smome. Sein Unternehmen berät, plant und realisiert Lösungen für Häuslebauer, Renovierer oder Bauträger. „Auch das Sicherheitsbedürfnis der Kunden ist hoch“, weiß er. Das könnte auch daran liegen, dass die iBrains noch nicht die Mehrheit der Kundschaft stellen. „Den typischen Kunden gibt es nicht.“

Unter den vielen Möglichkeiten für ein Smarthome, angefangen von Beleuchtung und Beschattung, Heizen und Kühlen bis zu Multimedia oder Sicherheit, sei es schwer, aktuelle Trends zu identifizieren. Von privaten Interessenten erhält Gammel viele Anfragen zum Energiemonitoring. Viele haben eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, investieren nun in einen Batteriespeicher und wollen nun den Eigenverbrauch erfassen und verbessern.

Das geht beispielsweise mit einer intelligent gesteuerten Heizung, die die Temperatur für jeden einzelnen Raum kennt und entsprechend reagiert. Je nach Sonnenstand plus aktuelle Wetterdaten aus dem Internet wird die Beschattung durch Jalousien oder Markise mitgesteuert, damit sich die Räume nicht zu stark aufheizen. „So lassen sich Heizung oder Kühlung optimal steuern“, führt Gammel aus, ohne dass der Bewohner noch selbst Hand anlegen muss. Zudem lässt sich dadurch selektiv – je nach Bedarf – der Energieeinsatz in den Räumen steuern und damit bares Geld sparen. Um den angesichts minimierter Einspeisevergütungen selbst erzeugten Strom besser zu nutzen, wird das E-Auto vor der Tür nur dann geladen, wenn selbst erzeugter Strom verfügbar ist.

Für Smome ist es aber auch wichtig, dass ein intelligentes Haus auch ohne Internet und App-Steuerung funktioniert. „Es soll auch ohne Smartphone klappen“, lautet die Firmendevise. Denn Lösungen ohne Internetzugang sind definitiv sicherer, bieten allerdings weniger Komfort. Sie sind nicht von außen steuerbar, Meldungen über Alarme können jedoch auch etwa über SMS oder einen telefonischen Notruf versendet werden. Will ein Kunde sein Smarthome von überall auf der Welt im Blick behalten, kann er den Zugriff über das Internet mit Benutzernamen und Passwort schützen. Für einzelne Funktionen wie „Tür öffnen“ kann außerdem ein weiteres Passwort eingebaut werden. Zusätzlich kann die Internetverbindung über einen VPN-Tunnel gesichert werden. „Das hat bisher aber noch keiner unserer Kunden gefordert.“ Allerdings müsste ein Smarthome-Einbrecher über enorme IT-Kenntnisse verfügen. Für Gammel wäre das sehr unrealistisch, er kenne keinen vergleichbaren Fall.

Zum Sicherheitskonzept eines intelligenten Hauses kann auch ein Kommunikationskonzept am Gartentor gehören. Selbst wenn man außer Haus ist, kann man über das Smartphone mit den Gästen sprechen, die vielleicht zu früh kommen. Ungebetene Gäste werden an Fensterkontakten oder den Präsenzmeldern in den Zimmern erfasst, dann startet eine vorher festgelegte Alarmkaskade.

Smome hat beispielsweise in einem Eigenheim Sprachsteuerungen nachgerüstet, weil ein Familienmitglied querschnittsgelähmt war. Solche Assistenz- und Steuersysteme sind für inklusive Wohnformen ideal und laut Mike Gammel „in ein paar Jahren nicht mehr wegzudenken“. Einen großen Bedarf sieht er auch etwa für Bewegungsmelder im betreuten Wohnen, um etwa Nachtwachen von Routinearbeiten zu entlasten. Das alles werde in einer alternden Gesellschaft „ein großes Thema“.

Dieser Text ist ein Beitrag aus der Wirtschaftszeitung. Hier geht es zum E-Paper: www.die-wirtschaftszeitung.de/epaper. Lesen Sie zu diesem Thema auch das Interview Die digitale Vernetzung schreitet voran mit Dr. Robert Kecskes, Senior Insights Director beim Markforschungsinstitut GfK.

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