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Donnerstag, 27. Juli 2017 16° 7

Arbeit

Lydie Mbenza, die angehende Pflegerin

Lydie ist mit ihrer Familie in der Nähe von Passau gelandet. Die Altenheimbewohner haben sie schnell ins Herz geschlossen.
Von Christine Hochreiter, MZ

Lydie – wie auch ihr Mann Jean-Paul – haben sich beruflich neu orientiert. Foto: zema-foto.de

Passau.Lydie Mbenza ist eigentlich ein fröhlicher Mensch. Doch das lange Warten hat schwer an ihren Nerven gezehrt. „Ich schlafe schlecht und habe keinen Appetit mehr“, sagt sie. Die gebürtige Kongolesin lebt inzwischen seit dreieinhalb Jahren in Deutschland. Sie ist mit ihrem Mann und den beiden Töchtern aus der Hauptstadt Kinshasa geflüchtet, nachdem sie dort um ihr Leben fürchten musste. „Zuhause“ hatte Lydie zwei Jahre Jura studiert, doch dann konnte sie sich das Studium nicht mehr leisten und hat in einem Kindergarten ausgeholfen.

Nach vielen Stationen ist die Familie schließlich in Salzweg bei Passau gelandet. Sie lebt dort auf Anraten des behandelnden Arztes in einer Wohnung, nachdem die jüngere Tochter in der Enge der Asylunterkunft eine schwere Hauterkrankung bekommen hatte. Lydie – wie auch ihr Mann Jean-Paul – haben sich beruflich neu orientiert. Die junge Frau macht gerade eine Ausbildung zur Altenpflegehelferin an der Berufsakademie BAP. Jean Paul, der in Kinhasa nach dem Studienabbruch als Chauffeur gearbeitet hatte, wollte eigentlich Automechaniker werden. Doch das hat nicht geklappt und nun ist er auf dem Weg zu einer Ausbildung als Schreiner.

Lydie sagt, sie hat „viel Stress“. Sie und ihr Mann verlassen unter der Woche in aller Früh die Wohnung und fahren mit dem Bus nach Passau beziehungsweise nach Vilshofen. Die beiden Töchter (acht und zehn Jahre alt) machen sich dann selbstständig für die Schule fertig. Und die junge Frau beeilt sich am Nachmittag nach ihrem eigenen Schulbesuch, um noch rechtzeitig vor ihnen wieder daheim zu sein – „damit sie nicht so viel alleine sind“.

Vor dem Praktikum in einem Altenheim hatte Lydie „ganz viel Angst“, wie sie erzählt. Sie war es gewohnt, mit Kindern zu arbeiten. Die Arbeit mit Senioren war für sie eine völlig neue Erfahrung. Und sie befürchtete, dass sie noch nicht gut genug Deutsch kann, um sich gut zu verständigen. Doch das war alles kein Problem. Die Altenheim-Bewohner haben sie schnell ins Herz geschlossen und sie fühlt sich dort bei ihnen sehr wohl. Der ein oder andere gibt ihr sogar Süßigkeiten für die Kinder mit. Im Juli ist die 39-Jährige mit ihrer Ausbildung fertig. Und dann möchte sie nur allzu gerne in dem erlernten Beruf arbeiten.

Die Familie spricht Französisch miteinander. Lydie ist aber auch in Englisch fit und jeden Sonntag kommen Freundinnen, die mit ihr Deutsch lernen. Aber immer öfter stellt sie sich die Frage, ob sich das überhaupt lohnt. Denn ihr Asylantrag wurde 2015 abgelehnt. Das Ehepaar hat Berufung eingelegt und wartet auf einen Gerichtstermin in Regensburg. „Das Schlimmste ist es zu warten“, sagt Lydie. Und: „Alles ist besser als diese Ungewissheit.“

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