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Wirtschaft
Dienstag, 21. November 2017 7

Hochschule

Schulterschluss mit den Unternehmen

Prof. Dr. Wolfgang Baier, Präsident der OTH Regensburg, spricht über die Entwicklung der Hochschullandschaft.
Von Gerd Otto, WZ

Prof. Dr. Wolfgang Baier, Präsident der Ostbayerisch Technischen Hochschule (OTH) Regensburg. Foto: Florian Hammerich/ OTH Regensburg

Regensburg.Herr Baier, was steckt aus Sicht der OTH Regensburg hinter dem Begriff „Campus“? Wo liegen die Vorzüge für den Hochschulstandort Regensburg und was muss man grundsätzlich beachten, um die Campus-Idee erfolgreich zu verwirklichen?

Prof. Dr. Wolfgang Baier: Der Regensburger Campus ist in seiner Konzeption deutschlandweit einmalig und reicht vom Universitätsklinikum über die Universität bis zu uns, der OTH Regensburg. Dieser gemeinsame Wissenschaftscampus offeriert ein komplementäres Angebot und wird durch die beiden städtischen Innovations- und Technologiezentren BioPark und TechCampus hervorragend ergänzt. Der Campus generiert interessante Synergien in Forschung und Lehre, die für alle Beteiligten von hohem Nutzen sind. Diese Einrichtungen befinden sich alle auf einer zusammenhängenden Fläche, eingebettet in eine parkähnliche Anlage. Das Wichtigste bei der Campus-Idee ist meiner Meinung nach aber, ein gutes nachbarschaftliches Miteinander zu pflegen und so die partnerschaftliche Zusammenarbeit zu fördern. Gemeinsame übergreifende Einrichtungen sind der Beleg dafür, dass uns das bisher in Regensburg außerordentlich gut gelingt.

Wie kleinteilig aber darf eine Hochschullandschaft sein? Was sollte man mit Blick auf den ländlichen Raum beachten?

Hochschulen müssen neben der reinen Wissensvermittlung im Rahmen von Studiengängen auch wissenschaftliche Bildung in einem viel breiteren Sinne bieten. Hierzu gehört insbesondere auch die Förderung der persönlichen und sozialen Kompetenz der Studierenden. Spezielle Lehrangebote, die der Ausbildung entsprechender Softskills dienen, sind hierbei sicherlich notwendig und zielführend. Ganz wichtig ist allerdings auch die Möglichkeit zur aktiven Teilhabe der Studierenden am Leben auf einem Wissenschaftscampus. Hierzu gehört beispielsweise der Austausch mit anderen Studierenden auch über die Fachgrenzen hinweg oder der Kontakt mit den Dozierenden auch außerhalb der Veranstaltungen. Ganz wichtig für die Entwicklung sozialer Kompetenz und Teamfähigkeit ist aber auch die Mitarbeit in studentischen Initiativen oder Projekten außerhalb des Studienbetriebs, wie es an der OTH Regensburg beispielsweise die Connecta, Dynamics e. V., Campus e. V. oder auch Campus Asyl bieten. Um diese Randbedingungen realisieren zu können, braucht es aber eine kritische Größe für eine Hochschule. Werden lediglich einzelne monothematische Studiengänge, isoliert und fernab vom Hauptcampus, angeboten, ist dies nur eingeschränkt beziehungsweise nur im Rahmen intelligenter Lösungen zu erreichen. Darüber hinaus machen hochschulische Einrichtungen abseits etablierter klassischer Hochschulstandorte nur dann Sinn, wenn es vor Ort auch den konkreten Bedarf und die entsprechenden Partner gibt. Sind diese Bedingungen aber erfüllt, können diese Hochschuleinrichtungen im ländlichen Raum in der Tat dazu beitragen, eine Abwanderung der jungen Leute – aufgrund ihres Studiums und des Arbeitsplatzes – in Großstädte zu vermeiden. Wir bieten den Studiengang Soziale Arbeit an den Standorten Abensberg, Tirschenreuth und Cham an. Es handelt sich dabei um ein rein berufsbegleitendes Angebot, das eng an den Campus Regensburg angebunden ist und durch eine Vielzahl von virtuellen Lehr- und Lernmodulen unterstützt wird. Soziale Einrichtungen vor Ort haben Bedarfe angemeldet und stehen als Bildungspartner zur Verfügung. Kommunen stellen die nötige Infrastruktur zur Verfügung. In Parsberg bauen wir gemeinsam mit der TH Deggendorf einen reinen Technologie- und Forschungscampus auf. Die thematische Ausrichtung orientiert sich stark an den Industriepartnern der Region, wodurch eine bilaterale Transfersituation entstehen wird. Auch hier stellen die Kommunen die Infrastruktur.

Kooperation ist aber auch zwischen Wissenschaft, also den Hochschulen, und den Unternehmen vor Ort erfolgversprechend. Worauf muss hier geachtet werden?

Wie in jeder guten Beziehung müssen Hochschulen und Unternehmen viel miteinander sprechen, um einerseits eine gemeinsame Sprache zu finden und um andererseits die jeweiligen Bedürfnisse des anderen kennenzulernen. Wir pflegen diesen Schulterschluss, vor allem mit den regionalen Unternehmen, schon seit Jahrzehnten, wie ich meine sehr erfolgreich. Als eine Hochschule für Angewandte Wissenschaften ist das ja auch unsere originäre Aufgabe, die Nähe zu der Praxis zu pflegen, und ich sage nichts Falsches, wenn ich behaupte, dass uns das bisher sehr gut gelingt.

Lesen Sie zu diesem Thema auch Von der Campusidee zur Universitätsstadt

Dieser Text ist ein Beitrag aus der Wirtschaftszeitung. Hier geht es zum E-Paper: www.die-wirtschaftszeitung.de/epaper

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