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Arbeitsplätze

Neckermann streicht Arbeitsplätze

Der Versandhändler jede zweite Stelle abbauen. In Zukunft will er nur noch im Internet agieren.

Der Versandhändler Neckermann.de will nach Gewerkschaftsangaben mehr als jede zweite Stelle streichen.

Frankfurt/Main. Das Versandhaus Neckermann will sich künftig als reiner Online-Händler aufstellen und entlässt deshalb mehr als die Hälfte seiner 2500 Mitarbeiter. Das Sortiment solle neu aufgestellt und das Angebot in den Bereichen Technik und Möbel ausgebaut werden, kündigte Neckermann am Freitag an. Im Textil-Bereich würden künftig nur noch Markenprodukte angeboten, die gedruckten Kataloge komplett eingestellt.

Um die Transformation konsequent voranzutreiben und die Wettbewerbsfähigkeit von neckermann.de langfristig zu sichern, müssten die organisatorischen Strukturen angepasst werden. Dies führe zu einem „unverzichtbaren Abbau von insgesamt 1380 Arbeitsplätzen in Deutschland“, erklärte das Unternehmen.

Die Gewerkschaft Verdi verurteilte den geplanten Arbeitsplatzabbau als „soziale Katastrophe“. Besonders hart seien die Beschäftigten des Logistik-Bereiches betroffen, in dem die Geschäftsführung sämtliche 870 Arbeitsplätze streichen wolle, erklärte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Die Beschäftigten seien „kalt erwischt“ worden. In den vergangenen Monaten sei zwar über die Probleme vor allem im Bereich Textil gesprochen worden, allerdings sei gleichzeitig eine Perspektive für das Gesamtunternehmen eröffnet worden.

„Es wird immer weniger über den klassischen Katalog bestellt“, begründete eine Firmensprecherin die komplette Ausrichtung auf das Online-Geschäft. 2011 wuchs das Online-Geschäft um knapp 19 Prozent, im ersten Quartal 2012 um 30 Prozent. „Damit bestätigen unsere Kunden die E-Commerce-Ausrichtung von neckermann.de“, erklärte Firmenchef Henning Koopmann.

Gleichzeitig schrumpfte das Katalog-Geschäft. Im ersten Quartal 2012 ging der Umsatz in diesem Bereich um rund 50 Prozent zurück. Durch das bisherige Festhalten am Print-Segment seien zu viele Ressourcen gebunden worden, erklärte Koopmann. Die Konsequenz: Nach dem Hauptkatalog werden künftig auch alle sortimentsübergreifenden Kataloge eingestellt, rund 50 Arbeitsplätze werden in diesem Bereich gestrichen.

Neckermann, 1950 in Frankfurt am Main gegründet, hatte 1995 als eines der ersten Versandhäuser in Deutschland sein Onlinegeschäft www.neckermann.de gestartet, das heute nach eigenen Angaben ein Sortiment von 700.000 Artikeln aus den Bereichen Mode, Technik und Wohnen anbietet. Inzwischen erwirtschaftet Neckermann fast 80 Prozent seines Umsatzes über das Internet, fast 90 Prozent der Neukunden gewinnt Neckermann über das Onlinegeschäft. Schon Anfang 2006 sollte die Umbenennung in die neckermann.de GmbH die Ausrichtung auf den Internethandel unterstreichen.

Der Bundesverband des Deutschen Versandhandels (bvh) sieht die Zukunft im Online-Handel. „65 Prozent des gesamten Versandhandels werden online gemacht“, sagte Verbandsprecherin Christin Schmidt AFP. Der Anteil steige jährlich. Beherrscht wird der Online-Markt vom Internetgiganten Amazon. Die Liste der deutschen Versandhäuser wird angeführt vom Otto-Versand. Neckermann ist nach eigenen Angaben unter den drei größten Online-Versendern in Deutschland.

Wie der frühere Konkurrent Quelle gehörte Neckermann zwischenzeitlich zum mittlerweile pleite gegangenen Konzern Arcandor. Dieser verkaufte Neckermann an den heutigen alleinigen Eigentümer, den US-Investor Sun Capital Partners.

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