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Wirtschaft
Samstag, 20. Januar 2018 10

Elektronik

Mit dem Robotertaxi durch Las Vegas

Technik-Messe CES: Das Auto fährt geschmeidig und bemerkenswert unspektakulär – und genau das ist auch der Plan.
Von Andrej Sokolow, dpa

Las Vegas wird zur Roboterwagen-Teststadt. Foto: John F. Martin/APTIV/dpa

Las Vegas.Das Robotertaxi der Zukunft kann man sich auf der Technik-Messe CES zumindest ein wenig in Aktion vorstellen. Der Technologie-Zulieferer Aptiv hat testweise mehrere Wagen auf die Plattform des Fahrdienst-Vermittlers Lyft gebracht. In der App von Lyft taucht unter Umständen die Option „selbstfahrendes Auto bestellen“ auf. Dann kann es zu einem von 20 Hotels gehen, für die Aptiv die Fahrtwege noch einmal minuziös selbst vermessen hat. Eine Fahrt vom Messegelände zum „Ceasar’s Palace“ ist bemerkenswert unspektakulär: Das Auto fährt geschmeidig, ohne abruptes Bremsen oder Beschleunigen.

Foto: John F. Martin/APTIV/dpa

Es wechselt bei Bedarf mit einer kurzen gesprochenen Vorwarnung die Spur, das Signal der Ampel wird per Funk übermittelt, um sich nicht auf Kameras zu verlassen. Die Sicherheitsfahrerin am Steuer muss zwischendurch nicht eingreifen – auch nicht als ein Fußgänger noch auf den Zebrastreifen läuft, während die Ampel für das Auto bereits grün leuchtet. Nur am Startort und Ziel übernimmt sie die Kontrolle: Aptiv und Lyft haben die Erlaubnis, autonom den Verkehr auf der Straße zu navigieren – auf private Parkplätze erstreckt sie sich aber nicht.

Die Anbieter

  • Die Aussicht

    auf eine große Umwälzung lässt gerade Goldgräberstimmung rund um das autonome Fahren aufkommen. Neben Herstellern, Zulieferern und Tech-Firmen wie Waymo, Uber oder Apple arbeiten auch diverse Start-ups an Technologien zum autonomen Fahren.

  • Eine Marktbereinigung

    sei unausweichlich, sagt Analyst Mike Ramsey vom Marktforscher Gartner. „Manche haben exzellente Leute an Bord, aber man wird in der Zukunft keine 15 Anbieter von Roboterwagen-Technologie brauchen.“ (dpa)

Auch in Boston werden Roboterautos getestet

Foto: John F. Martin/APTIV/dpa

Für Lyft ist Las Vegas die zweite Roboterwagen-Teststadt nach Boston. Der Fahrdienst-Vermittler setzt dabei für die Zukunft auf den Plan, selbstfahrende Autos verschiedener Hersteller auf seine Plattform zu holen. Der große Rivale Uber hingegen arbeitet an einer eigenen Roboterwagen-Technologie und lässt seit Herbst 2016 testweise auch Passagiere in Pittsburgh mitfahren. Die Uber-Pläne bekamen zwar einen Dämpfer, als die Google-Schwesterfirma Waymo dem Start-up den Einsatz bei ihr gestohlener Laserradar-Technologie vorwarf. Während in diesem Jahr der Prozess beginnen soll, macht Uber aber weiter und gab auf der CES eine Partnerschaft mit dem Autocomputer-Lieferanten Nvidia bekannt.

Waymo ging unterdressen noch einen Schritt weiter und verzichtet in einem Testbereich in der Stadt Chandler in Arizona ganz auf den Notfall-Piloten am Steuer. Einwohner können dort in einem umgebauten Chrysler-Minivan mit Waymo-Technologie ihre Alltagsfahrten in einem zunächst 260 Quadratkilometer großen Gebiet erledigen.

Sicherheit steht an erster Stelle

Das Start-up, das als allererstes im Stadtverkehr Passagiere in selbstfahrende Autos setzte, NuTonomy, gehört jetzt zu Aptiv. Das eröffnet die Möglichkeit, Systeme, die als Absicherung für einen Ausfall doppelt an Bord sein müssen, durch den Einsatz von zwei verschiedenen Technologien noch robuster zu machen, sagt der zuständige Aptiv-Manager Serge Lambermont.

„Wir fangen erst an, zu begreifen, was die Technologie alles ermöglichen wird.“

Ford-Chef Jim Hackett

Darüber, wann kommerzielle Robotertaxi-Services in den Alltag kommen, gibt es in der Branche unterschiedliche Vorstellungen. So peilt der US-Autoriese General Motors das Jahr 2019 an, Renault-Chef Carlos Ghosn wollte sich in Las Vegas nur auf einen Zeitraum von sechs Jahren festlegen. Wie genau das autonome Fahren hingegen die Branche umkrempeln wird, ist bemerkenswert ungewiss. Klar ist nur, dass die Karten völlig neu gemischt werden könnten. „Wir fangen erst an, zu begreifen, was die Technologie alles ermöglichen wird“, sagte Ford-Chef Jim Hackett in Las Vegas.


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