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Wirtschaft
Dienstag, 16. Januar 2018 6

Kommentar

Konservierte Benachteiligung

Ein Kommentar von Berlin-Korrespondent Stefan Vetter

Gleichstellungsbeauftrage werden nicht selten belächelt. Es war sogar ein Bundeskanzler, der dieser Geringschätzung mit einer eingängigen Bemerkung politisch Vorschub geleistet hat: „Gedöns“. Darunter firmierte bei Gerhard Schröder alles, was mit Frauen und Familie zu tun hatte. Typisch Macho eben.

Spätestens seit den einschlägigen Untersuchungen über die spärliche Präsenz von Frauen in Führungspositionen sollte allerdings klar sein, dass geschlechtsbedingte Benachteiligungen in Deutschland durchaus ein reales Problem sind und nicht nur Stoff für irgendwelche Witze am Stimmtisch. Einen bis dato kaum beachteten Aspekt dieses Problems hat nun die Antidiskriminierungsstelle des Bundes beleuchtet. Insbesondere für Dienstleistungen müssen Frauen zum Teil deutlich tiefer in die Tasche greifen als männliche Verbraucher.

Das mutet schon deshalb paradox an, weil Frauen zumeist in geringer bezahlten Jobs arbeiten als Männer. Im Kern gibt es für die unterschiedlichen Preise eine ebenso schlichte wie fragwürdige Erklärung: Weil das schon immer so war. Selbst die meisten Frauen nehmen daran bisher keinen Anstoß. Ihnen kann man daher nur raten, das Preisgefüge künftig selbst stärker zu hinterfragen. Die jüngste Untersuchung liefert dafür viele Argumente. Und genau deshalb ist es auch gut, dass es Gleichstellungsexperten gibt, die solches „Gedöns“ thematisieren.

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