mz_logo

Wirtschaft
Dienstag, 24. Oktober 2017 4

Arbeit

Masih, der angehende Fachinformatiker

Masih und seine Familie sind in der Region Passau gut integriert. Trotzdem muss er vielleicht nach Afghanistan zurück.
Von Christine Hochreiter, MZ

Masih Motiullah Rahimi lernt niederbayerisch. Foto: ICUnet.AG

Passau.Masih Motiullah Rahimi lebt seit fast vier Jahren in Niederbayern. Der 19-Jährige ist mit seinen Eltern und zwei Geschwistern aus Afghanistan geflüchtet. Die Frage nach den Gründen für seine Flucht beantwortet er flüssig mit den wohl schon oft benutzten Worten: „Darüber möchte ich nicht sprechen.“ Masih ist, wie er sagt, „schon immer in Passau“, genauer gesagt: in der Region Passau. Und damit soll es mit der Vorgeschichte auch gut sein. Fakt ist: Als er ankam, sprach er kein Wort Deutsch, nur ein paar Brocken Englisch.

Seither ist viel passiert. Die Familie lebt in einem Privathaus in der Nähe von Fürstenzell. Masih hat fleißig Deutsch gelernt, die Hauptschule abgeschlossen und eigentlich wollte er auf eine Wirtschaftsschule gehen und dort die Mittlere Reife machen. Doch dann kam er im vergangenen Sommer auf einer Ausbildungsmesse in Passau in Kontakt mit der ICUnet.AG. Das Unternehmen ist Spezialist für interkulturelles Training und Vorstandschef Dr. Fritz Audebert engagiert sich intensiv für die Integration von Flüchtlingen. Masih recherchierte im Internet und wusste sofort: „Da will ich arbeiten.“ Es gefällt ihm, dass das Unternehmen „so viele internationale Kontakte hat“. Der junge Mann bewarb sich um eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration und wurde genommen. Größere Probleme sieht er bei seiner Ausbildung nicht - auch nicht an der Berufsschule. Nur das Programmieren ist „manchmal ganz schön schwer“.

Mit seiner Familie spricht Masih Farsi, seine Muttersprache. Ansonsten ist er überzeugt, dass es „viele Möglichkeiten gibt, Deutsch zu lernen“. Es komme stark darauf an, „wie man selbst ist“, und wie man sich selbst um sein Leben kümmert. Wenn man sich um Kontakte bemühe und mit den Leuten spreche, komme man schnell „rein“, dann könne man sich ziemlich rasch integrieren.

Auch dem Rest der Familie scheint das recht gut zu gelingen. Masihs 15-jährige Schwester geht auf die Realschule, sein 22-jähriger Bruder studiert in Coburg. Er selbst spielt in seiner Freizeit gerne Fußball - in der zweiten Mannschaft des 1. FC Fürstenzell. Da gibt es nur ein Problem, sagt er grinsend: „Der Trainer kann kein Hochdeutsch.“ Dafür lernt Masih Niederbayerisch, denn auch die meisten Mitspieler kommen aus der Region. Dies gilt auch für die Firma, zumindest in seiner Abteilung. Obwohl er gut integriert ist, und einen Ausbildungsplatz hat, hat Masih soeben einen negativen Bescheid vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bekommen und weiß deshalb nicht, ob er mit seiner Familie langfristig in Deutschland bleiben kann. Die Ausbildung darf er aber auf jeden Fall zu Ende bringen.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht